Biografie

Marina Abramovic

Die jugoslawische Performance-Künstlerin gehört international zu den renommiertesten Vertreterinnen ihrer Ausdrucksform. Die Anfänge ihrer radikalen Performance-Kunst ist bis 1975 geprägt vor allem von körperlichen und geistigen Erfahrungen im zum Teil riskanten Grenzbereich mit Schmerzen. Danach widmete sich Marina Abramovic zusammen mit ihrem damaligen Lebenspartner Ulay (F. Uwe Laysiepen) Themen über Beziehungen. Nach der Trennung verwendet die Künstlerin bis heute hauptsächlich Kristalle und Metalle und performt Mythen außereuropäischer Kulturen. Auch hat sie Diskussionen um die Wiederholbarkeit der ephemeren Performance-Kunst angestoßen...
Marina Abramovic wurde am 30. November 1946 in Belgrad im ehemaligen Jugoslawien (heute Republik Serbien) als Kind einer Majorin und eines Nationalhelden geboren.

Von 1965 bis 1970 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in Belgrad und von 1970 bis 1972 in Zagreb. Noch während ihres Studiums veröffentlichte sie ab 1968 Konzeptarbeiten, Zeichnungen und Texte. Im Jahr 1973 präsentierte sie künstlerische Performance-Werke. Danach nahm sie in der Zeit von 1973 bis 1975 eine Lehrtätigkeit in Belgrad und Novi Sad auf. Im Jahr 1975 zog sie nach Paris, lebt aber auch in Amsterdam, wo sie sich 1987 ein Haus kaufte. Im gleichen Jahr traf sie Ulay, den Performance-Künstler Frank Uwe Laysiepen, mit dem sie bis 1988 auch zusammenlebte. Die Beziehungstrennung gestaltete sie ebenfalls als Performance mit einer Dauer von drei Monaten und einer abschließenden Begegnung auf der Chinesischen Mauer. 1977 nahm sie zusammen mit Ulay an der documenta 6 teil, 1982 an der documenta 7 und sieben Jahre später an der documenta IX.

Im Jahr 1990 hatte Marina Abramovic für ein Jahr zwei Gastprofessuren an der Académie des Beaux-Arts in Paris und an der Hochschule der Künste in Berlin inne. Es folgte bis 1996 eine Professur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Im Jahr darauf wurde sie auf der 47. Biennale in Venedig mit dem "Goldenen Löwen" für ihr Performance-Werk "Balkan Baroque" ausgezeichnet. Im gleichen Jahr lehrte sie bis 2004 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Anschließend veröffentlichte sie den Kunstfilm "Balkan Erotic Epic", der Riten zu Sexual- und Fruchtbarkeitsverhalten zeigt. Im Jahr 2003 wurde Abramoviæ mit dem Bessie Award für The House with the Ocean View prämiert und ein Jahr darauf erhielt sie die Ehrendoktorwürde der School of the Art Institute of Chicago. 2005 heiratete sie den italienischen Bildhauer Paolo Canevari.

Ihre Independent Performance Group (IPG) in New York, ein Forum für aktuelle Performance.Kunst zur Zusammenarbeit junger talentierter Künstler, löste sich im Jahr 2007 auf. Daraufhin rief die Künstlerin die Marina Abramovic Foundation for Preservation of Performance Art ins Leben. 2008 wurde sie mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Das New Yorker Museum of Modern Art präsentierte vom 14. März bis 31. Mai 2010 eine Retrospektive mit zahlreichen Arbeiten von Marina Abramovic. Sie selbst nahm daran auch in Form einer Performance mit dem Titel "The Artist is Present" teil. Während der geöffneten Ausstellung saß die Künstlerin an einem Tisch, ihr gegenüber ein freier Stuhl, auf dem Besucher Platz nehmen konnten. In der gesamten Öffnungszeit von 721 Stunden und während des Besuchs von mehr als 1.500 Gästen redete Abramovic kein einziges Wort.

Maria Abramovics Werk zeichnet sich durch körperlich-geistige Grenzerfahrungen während ihrer Performances aus – zum Teil in experimenteller, bewusstseinsverändernder Weise. Dabei überschritt sie nicht nur existenzielle, sondern auch soziale Grenzen. Seit der Trennung von Ulay widmet sie sich objektbezogenen Performances. So säuberte sie 1997 zahllose Rinderknochen mit einer Bürste auf der Biennale in Venedig, während sie dazu Totenlieder aus ihrer serbisch-montenegrinische Heimat sang. Ihr Werk "Human Nests" (2001) bestand aus sieben künstlichen kleinen Höhlen in einem Steinbruch, die untereinander mit Strickleitern verbunden waren. Die kleinen Höhlen sollten sowohl das Gefühl der Sicherheit als auch der Verunsicherung vermitteln. Während ihrer Performance The House with the Ocean View (2002) in der New Yorker Sean Kelly Gallery brachte Maria Abramovic zwölf Tage und Nächte in drei Räumen zu und ließ sich dabei vom Publikum beobachten.

Während dieser Zeit sprach, schrieb und las sie nichts, trank lediglich Mineralwasser, schlief nicht länger als sieben Stunden und duschte dreimal täglich.

NameMarina Abramovic

Geboren am30.11.1946

GeburtsortBelgrad (BG).