Biografie

José Ortega y Gasset

Der Philosoph, Essayist und Soziologe war einer der bedeutendsten spanischen Prosaschriftsteller in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und ein Vertreter des Perspektivismus. José Ortega y Gasset erkannte sämtliche philosophischen Systeme als jeweils individuellen Standpunkt ihrer Erschaffer. Erst im Besitz aller dieser philosophischen Systeme werde man die Vielfältigkeit der Wahrheit erkennen wie Gott. Nach Ortega y Gasset ist es die Aufgabe des modernen Menschen, die Vernunft nach der Biologie auszurichten. Der spanische Philosoph vertrat die Vorstellung eines neuen Europas...
José Ortega y Gasset wurde als Sohn eines Verlegers am 9. Mai 1883 in Madrid geboren.

Ortega y Gasset studierte nach seinem Schulabschluss an den Universitäten Madrid und Malaga. 1904 schloss er sein Studium mit der Promotion ab. Danach begab er sich nach Deutschland, um in Marburg, Leipzig und Berlin weiter zu studieren. Im Marburg war er unter anderem ein Schüler des Neukantianers Hermann Cohen. 1910 verließ er Deutschland wieder und kehrte nach Madrid zurück. Dort folgte er einem Ruf an die Universität und lehrte und forschte als Professor für Metaphysik. Bekannt wurde Ortega y Gasset mit seinem im Jahr 1914 veröffentlichten Buch "Meditaciones del Quichote".

Im Jahr darauf gründete er zusammen mit den Schriftstellern José Martinez Ruiz (Azorín), Perez de Ayala und Pio Baroja y Nessi die Zeitschrift "España", die sich zu einem politisch einflussreichen Medium entwickelte. 1916 reiste er durch Argentinien. Damit begründete er seine Popularität in den lateinamerikanischen Ländern. Als im Jahr 1923 der Diktator Miguel Primo de Rivera an die Macht kam, zog sich Ortega y Gasset von seiner Professoren-Tätigkeit zurück. 1930 endete die Herrschaft des spanischen Diktators. Im Jahr darauf wurde José Ortega y Gasset Mitglied in der Verfassungsgebenden Versammlung der Spanischen Republik. 1933 beendete der spanische Philosoph sein Engagement in der Politik seines Landes.

Beim Ausbruch des Spanischen Bürgerkrieges emigrierte er zunächst nach Frankreich. In der Folgezeit lebte er auch in Argentinien und Portugal. In den fünfziger Jahren kehrte Ortega y Gasset nach Spanien zurück. Sein Schaffen beschäftigte sich mit der Position Spaniens und Europas. In seinem Werk mit dem Titel "España invertebrada" aus dem Jahr 1921 klagte er über das Fehlen von Denkern in seinem Land, um der spanischen Kultur einen starken Halt und eine weitere Entwicklung zu geben. Dabei entwickelt Ortega y Gasset den Gedanken an eine Elite, der auch in seinem bekanntesten Werk mit dem Titel "La Rebelion de las Massas" aus dem Jahr 1929 (zu Deutsch: "Die Rebellion der Massen") vertreten ist.

Darin bedauert er den Verfall der spanischen Kultur, den er auf das demokratische Herrschaftssystem, das den Massenmenschen hervorgebracht habe, zurückführt. Ortega y Gasset setzt dagegen seine Forderung nach einer geistigen Elite. In diesem Darüber hinaus befasste er sich mit der Orientierungslosigkeit und der Sinnkrise Europas. In seinen philosophischen Anschauungen orientierte sich Ortega y Gasset an den deutschen Philosophen Wilhelm Dithey, Edmund Husserl und Oswald Spengler. 1957 wurde posthum sein Werk "El hombre y la Gente" veröffentlicht. Darin beschreibt er den Menschen als ein soziales Geschöpf, das sich in einem ständigen Netz von Beziehungen realisiert.

Er erkennt den Menschen als Ergebnis seiner individuellen Existenz und seiner Umstände – so wie er es auch in seinem Werk mit dem Titel "Meditaciones des Quichote" beschreibt. Damit ist in seinem Werk "El Espectador" eine starke Kritik an der Isolation des Menschen als ein denkendes Subjekt verbunden, so wie es der französische Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler René Descartes gefordert hat. In diesen Themenkreis gehört gleichfalls Ortega y Gassets Kritik an Johann Wolfgang von Goethe. Mit seinem philosophischen Schriften reihte sich Ortega y Gasset in den zeitgenössischen Geschmack in der Zeit der zwanziger und dreißiger Jahre ein. Soziologisch-kulturphilosophische Untersuchungen über neue Phänomene wie Aufstieg und Verfall oder Masse und Individuum waren gefragt.

Seine Anschauungen sind noch heute aktuell, wurden aber immer wieder in jüngerer Vergangenheit wie zum Beispiel zu Zeiten der Nationalsozialisten umgedeutet und verzerrt. In seiner literarischen Tätigkeit gilt José Ortega y Gasset als einer der bedeutendsten Prosaschriftsteller im Spanien der ersten Jahrhunderthälfte. Seine Werke zeichnen sich durch einen kraftvollen und außerordentlichen Stil aus; zudem war Ortega y Gasset ein exzellenter Dialektiker.

José Ortega y Gasset starb am 18. Oktober 1955 in Madrid.
1904
Los terrores del año mil. Crítica de una leyenda

1914
Meditaciones del Quijote

1916
El Espectador, (dt. Buch des Betrachters, Stuttgart 1952)

1921
España invertebrada

1923
El tema de nuestro tiempo, (dt. Zürich 1928)

1924
Ni vitalismo ni racionalismo

1928
La "Filosofía de la historia" de Hegel y la historiología

1929
¿Qué es filosofía?

1929
La rebelión de las masas, (dt. Der Aufstand der Massen, 1936)

1932
Pidiendo un Goethe desde dentro

1939
Meditación de la técnica, (dt. 1949)

1942
El intelectual y el otro, (dt. 1949)

1942
Ideas y creencias, (dt. in: Vom Menschen als utopischem Wesen, 1951)

1956
Miseria y esplendor de la traducción, (dt. Ebenhausen bei München 1964)

1957
El hombre y la gente, (dt. Stuttgart 1958)

1958
La idea de principio en Leibniz y la evolución de la teoría deductiva, (dt. 1966)

NameJosé Ortega y Gasset

Geboren am09.05.1883

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortMadrid (ES).

Verstorben am18.10.1955

TodesortMadrid (ES).