Biografie

Rudolf Augstein

Der Journalist und Autor zählte als Herausgeber des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" (1974-2002) zu den erfolgreichsten und anerkanntesten Verlegern Deutschlands. Er selbst verstand den "Spiegel" als "Sturmgeschütz der Demokratie". Unter den Pseudonym "Jens Daniel" übte er in den 1960er Jahren scharfe Kritik an der Regierung Konrad Adenauers. 1962 löste die Verhaftung des Spiegel-Redakteurs Conrad Ahlers, wegen Verbreitung angeblicher militärischer Geheimnisse, eine Regierungskrise aus, welche letztlich zum Rücktritt des Verteidigungsministers Franz Josef Strauß führte. Mit dem von ihm geprägten Enthüllungsjournalismus setzte sich Augstein mehrfach harter Kritik aus. Sein Einsatz für die Pressefreiheit bescherte ihm aber auch internationale Auszeichnungen...

Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Menschen und Marken
Rudolf Augstein wurde am 5. November 1923 als Sohn eines Kaufmanns in Hannover geboren.

Aufgewachsen in Hannover machte er 1941 das Abitur. Darauf startete er als Volontär beim "Hannoverschen Anzeiger" seine berufliche Karriere. Augstein wurde im Zweiten Weltkrieg Soldat. Als Artilleriebeobachter kam er an die Ostfront, dann geriet er für kurze Zeit in amerikanische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung wurde er 1945 als Journalist beim "Hannoverschen Nachrichtenblatt" tätig. Im November 1946 wurde Augstein Deutschland-Ressortchef bei dem Nachrichtenmagazin "Diese Woche". Das Magazin war unter britischer Leitung gegründet worden. Ein Jahr später (1. Januar 1947) fand die Umbenennung von "Diese Woche" in "Der Spiegel" statt.

Augstein deckte in seinen Artikeln immer wieder innenpolitische Skandale auf. Im selben Jahr wurde sein Theaterstück "Die Zeit ist nahe…" uraufgeführt. Der Sitz des Magazins "Der Spiegel" wurde 1952 von Hannover nach Hamburg verlegt. Augstein veröffentlichte 1953 sein erstes Buch unter dem Titel "Deutschland – ein Rheinbund?". 1955 trat er in die FDP ein. Im gleichen Jahr erwarb er die Zeitschrift "Star-Revue". 1962 löste die Verhaftung des Spiegel-Redakteurs Conrad Ahlers, wegen Verbreitung angeblicher militärischer Geheimnisse, eine Regierungskrise aus. Am 26. Oktober 1962 wurde im Verlag eine Hausdurchsuchung vorgenommen. Grund hierfür war der Spiegel-Artikel "Bedingt abwehrbereit".

Augstein wurde verhaftet und wegen Landesverrates angeklagt, denn die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, in diesem Artikel Informationen aus geheimer Quelle veröffentlicht zu haben. Vier Monate später erfolgte seine Entlassung. 1965 wurde das Verfahren eingestellt. Im Zuge dieser so genannten "Spiegel-Affäre" sah sich Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß zum Rücktritt gezwungen. Augsteins Bestseller "Preußens Friedrich und die Deutschen" wurde 1968 veröffentlicht. 1972 kam Augstein über die FDP in den Bundestag. Dieses Mandat legte er jedoch bereits 10 Wochen später wieder nieder.

Beobachter motivierten diese Entscheidung mit dem Umstand, dass Augstein mit dem Medium "Spiegel" größeren politischen Einfluss nehmen könne als im Parlament. 1973 führte Augstein im Spiegel-Verlag ein Beteiligungsmodell ein, dass die Mitarbeiter zu Miteigentümern machte. 1988 startete im RTL- und Sat.1-Fernsehen die Sendung "Spiegel-TV". 1995 ernannte ihn die Hansestadt Hamburg zum Ehrenbürger. 1995 wurde Stefan Aust im Rudolf Augstein Verlag zum neuen Chefredakteur des Magazins "Der Spiegel" berufen. Augstein zog sich daraufhin zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Jedoch kommentierte er bis in hohe Alter zahlreiche Geschehnisse in Politik und Gesellschaft.

Im Jahr 1999 erhielt Augstein die Ehrendoktorwürde der Moskauer Hochschule für Auswärtige Beziehungen. In Boston wurde er 2000 vom "International Press Institut" als herausragende Persönlichkeit, die sich in den letzten 50 Jahren für die Pressefreiheit eingesetzt hatte, geehrt. Im Oktober 2000 heiratete der vierfache Vater nach vier geschiedenen Ehen seine letzte Lebensgefährtin Anna Maria Hürthen. Von der Bergischen Universität in Wuppertal und der Universität Hamburg wurde Augstein ebenfalls mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Für sein Lebenswerk erhielt er 2001 den Ludwig-Börne-Preis.

Rudolf Augstein verstarb am 7. November 2002 an den Folgen einer Lungenentzündung.


Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Menschen und Marken
1947
Die Zeit ist nahe… (Theaterstück)

1953
Deutschland – ein Rheinbund

1964
Spiegelungen

1964
Die Ära Adenauer

1964
Opposition heute

1965
Verfehlt die Opposition ihre Aufgabe?

1967
Meinungen zu Deutschland

1967
Vorbereitung auf den Notstand?

1968
Preußens Friedrich und die Deutschen

1972
Jesus Menschensohn

1979
Der Spiegel 1. Jahrgang Nr. 1- 52 1947

1980
Überlebensgroß Herr Strauß. Ein Spiegelbild (Herausgeber)

1980
Der Minister und der Terrorist (Herausgeber)

1982
Meinungen zu Deutschland

1983
Überlebensgroß Herr Strauß. Ein Spiegelbild

1984
Preußens Friedrich und die Deutschen

1987
Gegen den Versuch, Vergangenheit zu verbiegen

1990
Otto von Bismarck

1990
Deutschland, einig Vaterland? Ein Streitgespräch

1993
Auto, Verkehr und Umwelt = Cars, traffic and environment

1995
Historikerstreit. Die Dokumentation der Kontroverse

1996
Die Welt im Wandel

1997
Ein deutsches Jahrzehnt. Reportagen 1985-1995

1999
Rudolf Augstein. Macht und Gegenmacht

2001
Ein deutsches Jahrzehnt

2002
Schreiben, was ist. Kommentare, Gespräche, Vorträge
Sehr verehrte, liebe Frau Augstein,

die Nachricht vom Tod Ihres Gatten hat mich erschüttert. Meine Frau Doris und ich möchten Ihnen und den Kindern unsere tiefempfundene Anteilnahme ausdrücken.

In Rudolf Augstein verlieren wir den bedeutendsten publizistischen Wegbereiter und Wegbegleiter der Bundesrepublik Deutschland. Seine Stimme war unüberhörbar: sie hat der politischen Meinungsbildung von den Nachkriegsjahren bis heute wichtige Impulse gegeben. Der wache und kritische Beobachter des Zeitgeschehens hat die öffentliche Auseinandersetzung nie gescheut.

Als Herausgeber und konzeptioneller Kopf des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat Rudolf Augstein eine journalistische Tradition in Deutschland begründet und geprägt, die der Aufklärung und der Pressefreiheit als Grundwerten der Demokratie verpflichtet ist. Sein Wirken als Journalist und Publizist ist mit der Pressegeschichte der Bundesrepublik Deutschland unauflöslich verbunden.

Augstein hat Regierungen in Bedrängnis und Minister zu Fall gebracht. Vor wenigen Tagen noch, am 21. Oktober, sagte er im Rückblick auf die skandalösen Ereignisse in der Spiegelredaktion 1962: "Mit der 'Spiegel-Affäre' ging die Nachkriegszeit zu Ende." Damit hatte er ohne Zweifel Recht. In der Folge der Affäre wurde die Bundesrepublik demokratischer, freier und offener für Kritik und kritische Berichterstattung. Um es mit seinen Worten zu sagen: "Wir sind durch die Affäre klüger geworden, also hat sie uns genützt."

Wer ihn über Jahre hinweg gekannt und viele persönliche Gespräche mit ihm geführt hat, wird seinen brillanten Verstand, sein klares Urteil und seinen Humor ebenso schätzen wie ich. Uns allen wird Rudolf Augstein als Vater des "Spiegel", seinem "Sturmgeschütz der Demokratie", unvergessen bleiben.

Ich wünsche Ihnen, liebe Frau Augstein, Kraft und Trost in diesen schweren Stunden.

Gerhard Schröder

Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, 7. November 2002.
1945
Eisernes Kreuz 2. Klasse

1983
Ehrendoktor der britischen Universität Bath

1987
Ehrendoktor der Bergischen Universität Wuppertal

1993
Ehrenbürgerwürde der Freien und Hansestadt Hamburg

1997
Großes Bundesverdienstkreuz

1999
Ehrendoktor der Moskauer Hochschule für Auswärtige Beziehungen

2000
"World Press Freedom Hero" des International Press Institute in Boston

2000
"Journalisten des Jahrhunderts" von hunderten namhaften Journalisten

2001
Ludwig-Börne-Preis, von der gleichnamigen Stiftung in der Frankfurter Paulskirche

NameRudolf Augstein

Geboren am05.11.1923

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortHannover (D).

Verstorben am07.11.2002

TodesortHamburg (D).