Biografie

Günter Wallraff

Der Journalist und Schriftsteller ist bekannt geworden mit seinen Methoden der verdeckten Beobachtungen in Industriebetrieben, der BILD-Redaktion oder in anderen Institutionen sowie im Ausland. Mit seinen Reportagen beabsichtigte er Aufklärung und Veränderung, deswegen sind sie in einem einfachen Stil gehalten. Aufsehen erregten seine Enthüllungen als BILD-Redakteur "Hans Esser", die in den Berichten "Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war" (1977), "Zeugen der Anklage. Die 'Bild'-Beschreibung wird fortgesetzt" (1979) sowie "Ganz unten" (1985) zusammengefasst wurden, sowie über seine Tätigkeit als türkischer Gastarbeiter "Ali" in einem Industriebetrieb...
Günter Wallraff wurde am 1. Oktober 1942 als Sohn eines Fabrikarbeiters in Burscheid bei Köln geboren.

Wallraff verbrachte seine Kindheit und Jugend im Arbeitermilieu. Nach der Mittleren Reife ging er in die Lehre als Buchhändler. In diesem Beruf arbeitete er, bis er zur Bundeswehrdienst einberufen wurde. Um als Kriegsdienstverweigerer anerkannt zu werden, musste er eine psychiatrische Behandlung über sich ergehen lassen. Dennoch wurde sein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung abgelehnt. Aus der Bundeswehr wurde er dann wegen stetigen Protestes als wehrdienstuntauglich entlassen. Ihm wurde eine "abnorme Persönlichkeit" attestiert. Dieses Erlebnis brachte ihn zu dem Entschluss, als Journalist öffentliche Aufmerksamkeit herzustellen und aufzuklären. In diesem Sinne verwendet sich Günter Wallraff für die Abhängigen.

Im Jahr 1970 entstand aus den Notizen seines Tagebuches der Sammelband "Von einem der auszog und das Fürchten lernte", auch unter dem Titel "Mein Tagebuch aus der Bundeswehr". Für seine Recherche setzt er die verdeckte Beobachtung ein, indem er sich unerkannt in einen Betrieb oder eine Institution einschleicht, um dort beispielsweise zu arbeiten. Über die gewonnenen Eindrücke, Kenntnisse und Erfahrungen berichtet er dann in Enthüllungsreportagen und Dokumentationen. In dieser Weise wurde Wallraff bekannt und gefürchtet. Durch seine Bekanntheit musste er sich immer wieder neue Methoden der verdeckten Beobachtung einfallen lassen.

In der Öffentlichkeit waren seine Tarnmethoden nicht unumstritten und wurden diskutiert. Dabei ging oftmals der Blick für die eigentliche Aufklärungsarbeit von Wallraff verloren. Dennoch bleiben die Methoden im Grundsatz immer die gleichen: Günter Wallraff tritt in Verkleidung auf, um der Wahrheit und den Missständen auf die Spur kommen. Anfänglich waren es Industriebetriebe und die Arbeiterwelt, über deren Missstände er berichtete. Zu den frühen Reportagen zählen unter anderem "Wir brauchen Dich. Als Arbeiter in deutschen Industriebetrieben" (1966) und "13 unerwünschte Reportagen" (1969) die als Sammelband herauskamen. Dann suchte er sich auch andere Ziele aus wie Kirche, Randgruppen, Polizei oder andere Institutionen.

Später wurde er dann auch im Ausland wie Portugal oder Griechenland tätig, um dort gesellschaftliche Notstände öffentlichkeitswirksam aufzudecken. So protestierte er im Jahr 1974 in Griechenland gegen das Militär, indem er in Athen auf dem Syntagma-Platz angekettet antifaschistische Schriften verteilte und dabei verhaftet wurde. In Portugal machte er die Putschpläne Spinolas öffentlich. Darüber schrieb er dann 1976 in "Aufdeckung einer Verschwörung. Die Spinola-Aktion". Seine Reportagen und Dokumentationen sind in einem sachlichen Stil gehalten ohne kunstvolle Gestaltung. Das bewusste Stilmittel soll die Aufmerksamkeit auf die Inhalte und die eigentliche Nachricht lenken. Dahingehend ist auch seine Auffassung zu Literatur zu verstehen, nicht als Kunst, sondern als Wirklichkeit – wie er einmal selbst betonte.

Er begründet seine Schreibweise mit der effektiveren Aussagekraft und Nachvollziehbarkeit der Wirklichkeit. Seine Bücher wollen enthüllen, wachrütteln und sensibilisieren und eben nicht wie andere Literaturgattungen Phantasien wecken. Wallraffs Texte setzen sich zusammen unter anderem aus individuellen Beobachtungen, Dokumentenmaterial oder Darstellungen von Betroffenen. Seine Texte basieren auf eigenen Erfahrungen, die ihm den Impetus zum Schreiben und dem Leser Authentizität vermitteln. Aufsehen erregte seine Arbeit in der Redaktion der BILD-Zeitung als Hans Esser, die in die Enthüllungen "Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war" (1977), "Zeugen der Anklage. Die ‘Bild’-Beschreibung wird fortgesetzt" (1979) und "Bild-Störung" (1985) mündete.

Gleichfalls Berühmtheit erreichte sein Werk "Ganz unten" über seine Tätigkeit als türkischer Gastarbeiter Ali in einem Industriebetrieb. Ziel dabei war es, die ungerechte Behandlung ausländischer Arbeitnehmer wie Ausbeutung und Erniedrigung an die Öffentlichkeit zu bringen. Dieses Werk wurde sein größter Erfolg mit fast zwei Millionen verkauften Exemplaren innerhalb von vier Wochen. 1973 verfasste er zusammen mit Bernt Engelmann den Titel "Ihr da oben, wir da unten" (1973). Darin werden die Erlebnisse und Zustände in den Chefetagen und Adelshäusern geschildert und entdeckt. Günter Wallraff war Mitglied in der Dortmunder "Gruppe 61" und in dem daraus 1970 hervorgegangenen "Werkkreis Literatur der Arbeitswelt".

Im Spätsommer 2003 wurden in der Öffentlichkeit Vorwürfe gegen den Schriftsteller und Journalisten wegen seiner angeblichen Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst (Stasi) der ehemaligen DDR erhoben. Obwohl Wallraff derartige Vermutungen zurückwies, schienen sie durch die Informationen der Stasi-Unterlagen-Behörde bestätigt zu werden. Im Oktober 2004 ging Wallraff gegen entsprechende Behauptungen der Boulevardpresse per einstweiliger Verfügung vor. Mit seinem Widerspruch gegen diese einstweilige Verfügung unterlag der Axel-Springer-Verlag im Dezember 2004 vor Gericht: Das Hamburger Landgericht untersagte künftig die Bezeichnung Wallraffs als "inoffiziellen Mitarbeiter" der Stasi.

NameGünter Wallraff

Geboren am01.10.1942

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortBurscheid (D).