Biografie

Javier Solana

Der Professorensohn und promovierte Physiker engagiert sich seit seiner Studentenzeit für die spanischen Sozialisten, was ihm unter dem Franco-Regime berufliche Nachteile und nach der Liberalisierung Spaniens neben manchem Ministerposten vor allem auch internationale Anerkennung einbrachte. Nachdem Javier Solana von 1995 bis 1999 den NATO-Generalsekretär gestellt hatte, fungiert er seit 1999 als EU-Beauftragter für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Nach dem Inkrafttreten der neuen EU-Verfassung soll er voraussichtlich ab 2006 den ersten europäischen Außenminister stellen...
Javier Solana Madariaga wurde am 14. Juli 1942 in Madrid geboren.

Sein Vater lehrte Chemie an der dortigen Universität. Solana wuchs inmitten des Francho-Faschismus im liberalen und demokratischen Klima seines Elternhauses auf. Er besuchte eine Eliteschule und studierte Physik an der Universität Madrid. Bereits während des Studiums fiel Solana durch politische Betätigung im linkssozialistischen Lager auf: Die Mitgliedschaft in der damals verbotenen Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei (PSOE) bescherte ihm die Zwangsexmatrikulation. Er setzte ab 1963 seine Studien im Ausland, zunächst in den Niederlanden, dann in England, fort.

Dank eines Stipendiums konnte Solana 1966 bis 1968 ein Auslandsstudium in den USA absolvieren, das er mit der Promotion abschloss. Noch 1968 wurde Solana als wissenschaftlicher Assistent an der University of Virginia tätig. 1971 kehrte er nach Spanien zurück, wo er zunächst noch unter Franco an der Universität Madrid als Privatdozent für Physik arbeitete, dann aber aus politischen Gründen gekündigt wurde. Mit der Liberalisierung nach Francos Tod konnte Solana 1975 seine akademische Laufbahn als Physikprofessor an der Universität Madrid wieder aufnehmen.

Auch intensivierte sich nun sein politisches Engagement für die PSOE, für die er mehrmals ins spanische Parlament einzog und den Pressesekretär stellte. Solana wurde 1982 als Regierungssprecher und Kulturminister in die neue PSOE-Regierung unter Felipe González berufen. 1988 übertrug ihm der Ministerpräsident die Leitung des Ministeriums für Erziehung und Wissenschaft, 1992 wechselte er in das Amt des Außenministers. In dieser Funktion erwarb sich Solana erstmals auch internationale Anerkennung. 1995 führte er Spanien souverän durch die halbjährliche EU-Präsidentschaft.

Im Dezember 1995 berief man Solana zum NATO-Generalsekretär nach Brüssel. In diesem Amt tat er sich noch im selben Monat durch den Beginn des NATO-Friedenseinsatzes in Bosnien hervor. Auch forcierte er in der Folge den Aufbau eines partnerschaftlichen Verhältnisses zu Russland, was 1997 in eine Vereinbarung über den Abbau der gegenseitigen Nuklearbedrohung mündete. Im Frühjahr 1999 traten Ungarn, Tschechien und Polen der NATO bei. Ebenfalls im Frühjahr 1999 zog Solana jedoch auch mit dem Angriff auf Serbien die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich, denn es handelte sich um den ersten Angriff des Verteidigungsbündnisses gegen einen souveränen Staat.

Im Oktober 1999 trat Solana erneut ein hohes militärisch-diplomatisches Amt an: Er fungierte bis 2004 als "Hoher Vertreter für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik" (GASP) der Europäischen Union. In dieser Funktion bemühte sich der spanische Politiker um die Abstimmung des Verhältnisses zwischen EU, NATO und Russland. Auch im Nahostkonflikt tat er sich wiederholt mit Schlichtungsinitiativen hervor. Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 konnte Solana jedoch eine Spaltung der EU-Staaten über die Kriegspolitik der US-Regierung unter George W. Bush nicht verhindern.

Der Irak-Krieg führte zu einer vorübergehenden Polarisierung von Kriegsbefürwortern und -gegnern in Europa und schwächte die Position des spanischen EU-Diplomaten erheblich. Noch bevor im Oktober 2004 die Amtszeit Solanas als EU-Beauftragter für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik auslief, wurde er im Juli des Jahres für eine zweite fünfjährige Amtsperiode bestätigt. Zugleich bestimmte ihn der Rat der EU zum künftig ersten Außenminister der Europäischen Union, der sein Amt mit Inkrafttreten der europäischen Verfassung 2006 antreten soll. Mitte Mai 2005 unternahm der EU-Außenbeauftragte einen Besuch in Polen, bei dem Solana in Warschau die weitere Integration Polens in die Union besprach.

Im Juli 2005 folgte der Besuch Solanas in den Palästinensischen Autonomiegebieten, wo er sich für die Fortführung des Nahost-Friedensprozesses stark machte. Der EU-Minister hatte in den folgenden Monaten maßgeblichen Anteil an der Anbahnung der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Am 3. Oktober 2005 nahm der türkische Außenminister Abdullah Gül offiziell die Beitrittsverhandlungen mit der EU in Luxemburg auf. Am 17. Mai 2007 erhielt Solana den Internationalen Karlspreis zu Aachen. Damit wurde er für seine Verdienste um Europa ausgezeichnet.

Javier Solana ist mit Concepción Jiménez verheiratet und Vater von zwei Kindern.


Die Europäische Union (EU):
Mitgliedsstaaten und Regierungschefs

NameJavier Solana

AliasSolana Madariaga

Geboren am14.07.1942

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortMadrid (Spanien).