Biografie

Joachim Gauck

Der evangelisch-lutherische Pastor, Politiker und Publizist stellt seit 2012 den elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland. Erste Popularität erfuhr der versierte Redner zwischen 1982 und 1990 als Leiter der regionalen Kirchentagsarbeit in Rostock. Zur Zeit der friedlichen Revolution in der DDR, avancierte er zum führenden Mitglied des "Neuen Forums" in Rostock. Nach der ersten freien Volkskammerwahl (1990) wurde er als Abgeordneter von der Volkskammer der DDR zum Vorsitzenden des Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des ehemaligen MfS/AfNS gewählt. Von 1990 bis 2000 verdiente er sich dann als "Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR", innerhalb der so genannten "Gauck-Behörde". Im Anschluss engagierte sich Joachim Gauck gesellschaftspolitisch als Redner und Autor, sowie als Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen – Für Demokratie". Daneben zählt er zu den Initiatoren der "Prager Erklärung" und der "Erklärung über die Verbrechen des Kommunismus"...
Joachim Gauck wurde am 24. Januar 1940 in Rostock als Sohn eines Seemanns und einer Büroangestellten geboren.

Aufgewachsen ist Gauck mit drei Geschwistern in den Wirren des Zweiten Weltkrieges. Zum Ende des Krieges wurde der Vater verhaftet und nach Sibirien deportiert. Ende 1945 zog die Mutter mit ihren Kindern zu den eigenen Eltern nach Rostock. Dort besuchte er das Gymnasium. 1955 wurde der Vater begnadigt, worauf er nach Rostock zurückkehrte. Nach Abschluss der Schule mit Abitur studierte Gauck von 1958 bis 1965 Theologie in Rostock. 1959 heiratete er Gerhild Gauck; gemeinsam wurden sie Eltern von vier Kindern. Ab 1965 wurde er, zunächst als Vikar, bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburg tätig. Nach seiner Ordination wurde Gauck Pastor in Lüssow/Kreis Güstrow; 1970 wurde er nach Rostock-Evershagen versetzt. Zugleich wurde er als Kreis- und Stadtjugendpfarrer in Rostock tätig. Von 1982 bis 1990 verdiente er sich als Leiter der Kirchentagsarbeit in Mecklenburg. Erste Popularität erwarb er sich als Mitinitiator der kirchlichen und politischen öffentlichen Protestbewegung in Mecklenburg. Jetzt leitete er als Sprecher des "Neuen Forum" in Rostock wöchentliche Gottesdienste mit anschließender Großdemonstration.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde Gauck in der Zeit von März bis Oktober 1990 Abgeordneter der frei gewählten Volkskammer für das Neue Forum. Damit erhielt er die Leitung des "Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) /Amt für Nationale Sicherheit (AfNS)". Im August 1990 war er für die Öffnung der Stasi-Akten, für die "politische, juristische und historische Aufarbeitung", Mitinitiator des Stasiunterlagen-Gesetzes der Volkskammer. Am 2. Oktober 1990 erfolgte durch die Volkskammer seine einstimmige Ernennung zum "Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR". Am 3. Oktober wurde Gauck von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Bundeskanzler Helmut Kohl zum "Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes" berufen; ab Dezember 1991 war er mit der Verabschiedung des Stasiunterlagen-Gesetzes des Deutschen Bundestages "Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR".

Stellvertretend für "Die friedlichen Demonstranten des Herbstes 1989 in der damaligen DDR" erhielt Joachim Gauck mit Jens Reich, Ulrike Poppe und drei weiteren Bürgerrechtlern die Theodor-Heuss-Medaille. Im selben Jahr, 1989, publizierte er "Die Stasi-Akten. Das unheimliche Erbe der DDR". 1992 folgte der Aufsatz "Von der Würde der Unterdrückten" und 1993 erschien sein Aufsatz "Verlust und Übermut. Ein Kapitel über den Untertan als Bewohner der Moderne". Im Jahr 1995 wurde er für weitere fünf Jahre im Amt des "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR" vom Deutschen Bundestag bestätigt. Unterdessen wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. 1996 erhielt er den Hermann-Ehlers-Preis. Den dritten Tätigkeitsbericht seiner Behörde stellte er 1997 vor. Bis Juni 1997 waren rund 1,3 Millionen private Anträge für eine Einsicht in die Stasi-Akten eingegangen; sowie 2,3 Millionen von Behörden, Ämtern, öffentlichen Einrichtungen und Verwaltungen.

Gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Freimut Duve erhielt Gauck im selben Jahr dem Hannah-Arendt-Preis. 1999 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Rostock verliehen. Am 9. November 1999 sprach Gauck neben Michail Gorbatschow, George Bush, Gerhard Schröder und dessen Vorgänger Helmut Kohl sowie Wolfgang Thierse anlässlich des zehnten Jahrestages des Mauerfalls vor dem Deutschen Bundestag. Am 28. September 2000 wählte der Bundestag die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler zur neuen "Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR". Gauck erhielt indes den Cicero-Rednerpreis, den Dolf-Sternberger-Preis für öffentliche Rede sowie den Wartburg-Preis. Daneben veröffentlichte er den Titel "Eine Revolution und ihre Folgen. 14 Bürgerrechtler ziehen Bilanz". Im selben Jahr, 2000, lernte er in Nürnberg seine spätere Lebensgefährtin Daniela Schadt kennen. Für den WDR moderierte er von Januar bis November 2001 die Sendung "Gauck trifft…".

Im Jahr 2001 wurde Gauck weiter Deutsches Mitglied des Verwaltungsrates der "Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit". Ab 2003 war er Vorsitzender der Vereinigung "Gegen Vergessen - Für Demokratie". 2009 erschien zusammen mit Helga Hirsch der Titel "Winter im Sommer - Frühling im Herbst. Erinnerungen". Nach dem überraschenden Rücktritt des Bundespräsidenten Horst Köhler wurde Gauck am 31. Mai 2010, mit breiter öffentlicher Zustimmung, von SPD und Bündnis90/Die Grünen als Kandidat für das Bundespräsidentenamt nominiert. Am 30. Juni 2010 unterlag Gauck mit 494 Stimmen im dritten Wahlgang dem Kandidaten der Regierungskoalition von CDU/CSU und FDP, dem Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Christian Wulff. Nach dem Rücktritt des Bundespräsidenten Christian Wulff am 17. Februar 2012, wurde Joachim Gauck zwischen den Koalitionsparteien CDU, CSU und FDP sowie den Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen offiziell zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten erklärt.

Die Bundesversammlung in Berlin wählt Joachim Gauck am 18. März 2012 im ersten Wahlgang zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland.

NameJoachim Gauck

Geboren am24.01.1940

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortRostock (D).