Biografie

Herta Müller

Die deutsche Autorin rumänischer Herkunft variierte in ihrem Werk das Thema des pervertierten, entwurzelten und angstgetränkten Lebens in einem bedrängenden Überwachungsstaat. Ihre einzigartig präzise und faszinierende Sprache wurde Ausdruck eines reflektierten Denkens. Seit Beginn der 1990er Jahre nimmt Herta Müller einen zentralen Platz im internationalen Literaturbetrieb ein, der auch die Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen erklärt. Ihr Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, so 1994 mit dem Kleist-Preis, 2005 mit dem Berliner Literaturpreis, 2006 mit dem Walter Hasenclever-Literaturpreis der Stadt Aachen und 2009 mit dem Literatur-Nobelpreis…
Herta Müller wurde als Banater Schwäbin am 17. August 1953 in Banat, Rumänien geboren.

Die Familie zählte zur deutschen Minderheit in Rumänien. Aufgewachsen ist sie in gutbürgerlichen Verhältnissen in einem deutschsprachigen Dorf, ehe die Familie unter dem kommunistischen Regime enteignet wurde. Ihre Mutter wurde in die UdSSR deportiert und zur mehrjährigen Zwangsarbeiten verurteilt; Ihr Vater, ein ehemaliger Soldat der Waffen-SS, verdiente seinen Lebensunterhalt als Lkw-Fahrer. Nach dem Abitur studierte sie an der Universität des Westens Timisoara Germanistik und Rumänistik. Ab 1976 arbeitete sie als Übersetzerin in einer Maschinenfabrik.

Im Anschluss verdiente sie sich mit zeitweiliger Lehrtätigkeit in Schulen, unter anderem am deutschsprachigen Nikolaus Lenau Lyzeum in Timisoara und in Kindergärten. Hier wurde sie jedoch aufgrund ihrer Zusammenarbeitsverweigerung mit der Geheimpolizei "Securitate" aus dem Schuldienst entlassen. Ihr Debütwerk mit dem Titel "Niederungen" (1982) konnte in Rumänien, wie alle späteren Publikationen, nur in zensierter Fassung erscheinen. Seit 1984 arbeitet Herta Müller als freie Schriftstellerin. Sie wurde verfolgt, verhört, verfemt und erhielt schließlich Todesdrohungen. Sie erhielt weiter bis zu ihrer Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland im März 1987 Arbeits- und Publikationsverbot.

In den folgenden Jahren erhielt Herta Müller in der BRD eine Reihe von Lehraufträgen an Universitäten im In- und Ausland. Müller gehörte bis zu ihrem Austritt 1997 dem P.E.N.-Zentrum Deutschland an. 1995 wurde sie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2005 war sie "Heiner-Müller-Gastprofessorin" an der Freien Universität in Berlin, wo sie auch wohnhaft wurde.

Im Jahr 2008 entbrannte eine Diskussion um die Teilnahme des Historikers Sorin Antohi und des Germanisten Andrei Corbea-Hoisie an einer Tagung des "Berliner Rumänischen Kulturinstituts", weil beide Informanten des Geheimdienstes Securitate im kommunistischen Rumänien waren. Müller kritisierte deren Einladung in einem offenen Brief. In einem Artikel der Zeitung Die Zeit (23. Juli 2009) mit dem Titel "Die Securitate ist noch im Dienst" beschrieb Müller, welchen Maßnahmen "zur Kompromittierung und Isolierung" des rumänischen Geheimdienstes sie ausgesetzt war.

Im selben Jahr, 2009, wurde ihr Roman "Atemschaukel", der durch ein Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung ermöglicht wurde, für den Deutschen Buchpreis nominiert und gelangte ins Finale der besten sechs Romane. Darin zeichnet Müller den Weg eines jungen Mannes in ein Deportationslager nach Russland nach, das exemplarisch für das Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen nach dem Zweiten Weltkrieg steht. Als Vorlage diente der Autorin dabei das Erleben des 2006 verstorbenen Lyrikers und Georg-Büchner-Preisträgers Oskar Pastior, dessen mündliche Erinnerungen Müller in mehreren Heften notiert hat.

Am 8. Oktober 2009 wurde bekannt gegeben, dass Herta Müller am 10. Dezember den Nobelpreis für Literatur erhält. Sie habe "mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit" gezeichnet, hieß es in der Würdigung. Begründet wurde die Vergabe des Nobelpreises mit der Intensität der von ihr verfassten Literatur.
1982
Niederungen

1984
Drückender Tango

1986
Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

1987
Geschichten. (Sechs Kurzgesch.)

1987
Barfüßiger Februar

1989
Reisende auf einem Bein

1990
Wie Wahrnehmung sich erfindet

1991
Der Teufel sitzt im Spiegel. Wie Wahrnehmung sich erfindet

1992
Der Fuchs war damals schon der Jäger

1992
Eine warme Kartoffel ist ein warmes Bett

1993
Der Wächter nimmt seinen Kamm

1994
Angekommen wie nicht da

1994
Herztier

1995
Hunger und Seide

1996
In der Falle

1997
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

1999
Der fremde Blick oder Das Leben ist ein Furz in der Laterne

2000
Im Haarknoten wohnt eine Dame

2001
Heimat ist das, was gesprochen wird

2003
Der König verneigt sich und tötet

2005
Die blassen Herren mit den Mokkatassen

2005
Este sau nu este Ion

2009
Der Blick der kleinen Bahnstationen

2009
Atemschaukel
1981
Adam-Müller-Guttenbrunn-Förderpreis des Temeswarer Literaturkreise

1984
Aspekte-Literaturpreis

1985
Rauriser Literaturpreis

1985
Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Bremen

1987
Ricarda-Huch-Preis

1989
Marieluise-Fleißer-Preis

1989
Deutscher Sprachpreis

1990Roswitha-Preis

1991
Kranichsteiner Literaturpreis

1992
Deutscher Kritikerpreis

1994
Kleist-Preis

1995
Europäischen Literaturpreis Prix Aristeion

1995/96
Stadtschreiber von Bergen

1997
Literaturpreis der Stadt Graz

1998
Ida-Dehmel-Literaturpreis und den International IMPAC Dublin Literary Award

1999
Franz-Kafka-Preis der Stadt Klosterneuburg

2001
Cicero-Rednerpreis

2002
Carl-Zuckmayer-Medaille

2003
Joseph-Breitbach-Preis (zusammen mit Christoph Meckel und Harald Weinrich)

2004
Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung

2005
Berliner Literaturpreis

2006
Würth-Preis für Europäische Literatur

2006
Walter-Hasenclever-Literaturpreis

2007/08
Stipendium Internationales Künstlerhaus Villa Concordia

2009
Heine-Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft Düsseldorf

2009
Nobelpreis für Literatur

NameHerta Müller

Geboren am17.08.1953

GeburtsortNitzkydorf (RO).