Biografie

Michel de Montaigne

Der französische Jurist, Politiker und Moralphilosoph war einer der bedeutendsten Denker und Dichter der französischen Renaissance. Michel Eyquem de Montaigne entwickelte den Essay als eigenständige literarische Gattungsform. In weltanschaulichen Fragen war er ein konsequenter Skeptiker, der in dieser Haltung die spätere Aufklärungszeit stark beeinflusste. Er verurteilte die menschliche Eitelkeit und pries die Natur als Vorbild. Oftmals baute Montaigne in seine essayistischen Stücke zusätzlich Zitate antiker Dichter und Denker als Lesefrüchte ein. Sie sind nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben oder verfolgen sonstige didaktische Absichten. Vielmehr zeichnen sie seinen Autor als exakten Beobachter und Analysten aus auf dem Weg zu sich selbst...
Michel Eyquem de Montaigne wurde am 28. Februar 1533 als Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Pierre Eyquem auf Schloss de Montaigne in der Nähe von Libourne geboren.

Michel Eyquem de Montaigne war in der Zeit von 1539 bis 1546 Schüler des Collège de Guyenne in Bordeaux. Dort erhielt er seine humanistische Bildung. Im Anschluss studierte er von 1546 bis 1554 an den juristischen Fakultäten der Universitäten Toulouse und Bordeaux Rechtswissenschaften. Nach Abschluss seiner Studien fand er eine Beschäftigung als Steuerrat in Périgueux. In den Jahren von 1557 bis 1570 war er als Parlamentsrat in Bordeaux tätig. 1565 heiratete er die Tochter eines Ratsherren aus Bordeaux, mit der er eine Vernunftehe führte. Montaigne kam im Jahr 1569 mit seiner ersten Veröffentlichung heraus.

Er übersetzte die Abhandlung "Theologia Naturalis" des spanischen Theologen Raymond de Sebond. Dieses Werk kommentierte er später in seinem umfangreichsten Essay mit dem Titel "Apologie de Raimond Sebond", der im Jahr 1580 erschien. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr erbte er den elterlichen Grundbesitz. Dadurch wurde er in die wirtschaftliche Lage versetzt, sich ganz seinen literarischen und philosophischen Studien und dem Schreiben zu widmen. Er schuf zahllose Essays, die er in seiner berühmten Sammlung "Essais" zusammenfasste. 1580 erschienen die ersten beiden Bände.

Danach unternahm Michel Eyquem de Montaigne innerhalb der beiden Jahre 1580 und 1581 ausgedehnte Reisen durch Italien, die Schweiz und Deutschland. Seine Eindrücke und Erfahrungen mündeten in die literarischen Reisefrüchte mit dem Titel "Journal de voyage en Italie, par la Suisse et l`Allemagne", die aber erst im Jahr 1774 herausgegeben wurden. Nach seiner Rückkehr übernahm er in der Zeit von 1582 bis 1585 das Amt des Bürgermeisters von Bordeaux. Zu seinen Verdiensten gehörte es, dass er in dieser Zeit der Hugenottenkriege von 1562 bis 1598 vermittelnd eingriff und die Besetzung von Bordeaux durch die katholische Liga verhinderte.

Montaigne fungierte dabei als Berater der beiden Könige Heinrich III. und Heinrich IV. und bemühte sich um eine friedliche interkonfessionelle Auseinandersetzung mit dem Ziel der Aussöhnung. In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich vorwiegend seinen literarischen Arbeiten. 1588 wurde der dritte Band seiner "Essais" veröffentlicht. Durch Krankheit geplagt, zog er sich immer mehr zurück. 1590 bot ihm König Heinrich IV. ein Staatsamt an, das Montaigne aber krankheitsbedingt ablehnte. Er überarbeitete und ergänzte sein Hauptwerk "Essais". Die Endfassung dieser Arbeit wurde posthum im Jahr 1595 von Marie de Gournay herausgegeben.

Montaigne gilt als Begründer des Skeptizismus, an dem sich später vor allen Dingen Denker und Literaten der Aufklärungsepoche orientierten. Er selbst wurde durch seine Lektüre der Werke von Pyrrhon von Elis und des Sextus Empiricus stark beeinflusst. Montaignes skeptizistische Haltung lehnt jegliche Autoritäts- und Dogmengläubigkeit ab. Dem normierenden Systemdenken setzte er offene Gedankenspiele, gegründet auf Verstandesdenken, Phantasie, Gefühl und Erfahrungserkenntnis, entgegen. Er wollte damit dem realen Leben so nah wie möglich kommen, immer vor dem Hintergrund des rationalen und vorurteilsfreien Denkens.

Die angemessenste Form seiner undogmatischen Gedankenspiele fand er im Essay, den er als selbstständige literarische Gattung begründete. Sie geben seinen Reflexionen, Beobachtungen, Anekdoten, satirischen Bemerkungen und Notizen über Religion, Politik, Kunst, Philosophie, Literatur oder Geschichte und andere Themen das richtige vielmehr ein unsystematisches Gerüst. Gleichfalls offenbart sich in der breiten Vielfalt seiner Themen die Neuzeitlichkeit des menschlichen Bewusstseins. Zeittypischer Mittelpunkt seiner Darstellungen, die er in einem einfachen wie verständlichen Sprachstil hält, ist der Mensch.

Oftmals baute Montaigne in seine essayistischen Stücke zusätzlich Zitate antiker Dichter und Denker als Lesefrüchte ein. Sie sind nicht mit dem erhobenen Zeigefinger geschrieben oder verfolgen sonstige didaktische Absichten. Vielmehr zeichnen sie seinen Autor als exakten Beobachter und Analysten aus auf dem Weg zu sich selbst. Mit seinen kritischen moralphilosophischen Auseinandersetzungen prägte er vornehmlich die Moralvorstellungen des 17. Jahrhunderts. Montaigne wurde zum bedeutendsten Schriftsteller des Renaissance-Zeitalters.

Neben seinem Skeptizismus wirkte besonders seine liberale Gedankenwelt auf das viel spätere Aufklärungszeitalter und dokumentiert mit der nachhaltigen Gültigkeit seiner Haltung gleichzeitig sein Vorausdenken.

Michel Eyquem de Montaigne starb am 13. September 1592 auf Schloss de Montaigne.

NameMichel de Montaigne

Geboren am28.02.1533

SternzeichenFische 20.02 - 20.03

GeburtsortLibourne (F).

Verstorben am13.09.1592

TodesortSchloss de Montaigne (F).