Biografie

Hans W. Geißendörfer

Der Film- und Fernsehregisseur machte sich in den 1960er Jahren mit außergewöhnlichen Dokumentar- und Undergroundfilmen einen Namen. Davor studierte er kurzzeitig Germanistik, Theaterwissenschaften, Psychologie und afrikanische Sprachen, ehe er 1971 mit anderen Autorenfilmern des Neuen Deutschen Films den Filmverlag der Autoren gründete. Sukzessive etablierte sich Hans Wilhelm Geißendörfer vor allem durch seine Literaturverfilmungen als Autorenfilmer im bundesdeutschen Film und Fernsehen. Mit der ARD-Dauerserie "Lindenstraße", die seit Jahresende 1985 ausgestrahlt wird, begründete der gesellschaftspolitisch engagierte Filmschaffende ein ganz eigenes TV-Genre...

Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur
Hans Wilhelm Geißendörfer wurde am 6. April 1941 in Augsburg geboren.

Er wuchs im fränkischen Neustadt auf. Sein Vater war Militärgeistlicher und kehrte nicht mehr aus dem Krieg zurück. Nach dem Abitur begann Geißendörfer 1962 in Erlangen und Marburg, aber auch in Wien und Zürich, mehrere geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer zu studieren. 1967 brach er allerdings die Studien ohne Abschluss ab. Während des Studiums engagierte sich Geißendörfer bereits in Studententheatern. Außerdem entdeckte er den Film als seine eigentliche Leidenschaft. Er unternahm ausgedehnte Reisen in Europa, Asien und Afrika, auf denen er seine ersten Dokumentar- und Undergroundfilme drehte.

Im Jahr 1966 erlebte Geißendörfer sein Debüt mit der TV-Ausstrahlung von "Lächle, Seki", einer Dokumentation über die Lebenssituation der kurdischen Bevölkerung im Irak. Neben Dokumentationen setzte Geißendörfer zunehmend auch literarische Vorlagen zu Filmen um, was ihn als Autorenfilmer bekannt machte. Seine ersten Spielfilme legte er mit "Anna Kahn" (1967) und "Eins & Eins" (1968) vor. Einem größeren Publikum wurde Geißendörfer durch den Spielfilm "Lena Christ" (1968) bekannt. Im Jahr darauf erhielt er für "Jonathan" u.a. den Bundesfilmpreis. 1975 wurde seine TV-Serie "Lobster" ausgestrahlt.

Mit seiner Literaturverfilmung "Die gläserne Zelle" (1977), die auf einen Roman von Patricia Highsmith zurückging, erhielt Geißendörfer eine Oscar-Nominierung. Der Filmemacher erntete jedoch auch Kritik. Seine filmische Adaption von Thomas Manns "Der Zauberberg" (1981) erfuhr in den deutschen Feuilletons eine eher distanzierte Würdigung, obwohl Geißendörfer dafür das Filmband in Silber erhielt. Für die ARD entwickelte Geißendörfer die wöchentliche Serie "Lindenstraße", die seit dem 5. Dezember 1985 ausgestrahlt wird und den Regisseur auch gegenüber einem breiteren TV-Publikum bekannt machte. Noch 1998 konnte die Dauerserie auf rund 6 Millionen Zuschauer verweisen.

Die Serie wird von der ebenfalls 1985 ins Leben gerufenen Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion GmbH (GFF) mit inzwischen mehr als 1.000 Folgen produziert. Mit der einzigartigen Konzeption der Fernsehserie schuf Geißendörfer ein eigenes Genre, das sich vom komödiantischen oder fiktionalen Charakter der amerikanischen Vorbilder abhebt. Die "Lindenstraße" serviert dem deutschen Fernsehzuschauer mit wöchentlicher Aktualität die Höhepunkte des tagespolitischen Geschehens ins Wohnzimmer. Mit der Darstellung durchschnittlicher Menschen, die zum Teil von Laienschauspielern interpretiert werden, kann sie dabei höchste Authentizität beanspruchen.

Auch wenn Durchschnittlichkeit und Authentizität den Charakter der "Lindenstraße" prägten, scheute Geißendörfer jedoch nicht davor zurück, auch gesellschaftliche Missstände und Tabus sowie die Probleme so genannter Randgruppen zu thematisieren. Neben der künstlerischen Leitung und inhaltlichen Konzeption der "Lindenstraße" fand der Regisseur aber auch noch den mentalen und kreativen Raum für weitere Filmarbeiten. Dazu gehört etwa die Dürrenmatt-Verfilmung "Justiz", die 1994 für den Oscar nominiert wurde. Geißendörfer wurde mit zahlreichen weiteren Filmpreisen ausgezeichnet. 2002 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis in Gold.

Am 30. Januar 2005 strahlte die ARD die 1.000. Episode der "Lindenstraße" aus. Zur Jubiläumsfolge wurde bekannt, dass der Regisseur seinen Vertrag beim ersten öffentlich-rechtlichen Fernsehsender verlängert habe. 2008 und 2009 produzierte er die Filme "Selbstgespräche" und "In der Welt habt ihr Angst".

Privat ist Geißendörfer ist seit 1978 verheiratet und Vater von drei Töchtern.


Prominente Vertreter der deutschen Fernsehkultur
1966: Lächle, Seki (TV)
1967: Anna Kahn (Kino)
1968: Der Fall Lena Christ (TV)
1968: Eins & Eins (Kino)
1969: Jonathan (TV)
1970: Eine Rose für Jane (TV)
1971: Carlos (TV)
1972: Marie (TV)
1973: Die Eltern (TV)
1974: Perahim- Die zweite Chance (TV)
1975: Lobster (TV)
1976: Fasttage in Griechenland (TV)
1976: Sternsteinhof (Kino)
1976: Die Wildente (Kino)
1977: Die gläserne Zelle (Kino)
1978/79: Theodor Chindler (TV)
1981: Der Zauberberg (Kino u. TV)
1983: Ediths Tagebuch (Kino)
1985- ...: Lindenstraße (TV)
1992: Gudrun (Kino)
1993: Justiz (Kino)
2001: Die neun Leben des Thomas Katz (Kino)
2005: Schneeland (Kino)
2007: Zelle
2008: Selbstgespräche
2009: In der Welt habt ihr Angst
1970:
Filmband in Silber (Nachwuchsregie) für Jonathan

1970:
Deutschen Filmkritikerpreis für bestes Debüt in Jonathan

1976:
Filmband in Silber für Sternsteinhof

1978:
Filmband in Gold für Die gläserne Zelle

1979:
Oscar-Nominierung für Die gläserne Zelle

1982:
Filmband in Silber für Der Zauberberg

2002:
Adolf-Grimme-Preis in Gold

2005:
DVD Champion Lifetime Achievement Award, Lebenswerk

NameHans W. Geißendörfer

Geboren am06.04.1941

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortAugsburg (D).