Biografie

Luchino Visconti

Der Drehbuchautor, Theater- und Filmregisseur ist, mit Federico Fellini, als Meister des italienischen Kinos der ersten drei Nachkriegsjahrzehnte anzusehen. Luchino Visconti begründete mit seinen frühen Filmen den Neorealismo. Sein Schaffen bescherte ihm nicht zuletzt auch im Theater- und Opernbereich internationales Ansehen. Bedeutend war auch seine Tätigkeit als Opernregisseur, die ihn auch an die Mailänder Scala, die Wiener Staatsoper und die Londoner Covent Garden Opera führte, wo Visconti vor allem Opern von Giuseppe Verdi aber auch von Wolfgang Amadeus Mozart, Giacomo Puccini oder Richard Strauss in Szene setzte. Zu seinen populärsten Filmen zählen "La terra trema", "Bellissima", "Senso", "Le notti bianche", "Il gattopardo" und "Vaghe stelle dell’Orsa..."
Luchino Visconti wurde am 2. November 1906 in Mailand (Italien), als Sohn eines traditionsreichen Patriziergeschlechts der Stadt, geboren.

Sein Vater Giuseppe Visconti hatte den Herzogstitel geerbt, die Mutter Carla Erba entstammte einer bürgerlichen Industriellenfamilie. Als Schüler fühlte sich Luchino zu Literatur, Theater und Musik hingezogen. 1926 trat er in die Armee ein, wo er bald zum Unterfeldwebel der Kavallerie aufstieg. Hier entdeckte er seine Liebe zu Pferden, die ihn zum Aufbau einer eigenen Zucht veranlasste. Nach der Militärzeit hielt sich Visconti verschiedentlich in Paris auf, wo er freundschaftlichen Kontakt zu Künstlern und Intellektuellen, wie Kurt Weill, Henry Bernstein und Jean Cocteau, pflegte. In der französischen Hauptstadt lernte er auch die deutschen und sowjetischen Filmklassiker kennen, die seine Leidenschaft für das Kino erweckten. Er kaufte sich eine Kamera und begann 1934/35 einen Film zu drehen, der allerdings unvollendet blieb.

Um dieselbe Zeit lernte er Jean Renoir in Paris kennen, für den er als Regieassistent und Kostümbildner zu arbeiten begann. Die Begegnung mit Renoir hatte nicht nur einen entscheidenden künstlerischen Einfluss auf das spätere Werk Viscontis, das Engagement Renoirs für die Volksfrontbewegung gegen die faschistische Rechte in Frankreich bewirkte auch seine Politisierung, die in der Folge immer spürbar bleiben sollte. 1936 entwarf Visconti in Mailand die Bauten und Kostüme zweier Theateraufführungen, die von der Kritik positiv gewürdigt wurden. 1937/38 unternahm er mehrere Reisen, die ihn nach Griechenland und in die USA führten. In den 1930er Jahren schrieb er außerdem einige Theaterstücke und literarische Texte. Nach dem Tod der Mutter verließ Visconti 1939 endgültig Mailand, um sich in Rom niederzulassen.

Als kurz darauf Renoir nach Italien kam, um seinen Film "Tosca" zu drehen, eröffnete sich für Visconti die Möglichkeit, in die professionelle Filmwelt einzutreten. Er wirkte als Drehbuchautor und Regieassistent an den Filmarbeiten mit, was ihn erstmals in der römischen Filmwelt bekannt machte. Visconti fand Eingang in den Kreis junger Filmkritiker, die sich um die Zeitschrift "Cinema" sammelten und mit denen er bald eine marxistische Interpretation der Geschichte und Gesellschaft Italiens entwickelte. Inmitten des italienischen Faschismus propagierte Visconti in der Zeitschrift die Notwendigkeit einer Erneuerung des italienischen Kinos: Der Film sollte mithilfe eines realistischen Stils das vom Regime vergessene Italien wiederentdecken und thematisieren. Probleme mit der faschistischen Zensur ließen einige bereits begonnenen Projekte zunächst scheitern.

Schließlich erhielt Visconti 1942 die Drehgenehmigung für seinen ersten Spielfilm "Ossessione", der nach seiner skandalträchtigen römischen Premiere im darauffolgenden Jahr wiederholt von den Behörden beschlagnahmt wurde. In der Folge erlitt Visconti aufgrund seines antifaschistischen Engagements in der italienischen Widerstandsbewegung politische Verfolgung und Haft, aus der er mit dem Einmarsch der britisch-amerikanischen Truppen in Rom entlassen wurde. 1945 wirkte er an den Dreharbeiten für "Giorni di gloria" mit, einem Dokumentarfilm über den Partisanenkampf. Da seine Filmprojekte zunächst an den fehlenden Finanzmitteln scheiterten, konzentrierte sich Visconti unmittelbar nach Kriegsende zunächst auf das Theater. 1946/47 gründete er mit der "Compagnia Italiana di Prosa" seine eigene Schauspieltruppe, mit der er mehrere Stücke zur Aufführung brachte.

Im Jahr 1947 ermöglichte ihm der Auftrag für einen Dokumentarfilm über die Lebenswelt sizilianischer Fischer, der ihm von der Kommunistischen Partei Italiens zuteil wurde, die Rückkehr zum Film. Ein Jahr später lief "La terra trema" in den Kinos an, der ohne festgelegtes Drehbuch, mit durch Laiendarsteller improvisierten Dialogen produziert worden war und trotz seines geringen Publikumserfolgs heute zu den Meisterwerken des Neorealismo zählt. Nach einigen gescheiterten Filmprojekten feierte Visconti schließlich 1951 mit "Bellissima", der Anna Magnani zur Protagonistin hatte, und 1954 mit "Senso" erste Erfolge. Mitte der 1950er Jahre versuchte sich der Regisseur, der seine künstlerische Tätigkeit für das Theater nie aufgegeben hatte, auch an den Opern von Vincenzo Bellini und Giuseppe Verdi, die er mit Maria Callas an der Mailänder Scala inszenierte.

In den folgenden Jahren führten ihn internationale Engagements an die Opernhäuser und Theater u. a. von Paris, Wien, London und Moskau. 1957 gründete Visconti mit dem Drehbuchautor Suso Cecchi d’Amico, dem Schauspieler Marcello Mastroianni und Franco Cristaldi eine Filmkooperative, für die er noch im selben Jahr den Film "Le notti bianche" drehte, der ihm auf dem Filmfestival von Venedig den Silbernen Bären einbrachte. 1960 rief sein Film "Rocco e i suoi fratelli" Polemiken und die Zensur auf den Plan, so dass unter dem Druck der öffentlichen Kampagne auf eine Auszeichnung mit dem Goldenen Löwen von Venedig verzichtet wurde. 1963 kam Viscontis erfolgreicher Film "Il gattopardo", mit Alain Delon und Burt Lancaster in den Hauptrollen, in die Kinos.

Im Jahr 1965 gewann er endlich mit "Vaghe stelle dell’Orsa ..." den Goldenen Löwen von Venedig. Sein Film über eine deutsche Schwerindustriellenfamilie im Hitlerdeutschland, "La caduta degli dei", brachte ihm 1969 internationalen Erfolg. 1971 folgte "La morte a Venezia" nach dem Roman von Thomas Mann. Unmittelbar nach den Dreharbeiten zu "Ludwig II." blieb Visconti nach einer Thrombose halbseitig gelähmt. Während eines Erholungsaufenthalts in der Schweiz entwickelte er die Idee für den Film "Gruppo di famiglia in un interno", der 1974 erschien.

Im Jahr 1975 konnte er gerade noch die Dreharbeiten für "L’innocente" abschließen, die sich wegen der Verschlimmerung seines Gesundheitszustandes infolge eines Unfalls verzögert hatten.

Noch während der Synchronisation seines letzten Films verstarb Luchino Visconti am 17. März 1976 in Rom.
1943 - "Ossessione".

1945 - "Giorni di gloria".

1948 - "La terra trema".

1951 - "Appunti su un fatto di cronaca".

1951 - "Bellissima".

1953 - "Siamo donne, episodio: Anna".

1954 - "Senso".

1957 - "Le notti bianche".

1960 - "Rocco e i suoi fratelli".

1962 - "Boccaccio ’70, episodio: Il lavoro".

1963 - "Il gattopardo".

1965 - "Vaghe stelle dell’Orsa ...".

1967 - "Le streghe, episodio: La strega bruciata viva".

1967 - "Lo straniero".

1969 - "La caduta degli dei".

1971 - "Morte a Venezia".

1973 - "Ludwig".

1974 - "Gruppo di famiglia in un interno".

1976 - "L’innocente".

NameLuchino Visconti

Geboren am02.11.1906

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortMailand (I).

Verstorben am17.03.1976

TodesortRom (I).