Biografie

Hans-Peter Dürr

Der deutsche Elementarteilchenphysiker und Essayist zählte zu den einflussreichsten Forschern des zwanzigsten Jahrhunderts. Er war Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik sowie des Werner-Heisenberg-Instituts, München. Hans-Peter Dürr promovierte 1956 bei Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe, und war ab 1958 Mitarbeiter und Freund von Werner Heisenberg. Später widmete er sich zunehmend Themen außerhalb seines eigentlichen Fachgebiets, der Kernphysik, darunter erkenntnistheoretische und gesellschaftspolitische Fragen. 1987 gründete er in Starnberg die Initiative "Global Challenges Network". Prof. Dr. Dr. hc. Hans-Peter Dürr avancierte zu einem der bedeutendsten Erkenntnistheoretiker der Gegenwart. Er erhielt mit der wissenschafts- und forschungskritischen Gruppe Pugwash im Jahr 1995 den Friedensnobelpreis...

Erfinder, Entdecker, Erleuchtete
Hans-Peter Dürr wurde am 7. Oktober 1929 in Stuttgart geboren.

Nach Abschluss der Schule mit Abitur studierte Dürr Physik an der TH Stuttgart. 1953 legte er hier sein Diplom ab. 1956 erfolgte seine Promotion bei Edward Teller an der University of California, Berkeley. Im selben Jahr erhielt er den Award of Merit, Oakland USA. Noch im selben Jahr wurde er Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Physik in Göttingen und München sowie Mitarbeiter von Werner Heisenberg. Dieser trug 1958 seine "Einheitliche Theorie der Elementarteilchen" vor, die als Weltformel Bekanntheit erlangte. Es ergab sich zwischen den Wissenschaftlern Heisenberg und Dürr eine freundschaftlich motivierte Zusammenarbeit. 1962 erfolgte die Habilitation an der Universität München. Zugleich verdiente er sich als Gastprofessor in Berkeley, Kalifornien und Madras, Indien.

Im Jahr 1963 wurde er Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik und 1969 Apl. Professor an der Universität München. In seiner Arbeit widmete er sich zunehmend Themen außerhalb seines eigentlichen Fachgebiets (Kernphysik), darunter erkenntnistheoretische und gesellschaftspolitische Fragen. In dieser Zeit heiratete er die Amerikanerin Carol Sue Durham. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. 1975 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. Von 1978 bis 1980 stellte er den Geschäftsführenden Direktor des Max-Planck-Instituts für Physik und Astrophysik des Werner-Heisenberg-Instituts für Physik; erneut von 1987 bis 1992. Zu seinen allgemeinen Arbeitsgebieten zählte die Verantwortung des Wissenschaftlers, die Abrüstung und Friedenssicherung sowie philosophische und erkenntnistheoretische Fragen, zu denen er mehr als 300 Publikationen veröffentlichte.

In den Jahren 1985 bis 1993 war er Mitherausgeber der Reihe "Werner Heisenberg, Gesammelte Werke. 9 Bände". Hans-Peter Dürr gründete indes am 27. Januar 1987 in Starnberg die Initiative "Global Challenges Network", eine Organisation, die ein Netz aus Projekten und Gruppen knüpft, die konstruktiv und gemeinsam "an der Bewältigung der Probleme arbeitet, die uns und damit unsere natürliche Umwelt bedrohen". Im selben Jahr, 1987, wurde er, in Anerkennung seiner fundierten Kritik der strategischen Verteidigungsinitiative, sowie seiner Arbeit, hochentwickelte Technologien für friedliche Zwecke nutzbar zu machen, mit dem Right Livelihood Award 1987, dem "Alternativen Nobelpreis", ausgezeichnet. 1988 veröfentlichte er den Titel "Das Netz des Physikers".

Der Wissenschaftler und Club of Rome Member Hans-Peter Dürr setzt sich mit großem Enthusiasmus für Frieden und Umweltschutz ein. 1995 erhielt Dürr mit der wissenschafts- und forschungskritischen internationalen Gruppe Pugwash, der er angehört, den Friedensnobelpreis. 1997 erfolgte seine Emeritierung. Am 11. Juni 2004 zeichnete ihn Innenminister Otto Schily mit dem Großen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland aus. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasst bereits mehr als 100 Veröffentlichungen im Bereich Gravitation und Erkenntnistheorie, mehr als 300 Veröffentlichungen zu philosophischen und erkenntnistheoretischen Fragen sowie rund 20 Buchpublikationen. In Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Stadt München, wurde ihm 2007 das Ehrenbürgerrecht der Stadt verleihen. "Das Lebendige lebendiger werden lassen. Wie uns neues Denken aus der Krise führt" (2011) zählte zu seinen letzten Publikationen.

Hans-Peter Dürr starb am 18. Mai 2014 in München im Alter von 84 Jahren.


Erfinder, Entdecker, Erleuchtete
1971 - Quanten und Felder (Hrsg), Vieweg Verlag

1982 - Unified Theories of Elementary Particles (Hrsg), Springer Verlag

1985-1993 - Werner Heisenberg, Gesammelte Werke (MitHrsg), 9 Bände, Piper und Springer Verlag

1986 - Physik und Transzendenz (Hrsg), Scherz Verlag

1988 - Das Netz des Physikers, Hanser Verlag

1988 - De la Science à l’Éthique, Bibliothèque Albin Michel Sciences

1989 - Geist und Natur (Hrsg), Scherz Verlag

1994 - Respekt vor der Natur - Verantwortung für die Natur, Piper Verlag

1995 - Die Zukunft ist ein unbetretener Pfad, Herder Verlag

1995 - Zukünftige Energiepolitik (Mitautor), Economica Verlag

1995 - Umweltverträgliches Wirtschaften (MitHrsg), Agenda Verlag

1997 - Gott, der Mensch und die Wissenschaft (Mitautor), Pattloch Verlag

1997 - Rupert Sheldrake in der Diskussion (MitHrsg), Scherz Verlag

2000 - Für eine zivile Gesellschaft, dtv

2000 - Elemente des Lebens (MitHrsg), Graue Edition

2001 - Wir erleben mehr als wir begreifen (Mitautor), Herder spektrum

2002 - What is Life? (Mitautor, MitHrsg), World Scientific Publ.

2003 - Wirklichkeit, Wahrheit, Werte und die Wissenschaft (Mitautor, Mithrsg), BWV

2004 - Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen, Herder spektrum
1956
Award of Merit, Oakland USA

1987
Right Livelihood Award

1989
Waldemar-von-Knoeringen-Preis, München

1990
Ökologiepreis Goldene Schwalbe, Darmstadt

1991
Natura Obligat Medaille, Universität der Bundeswehr München

1993
Elise and Walter Haas International Award, University of California

1996
Medaille `München leuchtet' in Gold, Kulturpreis Landeshauptstadt München

2002
Ehrendoktorwürde Dr.phil. h.c, Universität Oldenburg, Fakultät Philosophie

2002
International Scientist of the Year, International Biographical Centre, Cambridge, UK

2004
Großes Verdienstkreuz des Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, Berlin

NameHans-Peter Dürr

Geboren am07.10.1929

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortStuttgart (D).

Verstorben am18.05.2014

TodesortMünchen (D).