Biografie

Napoléon Bonaparte III.

Der Sturz des letzten französischen Kaisers auf dem Schlachtfeld von Sedan markierte das Ende des französischen Bonapartismus, der seit seiner Begründung durch Napoleon Bonaparte I. zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine virulente Bedeutung als innenpolitische Bewegung genossen hatte. Das Zweite Kaiserreich (1852-1870) bescherte Frankreich eine wirtschaftliche Blütezeit im Innern und einen enormen Macht- und Prestigegewinn nach außen. Zugleich verlieh die taktische Strategie Napoleons III. gegenüber den Nationalbewegungen in Italien, Polen und Deutschland dem französischen Kaiser eine Ambivalenz, die nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass er gerade in Italien den entscheidenden, wenn auch unbeabsichtigten Impuls für die nationale Einigung lieferte...
Charles Louis Napoleon Bonaparte wurde am 20. April 1808 als Sohn von Louis Bonaparte (1778-1846) und Hortense de Beauharnais (1783-1837) auf dem Höhepunkt der Herrschaft seines Onkels Napoleon I. in Paris geboren.

Infolge des Zusammenbruchs des napoleonischen Reichs verbrachte er Kindheit und frühe Jugend in der Schweiz, wohin sich seine Mutter zurückgezogen hatte. Er besuchte das Gymnasium in Augsburg und die Militärschule in Thun. Einige Italienreisen hinterließen bei Louis Napoleon 1823, 1824 und 1826 einen nachhaltigen Eindruck über die bedrückenden sozialen und politischen Zustände auf der Halbinsel, für die er die österreichische Fremdherrschaft verantwortlich machte. Während des russisch-türkischen Krieges von 1827 bis 1829 bedrängte er vergeblich seinen Vater um die Einwilligung für den Eintritt in die russische Armee.

Als infolge der französischen Julirevolution von 1830 überall in Europa Unruhen ausbrachen, sah der junge Louis Napoleon endlich die Gelegenheit zur Tat gekommen. Die Revolution nährte zunächst die Hoffnungen der Bonapartisten, die sich eine Wiederherstellung der napoleonischen Herrschaft unter der Führung des Sohnes des ehemaligen Kaisers, François Charles Joseph Napoleon II. Bonaparte (1811-1832), Herzog von Reichstadt, erhofften. Louis Napoléon beteiligte sich 1830/31 aktiv am durch den Geheimbund der Carboneria in Rom und den kirchenstaatlichen Provinzen organisierten Aufstand gegen die weltliche Macht der Kirche, der durch eine österreichische Militärintervention beendet wurde.

Nach der Flucht aus Italien sah sich Louis Napoleon einer Aufenthaltsverweigerung seitens Louis Philippe in Frankreich gegenüber, der sich dort als “Bürgerkönig” gegen die Bonapartisten durchgesetzt hatte. Daher führte ihn sein Weg zunächst ins englische Exil, dann erneut in die Schweiz. 1832 wurde er durch den Tod des Herzogs von Reichstadt zum Führer des Bonapartismus, der in den folgenden Jahren eine enorme Wiederbelebung in Frankreich erfuhr, die 1840 in der Rückführung der Überreste Napoleons I. von Sankt Helena in den Pariser Invalidendom einen ihrer Höhepunkte erreichte. Im Oktober 1836 führte Louis Napoléon die Erhebung eines Artillerieregiments in Strasbourg an, die jedoch scheiterte und nach einer vorübergehenden Inhaftierung seine Verbannung aus Frankreich zur Folge hatte.

Nach einem Kurzaufenthalt in den USA und der erneuten Rückkehr in die Schweiz im Jahre 1837 zog er sich nach England zurück. 1840 bescherte ihm ein erneuter Aufstandsversuch in Boulogne einen Hochverratsprozess, in dessen Verlauf er zu lebenslanger Festungshaft verurteilt wurde. Im Mai 1846 gelang ihm, als Maurer verkleidet, die Flucht aus der Haft, von wo er über Brüssel nach London zurückkehrte. Schließlich ermöglichte im Februar 1848 der Sturz der Julimonarchie die Rückkehr Louis Napoleons nach Frankreich. In der Zweiten Republik von 1848-1851 setzte er sich zunächst als Abgeordneter in Paris an die Spitze der konservativen Richtung, um zugleich im Verborgenen den bonapartistischen Umsturz vorzubereiten.

Dies wurde ihm durch die Wahl zum Präsidenten der französischen Republik am 10. Dezember 1848 erheblich erleichtert. Im folgenden Jahr sicherte ihm die französische Niederschlagung der Römischen Republik sowohl die Unterstützung der klerikalen Partei Frankreichs als auch ein französisches Gegengewicht zur österreichischen Vorherrschaft über Italien. Mit Unterstützung eines Teils der Armee unternahm Louis Napoleon schließlich am 2. Dezember 1851 einen erfolgreichen Staatsstreich, mit dem er sich die Regierungsgewalt aneignete. Im folgenden Monat festigte sich die Alleinherrschaft Napoléons III. durch einflussreiche Staatsorgane. Durch ein Verfassungsplebiszit im Januar 1852 und durch eine erneute Volksabstimmung im Dezember wurde er am 2. 12. 1852 zum erbl. Kaiser der Franzosen ausgerufen und verschaffte seinem Kaisertum ganz in der Tradition des bonapartistischen Vorgängers einen demokratischen Anstrich.

Sein autoritäres Regiment im Innern blieb von wirtschaftlichen und sozialen Konsensinitiativen gegenüber der Arbeiter- und Bauernschaft, beeindruckenden Baumaßnahmen und einem ausschweifenden Hofleben gekennzeichnet. Es traf zwar auf keine organisierte politische Opposition, rief aber mehrere missglückte Attentate auf seine Person hervor. Im außenpolitischen Bereich verstand es Napoleon III. durch die Einmischung in alle großen europäischen Fragen das Kontinentalbündnis zwischen Österreich, Russland und Preußen, sowie die europ. Ordnung des Wiener Kongresses von 1815 zugunsten eines französischen Machtzuwachses zu lockern. Auch trug er durch zahlreiche Kampagnen in Afrika und China wesentlich zum Kolonialbesitz Frankreichs bei.

Zur Erreichung seines außenpolitischen Ziels, d. h. der kontinentalen Vorherrschaft Frankreichs, bediente sich der französische Kaiser der nationalen Bewegungen in Europa, die er im Rahmen der französischen Interessen ermunterte und unterstützte. Dies gilt vor allem für die Nationalbewegung Italiens, wo er 1858/59 die gemäßigt-liberale Richtung unter der Führung des piemontesischen Grafen Graf Camillo Benso di Cavour unterstützte. In den 1860er Jahren erlitt Napoleon III. zunehmend außenpolitische Misserfolge, die ihn etwa durch eine unglückliche Intervention in Mexiko 1863-1867 und die Parteinahme zugunsten der aufständischen Polen in eine isolierte Position gegenüber den Großmächten, vor allem Russland und Preußen, brachten. Im Innern rief der autoritäre und korrupte Herrschaftsstil eine immer lautere Opposition republikanischer Kräfte hervor.

Unter dem Druck der öffentlichen Kritik sah sich der Kaiser schließlich im Januar 1870 gezwungen, der Umwandlung des Kaiserreichs in ein parlamentarisches System zuzustimmen. Doch bereits wenige Monate später leitete der Ausbruch des deutsch-französischen Krieges ( Emser Depesche) den endgültigen Zusammenbruch seiner Herrschaft ein. Das Zweite Kaiserreich fand am 2. September 1870 mit der französischen Niederlage von Sedan, bei der Napoleon III. selbst in Gefangenschaft geriet, sein abruptes Ende. Nach einer vorübergehenden Gefangenschaft in Wilhelmshöhe bei Kassel wechselte Louis Napoleon im März 1871 ins englische Exil, da seine Rückreise nach Frankreich durch die revolutionären Ereignisse um die Pariser Kommune verhindert wurde. Auch nach der Errichtung der Dritten Republik wurde der gestürzte Kaiser nicht müde, einen erneuten Staatsstreich in Frankreich vorzubereiten, wohin er jedoch nie wieder zurückkehren sollte.

Louis Napoléon starb am 9. Januar 1873 in Chislehurst (heute Teil von London).

NameNapoléon Bonaparte III.

Geboren am20.04.1808

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortParis (F).

Verstorben am09.01.1873

TodesortChislehurst (GB).