Biografie

Abdullah Gül

Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler stellt seit 2007 den 11. Staatspräsident der Türkei. Er zählt zu den politischen Exponenten der gemäßigten Islamisten der Türkei. Von November 2002 bis März 2003 stellte Abdullah Gül als Vizepräsident der "Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung" (AKP) den Regierungschef am Bosporus. Als Interims-Ministerpräsident gab er das Amt des Ministerpräsidenten dann an die eigentliche politische Führungsfigur im Hintergrund, Recep Tayyip Erdogan, ab, um von 2003 bis 2007 als Außenminister zu fungieren...
Abdullah Gül wurde am 29. Oktober 1950 in Kayseri (Mittelanatolien, Türkei) als Sohn einer frommen islamischen Familie geboren.

Nach dem Abitur in seinem Heimatort nahm Gül 1968 ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Istanbul auf. Bereits während der Studienzeit zeigte er sich in islamischen Vereinigungen engagiert. Gül betrieb Doktoratsstudien u. a. in London und Exeter und promovierte gegen Ende der 1970er Jahre in der Türkei. Im Anschluss an das Studium ging Gül zunächst einer Lehrtätigkeit an der Universität Sakarya nach. Im Zuge des Militärputsches geriet er 1980 vorübergehend in Haft. 1983 trat er in die "Islamische Bank für Entwicklung" (IDB) ein, für die er bis 1991 als Wirtschaftsexperte in Dschidda (Saudi-Arabien) tätig war.

Nach seiner Rückkehr in die Türkei wurde Gül 1991 für die islamistische "Wohlfahrtspartei" von Necmettin Erbakan erstmals ins türkische Parlament gewählt. Dort engagierte er sich im Haushalts- und Außenpolitischen Ausschuss. Im folgenden Jahrzehnt wurde Gül dreimal ins Parlament wiedergewählt. 1993 erhob man ihn zum Vize-Präsidenten der "Wohlfahrtspartei", für die er die internationalen Beziehungen betreute. In den Jahren 1996/97 war Gül auch im Kabinett Erbakans vertreten. Zugleich sammelte er in der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg internationale diplomatische Erfahrungen. 2001 gehörte Gül zu den Mitbegründern der religiös-konservativen "Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung" (AKP), die sich unter der Führung des ehemaligen Istanbuler Bürgermeisters, Recep Tayyip Erdogan, konstituierte.

Die Partei der gemäßigten Islamisten stellt eine reformerische Abspaltung von der traditionell-islamistischen Bewegung der Türkei dar, die sich vormals um die "Wohlfahrtspartei", nach deren Verbot um die "Tugendpartei" gesammelt hatte. Nach dem abermaligen Verbot der "Tugendpartei" riefen die Anhänger Erbakans die islamistische "Wohlergehenspartei" ins Leben. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen vom 3. November 2002 erzielte die AKP, für die Gül als Vize-Präsident fungierte, 34,4 % der Stimmen. Der vormalige Ministerpräsident Bülent Ecevit galt als Verlierer der Wahl. Da der Parteileiter Erdogan aufgrund einer Vorbestrafung wegen Volksverhetzung zu keinem politischen Amt zugelassen wird, wurde Gül im November 2002 von Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer mit der Regierungsbildung beauftragt.

Am 18. November 2002 wurde die neue türkische Regierung unter Gül durch den Staatspräsidenten bestätigt. Als Regierungschef sah sich der Wirtschaftsfachmann seither der Herausforderung gegenüber, die Demokratisierung und den EU-Beitritt der Türkei entscheidend voranzutreiben, um die Mission der modernen Türkei als Brücke zwischen Orient und Okzident zu erneuern. Hinsichtlich der EU-Integration der Türkei stößt Gül jedoch paradoxerweise auf den entschiedenen Widerstand seiner Wertegenossen aus dem religiös begründeten Konservatismus Europas, allen voran der CDU/CSU, die trotz 40jähriger Migrationgeschichte und verfehlter Integrationspolitik in der Bundesrepublik immer noch nichts dazu gelernt hat.

Im März 2003 gab Gül das Amt des Ministerpräsidenten ab, da es nun infolge einer entsprechenden Gesetzesänderung durch Erdogan übernommen werden konnte. Der Interims-Premier nahm fortan die Funktion des Außenministers im Kabinett Erdogans wahr. Als Außenminister bezog Gül im Dezember 2004 energisch gegen das Konzept der deutschen CDU-CSU-Opposition Stellung, das entgegen einer allmählichen EU-Integration der Türkei lediglich eine "privilegierte Partnerschaft" des Landes mit der EU vorsieht. Im unmittelbaren Vorfeld der Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen im September 2005 kam es zu einem weiteren Konflikt mit der EU: Erdogan weigerte sich, zypriotische Handelsschiffe in türkische Häfen zu lassen. Außenminister Gül drohte gar damit, das EU-Aufnahmegesuch wieder zurückzuziehen.

Am 3. Oktober 2005 nahm der türkische Außenminister jedoch offiziell die Beitrittsverhandlungen mit der EU in Luxemburg auf. Er kandidierte im April und Mai 2007 für das Präsidentenamt als Kandidat der Regierungspartei AKP, nachdem er von Parteichef Erdogan dafür vorgeschlagen worden war. Seine Kandidatur löste eine innenpolitische Krise in der Türkei aus und führte zu Neuwahlen. Im Anschluss an die Wahlen wurde Gül am 28. August 2007 vom Parlament im dritten Wahlgang zum Staatspräsidenten der Türkei gewählt.

Abdullah Gül ist seit 1980 mit Hayrunissa verheiratet und Vater dreier Kinder.


Die Europäische Union

NameAbdullah Gül

Geboren am29.10.1950

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortKayseri (Mittelanatolien, Türkei).