Biografie

Jürgen Schneider

Der gelernte Maurer und promovierte Staatswissenschaftler avancierte zwischen 1981 und 1994 durch unlautere Kreditgeschäfte zu einem der anerkanntesten Immobiliensanierern und Baulöwen der Bundesrepublik. Mit seinem Konkurs leitete Dr. Jürgen Schneider im Frühjahr 1994 die größte deutsche Immobilienpleite ein, die jemals ein einzelner Unternehmer verursacht hatte. Der spektakulärste Wirtschaftsprozess der Bundesrepublik brachte anschließend nicht nur die Verurteilung Schneiders, sondern auch eine Mitschuld der Banken an dem Skandal hervor, der letztlich vor allem den Steuerzahler schädigte...
Jürgen Schneider wurde am 30. April 1934 in Frankfurt/Main geboren.

Sein Vater betrieb ein erfolgreiches Bauunternehmen. Nach dem Schulbesuch absolvierte Schneider zunächst eine Ausbildung zum Maurer. Im Anschluss daran nahm er an der Universität Darmstadt das Studium des Bauingenieurwesen auf. Später studierte er auch Staatswissenschaften, in denen er 1963 an der Universität Graz mit der Promotion abschloss. Noch im selben Jahr stieg Schneider in das väterliche Bauunternehmen ein, für das er bis 1981 tätig blieb. Persönliche Differenzen belasteten die Vater-Sohn-Beziehung während dieser zwei Jahrzehnte erheblich. Nachdem sich Schneider endlich von seinem Vater gelöst hatte, stieg er im Laufe der 1980er Jahre zu einem der erfolgreichsten Immobilienmogule der Bundesrepublik auf.

Dabei machte er sich besonders mit der aufwendigen Sanierung historischer Bauten in deutschen Innenstädten einen Namen, die er mit hohen Krediten und unzureichendem Eigenkapital finanzierte. Mit Unterstützung der Banken konnte Schneider etwa 1982 die Sanierung des Baden-Badener Gründerzeitbaus "Goldenes Kreuz" realisieren, nachdem er den Wert des Objekts höher angesetzt hatte als die künftigen Mieteinnahmen erwarten ließen und dann auch tatsächlich einbrachten. Mit gefälschten Mietverträgen und Schönrechnerei erlangte Schneider auch den Kredit für die Sanierung der Frankfurter "Zeilgalerie", deren Nutzungsfläche er um imaginäre Quadratmeter auf mehr als das Doppelte erweiterte.

Für die Restaurierung des Bernheimer Palais in München wurde ihm der Bau zweier Etagen finanziert, der nie stattfand, jedoch in der gefälschten Kalkulation mit erhöhten Mieteinnahmen zu Buche schlug. Der scheinbar erfolgreiche Baulöwe wurde zunehmend von den Banken umworben. Schneider bezog eine Prachtvilla in Königstein und legte eine prunkvolle Lebensweise an den Tag. Zweifel an seiner Seriosität konnte Schneider zunächst durch die Veräußerung des Hotels "Fürstenhof" in Frankfurt ausräumen, die ihm einen Gewinn von 200 Millionen DM bescherte, aber der einzige Verkauf seiner zahlreichen Immobilienobjekte blieb. Die deutsche Einigung erschloss dem Immobilienbetrüger 1990 ein neues Betätigungsfeld im Osten. Insbesondere in Leipzig trug Schneider zur Sanierung der maroden Innenstadt und zur Restauration etwa der berühmten Mädler-Passage mit "Auerbachs Keller" bei.

Mit den dafür erhaltenen Krediten deckte er zunächst die enormen Finanzierungslücken, die sich inzwischen bei seinen westdeutschen Projekten aufgetan hatten. Nachdem zu Jahresbeginn 1994 erste Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten beim Projekt "Zeilgalerie" in der Öffentlichkeit kursiert waren, teilte Schneider im April der Deutschen Bank seine Zahlungsunfähigkeit mit, um danach unterzutauchen. Der Kreditgeber reagierte mit einer Strafanzeige gegen Schneider, der von seinen 5,3 Milliarden DM Gesamtschulden allein der Deutschen Bank 1,3 Milliarden schuldete. Im Mai 1995 konnte das Ehepaar Schneider in Miami verhaftet werden, von wo der Unternehmer im Februar 1996 an die Bundesrepublik ausgeliefert wurde.

In einem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren vor dem Frankfurter Landgericht, zu dem vom Juni bis Dezember 1997 mehr als 50 deutsche Banker als Zeugen geladen wurden, wurde Schneider am 23. Dezember 1997 zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt. Die Milde des Urteils erklärte sich aus der zumindest moralischen Mitschuld der Banken selbst, die den Immobilienschwindel fahrlässig zugelassen und ermöglicht hatten. Dafür kostete die Schneider-Pleite auch einigen Kreditgebern ihren Posten. Schneider wurde indes nach Ablauf von zwei Dritteln der Haftstrafe zum Jahresende 1999 aus dem Gefängnis entlassen. Seine noch nicht beglichenen Bankschulden von schätzungsweise 1,3 Milliarden Euro konnten die Kreditinstitute als Verlust von der Steuer absetzen.

Unter Mitarbeit des Autors Ulf Mailänder veröffentlichte Schneider drei Bücher, darunter die Autobiographie "Bekenntnisse eines Baulöwen" (2001) sowie eine Übersicht über seine Immobilien unter dem Titel "Alle meine Häuser. Moderne Denkmale in Deutschland" (2000). Die Einnahmen sollten in einem von Schneider eingerichteten Hilfsfond zur Unterstützung der von der Schneider-Affäre geschädigten Handwerker fließen...

NameJürgen Schneider

Geboren am30.04.1934

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortFrankfurt/Main (D).