Biografie

Karlheinz Schreiber

Der deutsche Kaufmann stand im Verdacht, als Waffenlobbyist im Mittelpunkt der CDU-Spendenaffäre um Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble zu stehen. Bei internationalen Geschäften mit Panzern, Hubschraubern und Flugzeugen soll der einstige Teppichhändler Millionen an Schmiergeldern erhalten und über ein undurchsichtiges Geflecht von Tarnfirmen an deutsche Politiker und Manager weitergereicht haben, was Ende der 1990er Jahre den größten Parteienskandal der Bundesrepublik auslöste. Gegen ihn wurde wegen Bestechung, Beihilfe zur Untreue, gemeinschaftlichen Betrugs und Steuerhinterziehung ermittelt. Von 1999 bis 2009 entzog sich der Intimus des ehemaligen CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß der Aufklärung durch den Schutz des kanadischen Auslieferungsabkommens...
Karlheinz Schreiber wurde am 25. März 1934 in Kaufering geboren.

Er wuchs während der Wirren des Zweiten Weltkrieges in Hohegeiß im Harz auf. Der Vater, Friedrich Hermann Schreiber, arbeitete als Polsterer. Schreiber war fünf, als sein Vater die Familie verließ und zum Kriegsdienst einberufen wurde. Bereits im Kindesalter unterstütze er das elterliche Einkommen durch Tauschgeschäfte. Nach Kriegsende und Abschluss der Schule verdiente sich Karlheinz Schreiber als Teppichhändler. Dabei entwickelte er einen ausgeprägten Geschäftssinn, der ihm zu gutbürgerlichen Verhältnissen verhalf.

Schreiber wurde früh Mitglied der CSU, begleitete jedoch kein politisches Amt. Schnell fand er jedoch Anschluss zu einflussreichen Parteivertretern, die dem Kaufmann den Aufstieg in die politische Machtzentrale nach München ermöglichten. In der Folge profilierte sich Schreiber als Vermittler in unterschiedlichen Geschäftsfeldern. So soll er seit den 1980er Jahren als Lobbyist vom Stahlriesen Thyssen für Rüstungsprojekte rund 15 Millionen Euro Provision eingenommen haben. Das Geld verteilte er, laut späterer Anklage, seit Mitte der achtziger Jahre über ein Geflecht aus Tarnkonten und Firmen an Industrielle und Politiker.

Nach dem bekannt werden dieser Aktivitäten wurde gegen ihn 1995 in Augsburg ein Verfahren wegen des Verdachtes der Steuerhinterziehung eröffnet. Zugleich trat Karlheinz Schreiben damit ins Licht des öffentlichen Interesses, da der Verlauf der Ereignisse zugleich den Beginn der "CDU-Parteispendenaffäre" markierte. Nun deckten die Fahnder, gegen massiven Wiederstand der Politik, ein Tarnnetz für illegale Spenden an die Union auf. Bundeskanzler Helmut Kohl stand als Verantwortlicher im Zentrum der Affäre.

Aus den darauf folgenden Ermittlungen ergab sich, dass der ehemalige CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep von Schreiber auf einem Parkplatz im schweizerischen St. Margarethen eine Million Mark in einem Koffer erhalten hatte. Das Geld floss anschließend in die Parteikasse der CDU. Holger Pfahls und die Thyssen-Manager bekamen von Schreiber Millionenbeträge auf ein Schweizer Konto, weil sie ihm für den Verkauf von Fuchs-Spürpanzern nach Saudi Arabien mit ihren Kontakten geholfen haben. Auch Max Strauß soll rund fünf Millionen Mark erhalten haben.

Hofmeister, einst Vorsitzender Richter der 10. Strafkammer, verurteilte den Ex-CDU-Schatzmeister Kiep, Ex-Staatssekretär Holger Pfahls, die Thyssen-Manager Jürgen Maßmann und Winfried Haastert sowie Max Strauß wegen Bestechlichkeit. Das Strauß-Verfahren verzögerte sich allerdings noch um die Revision beim Bundesgerichtshof. Schreiber war zu der Zeit bereits mit seiner Frau Barbara aus der Schweiz nach Kanada geflüchtet. Die Schweizer Behörden planten ihn kurz zuvor, aufgrund eines deutschen Auslieferungshaftbefehls, festzunehmen und nach Augsburg abzuschieben. Sowohl Schreiber als auch seine Frau Barbara besitzen einen deutschen und kanadischen Pass.

Kurz nach Schreibers Ankunft 1999 in Toronto tauchte er unter einem Falschnamen ab. Zivilfahnder der Royal Canadian Mountain Police (RCMP) fanden ihn in einem Appartement in der Bloor Street West in Toronto. Schreiber war in Kanada wegen eines Panzerdeals und angeblicher Bestechung einiger Minister in der damaligen Brian Mulroney Regierung gesucht worden. Für das Panzergeschäft soll Karlheinz Schreiber 3,9 Millionen kanadische Dollar vereinnahmt haben, die er nicht versteuerte. Gegen eine Kautionszahlung von einer Million kanadischer Dollar kam Schreiber wieder frei.

Im Jahr 2000 geriet auch der damalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble ins Visier der Ermittler. Schreiber beharrte damals darauf, dass er Schäuble 100 000 Mark in einem Briefumschlag übergeben habe. Schäuble hatte dieses jedoch zuerst bestritten, später aber doch zugegeben. Darauf trat der Politiker als Vorsitzender der CDU zurück. Gegen eine drohende Auslieferung an Deutschland wehrte sich Schreiber seither mit juristischen Mitteln. In Deutschland wurden ihm Steuerhinterziehung und Untreue zur Last gelegt. Nach seiner Niederlage vor einem kanadischen Berufungsgericht am 8. März 2006 hatte der Waffenlobbyist vor dem obersten Gericht des Landes Einspruch gegen seine Auslieferung nach Deutschland eingelegt.

Schreiber wurde gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt, bis das Gericht sein Urteil getroffen habe. Der Kaufmann, der als Lebemann in Kanada auf sich aufmerksam machte, verfügte indes über ein geschätztes Vermögen von 250 Millionen kanadische Dollar. Anfang Juli 2009 scheiterte er zum vierten Mal in Ontario mit seinem Vorhaben, Widerspruch gegen die Auslieferungsentscheidung aus dem Jahr 2004 zu erwirken. Damit stand ihm keine erneute gerichtliche Überprüfung seiner Auslieferung zu. Bis 31. Juli 2009 trat Schreiber in Kanada noch als Kronzeuge im Ermittlungsverfahren gegen Brian Mulroney auf.

Am 3. August 2009 wurde Schreiber nach Deutschland ausgeliefert und in Untersuchungshaft genommen. Schreiber wurde nur noch Steuerhinterziehung und Beihilfe zum Betrug vorgeworfen. Von dem Verdacht auf Bestechung und Beihilfe zur Untreue war nicht mehr die Rede. Auch Beihilfe zur Untreue war nicht im kanadischen Auslieferungsbescheid enthalten. Der Prozess begann am 18. Januar 2010. Am 5. Mai 2010 wurde Schreiber zu einer Haftstrafe von acht Jahren wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er in den Jahren 1988 bis 1993 umgerechnet 7,3 Millionen Euro über ein System an Tarnkonten und Scheinfirmen am Fiskus vorbeischleuste.

NameKarlheinz Schreiber

Geboren am25.03.1934

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortKaufering (D).