Biografie

Salman Rushdie

Der indio-britische Schriftsteller zählt seit Beginn der 1980er Jahre zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Weltliteratur. Mit der Publikation seiner "Satanischen Verse" zog Salman Rushdie 1988 den Unmut des islamischen Fundamentalismus auf sich, unter dessen religiösem Feme-Urteil, der Fatwa, er seitdem für mehr als zwei Jahrzehnte zu einem Leben in ständigem Exil und in permanenter Bedrohung gezwungen war. Sein Stil beruhte auf allegorischen Erzählungen, die politische und historische Zusammenhänge zum Hintergrund hatten. Seine Erzählungen schmückt Ahmed Salman Rushdie mit fantastischen Elementen aus der Märchenwelt aus. Dieses Vermischen von Mythos und Phantasie mit dem realen Leben wird bisweilen auch als magischer Realismus bezeichnet...
Ahmed Salman Rushdie stammt aus dem indischen Bombay, wo er am 19. Juni 1947 als Sohn einer muslimischen Familie geboren wurde.

Sein Vater, Anis Ahmed Rushdie, gehörte dem Bildungsbürgertum der Stadt an und war ein erfolgreicher Geschäftsmann. Rushdie wuchs in wohlhabenden Verhältnissen zunächst in Bombay auf und wurde mit 14 Jahren ins englische Rugby geschickt, wo er eine gute Schulausbildung erhielt. 1964 wurde Rushdie, der seine indische Muttersprache gegen das Englische eintauschte, britischer Staatsbürger. Nach der Schule studierte Rushdie Geschichte am College von Cambridge. Im Anschluss daran begann er, bis 1980 im Journalismus, im Theater und in der Werbebranche zu arbeiten.

Im Jahr 1976 heiratete Rushdie Clarissa Luard, mit der er einen Sohn hat und bis 1987 zusammen blieb. Ab Beginn der 1970er Jahre betätigte sich Rushdie auch schriftstellerisch. 1975 publizierte er mit "Grimus" seinen ersten Roman. Einen ersten internationalen Erfolg vor allem auf dem angelsächsischen Literaturmarkt erzielte er jedoch mit dem Buch "Midnight’s Children", das das Schicksal einer Familie im Übergang Indiens zur Unabhängigkeit erzählt und 1981 auch in deutscher Übersetzung ("Mitternachtskinder") erschien. Rushdies Stil beruhte auf allegorischen Erzählungen, die politische und historische Zusammenhänge zum Hintergrund hatten, aber mit phantastischen Elementen aus der Märchenwelt angereichert wurden.

Auf diese Weise provozierte er die westliche Literaturszene durch seinen dritten Roman "Shame", der 1983 auf Deutsch erschien ("Scham und Schande"). Obwohl 1988 die Publikation seines Romans "The Satanic Verses" einen weiteren Erfolg des Autors markierte, blieb das Werk nicht unumstritten. Insbesondere die darin enthaltene satirische Darstellung über das Leben des Propheten Mohammed wurde von muslimischen Leserkreisen als Verletzung ihres religiösen Selbstverständnisses gewertet. Der nun einsetzende islamische Protest gegen das Buch erreichte im Februar 1989 seinen Höhepunkt: Der iranische Staatschef Khomeini verurteilte den provokanten Schriftsteller zum Tode und rief die Moslems in aller Welt zur Vollstreckung des Urteils auf.

Die Umsetzung der "Fatwa", des Feme-Urteils Khomeinis, sollte durch ein Kopfgeld in Millionenhöhe beschleunigt werden. Trotz einer Entschuldigung Rushdies gegenüber der muslimischen Glaubensgemeinschaft hielt der Iran die Fatwa auch nach dem Tod Khomeinis im Juni 1989 weiter aufrecht; 1991 wurde das Kopfgeld gegen Rushdie sogar noch verdoppelt. Die anhaltende Morddrohung zwang den Schriftsteller fortan zu einem Leben unter Polizeischutz und an ständig wechselnden, geheimgehaltenen Wohnorten. 1988 hatte Rushdie in zweiter Ehe die amerikanische Schriftstellerin Marianne Wiggins geheiratet, die das Exil bis zur Trennung von 1993 mit ihm teilte.

Trotz zahlreicher Drohungen gegen die Verlage und zum Teil erfolgreicher Mordanschläge gegen die Übersetzer des Buchs erlebten "Die Satanischen Verse" eine ungeheure Verbreitung in der ganzen Welt. Zu Beginn der 1990er Jahre durchbrach Rushdie durch eine rege Reisetätigkeit sein bisheriges isoliertes Exil. Bei Besuchen in Europa, Kanada und den USA trat er in Begegnungen mit den jeweiligen Regierungschefs für das Recht auf Meinungsfreiheit ein. Ab Mitte der 1990er Jahre war ein Einlenken der iranischen Regierung gegenüber den internationalen Protesten gegen die Fatwa erkennbar, zu der die Machthaber in Teheran nun zunehmend auf Distanz gingen.

Demgegenüber hielten fundamentalistisch-islamistische Kreise jedoch unvermindert an dem Todesurteil fest. 1998 bezeichnete der iranische Präsident auf einer UNO-Versammlung den Fall Rushdie als abgeschlossen. Die Regierung Teherans distanzierte sich in einer offiziellen Erklärung von der gegen Rushdie verhängten Fatwa, die allerdings nach religiös-islamischer Auffassung gar nicht aufgehoben werden kann. Der im Jahr 1999 erschienene Roman "Der Boden unter ihren Füßen" handelt von der Macht der Liebe und der Musik. In diesem Werk folgt der Autor der mythischen Geschichte von Orpheus und Euridike in moderner Abänderung.

Salman Rushdie veröffentlichte im Jahr 2001 seinen Roman "Fury", der von New York handelt. Seitdem führt Rushdie ein befreiteres, wenn auch immer noch nicht "normales" Leben, das von der nach wie vor aufrechterhaltenen Morddrohung seitens fundamentalistischer Kreise überschattet wird. Salman Rushdie heiratete 1997 in dritter Ehe Elizabeth West, mit der er ein Kind hat. Die Ehe hatte jedoch nicht lange Bestand. Im April 2004 heiratete Rushdie das Model Padma Lakshmi. Die Ehe wurde 2007 geschieden. Im selben Jahr wurde er für 5 Jahre als sogenannter "Writer in Residence" an der amerikanischen Emory University tätig.
1975
Grimus

1981
Midnight’s Children (dt. Mitternachtskinder)

1983
Shame (dt. Scham und Schande)

1987
The Jaguar Smile: A Nicaraguan Journey

1988
The Satanic Verses (dt. Die Satanischen Verse)

1990
Haroun and the Sea of Stories (dt. Harun und das Meer der Geschichten)

1991
Imaginary Homelands: Essays and Criticism 1981-1991 (dt. Heimatländer der Phantasie)

1992
The Wizard of Oz

1994
East, West

1995
The Moor’s Last Sigh (dt. Des Mauren letzter Seufzer)

1997
The Vintage Book of Indian Writing 1947-1997

1999
The Ground Beneath Her Feet (dt. Der Boden unter ihren Füßen)

2001
Fury, (dt. Wut)

2005
Shalimar der Narr, (dt. Shalimar the Clown)

NameSalman Rushdie

Geboren am19.06.1947

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortBombay (Indien)