Biografie

Guy Verhofstadt

Der belgischer Politiker und Rechtsanwalt stellte von 1999 bis 2008 den Premierminister Belgiens. Er vollzog ab Mitte der 1970er Jahre eine aufsteigende Karriere bei den belgischen Liberalen. Vor dem Hintergrund der Polit- und Justizskandale Belgiens, wurde Guy Verhofstadt ab Mitte 1999 als Ministerpräsident des Landes in eine radikale Umgestaltung des Systems involviert, die seine lila-grüne Koalition gegen die schwarze Opposition stetig vorantrieb. In dieser Funktion wurde er 2003 für eine zweite Amtsperiode bestätigt...
Guy Verhofstadt wurde am 11. April 1953 als Sohn von Marcel Verhofstadt und Gaby Stockmans im ostflandrischen Dendermonde (Belgien) geboren.

Nachdem er 1970 das Abitur in Gent abgelegt hatte, absolvierte er an der dortigen Universität ein Studium der Rechtswissenschaften. Im Anschluss daran erhielt Verhofstadt die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Bereits während seiner Studentenzeit begann er sich politisch bei den flämischen Liberalen zu engagieren. In den Jahren 1972/73 und 1974/75 war er Präsident der Flämischen Liberalen Studentenvereinigung. 1976 trat Verhofstadt in die "Partij voor Vrijheid en Vooruitgang" (PVV), also in die liberale "Partei für Freiheit und Fortschritt" ein, für die er noch im selben Jahr in den Stadtrat von Gent einzog. Dort blieb er bis 1982 vertreten. Zugleich war Verhofstadt 1977 bis 1981 als Sekretär des PVV-Vorsitzenden Willy De Clerq tätig.

Von 1978 bis 1984 saß er für den Genter Distrikt im Repräsentantenhaus. Für denselben Bezirk wurde er schließlich 1979 zum stellvertretenden Vorsitzenden der PVV erhoben. Im selben Jahr berief man Verhofstadt auch an die Spitze der nationalen Jugendorganisation der PVV-Liberalen. 1982 bis 1985 amtierte er überdies als Vorsitzender der PVV auf nationaler Ebene, wobei er den jüngsten Parteivorsitzenden Belgiens abgab. Im November 1985 trat er als Vize-Premierminister und Haushaltsminister in die Regierung von Martens ein, aus der er 1988 wieder ausschied. Bis 1991 leitete Verhofstadt dann das Schattenkabinett, das Martens weiter stützte. Zugleich amtierte er von 1989 bis 1992 erneut als PVV-Vorsitzender.

Mit der Umwandlung der Partei in die "Vlaamse Liberalen en Demokraten - Partij van de Burger" (VLD), also die "Flämische Liberalen und Demokraten - Bürgerpartei", wurde Verhofstadt nun als VLD-Vorsitzender bestätigt, als welcher er 1992 bis 1995 und 1997 bis 1999 fungierte. Bei den Wahlen von 1995 wurde Verhofstadt in den Senat gewählt, dem er als Vizepräsident bis 1999 angehörte. Nachdem die VLD bei den Wahlen vom Juni 1999 zur stärksten Fraktion in der Kammer aufgestiegen war, wurde Verhofstadt einen Monat später zum Ministerpräsidenten erhoben. Seitdem regierte der liberale Politiker mit einer Koalition aus Liberalen, Sozialisten und Grünen, die die Christdemokraten erstmals seit Jahrzehnten in die Opposition abdrängten.

Als größte Herausforderungen seiner Regierung begriff Verhofstadt, vor dem Hintergrund der Justiz- und Politskandale Belgiens, die Verwirklichung eines radikalen Bruchs mit dem politisch-bürokratischen System der Vergangenheit, der durch eine demokratisierende Reform von Verwaltung und Justiz herbeigeführt werden sollte. Für seine Politik der Erneuerung erhielt Verhofstadt bei den Parlamentswahlen vom 18. Mai 2003 eine Bestätigung: Mit einem Mandatsvorsprung vor den Sozialisten zog er in seine zweite Amtsperiode als belgischer Premier ein, die er nach dem schlechten Abschneiden der Grünen mit einer Zwei-Parteien-Koalition aus Liberalen und Sozialisten bestritt. Da seine Regierung jedoch aus frankophonen und flämischen Parteien bestand, geriet Verhofstadts Kabinett in den Strudel traditioneller regionaler Auseinandersetzungen.

Im Mai 2005 konnte er durch eine positive Vertrauensabstimmung im Parlament nochmals vorgezogene Neuwahlen verhindern. Bei der belgischen Parlamentswahl vom 10. Juni 2007 verlor die Regierungskoalition deutlich an Sitzen, woraufhin Verhofstadt seinen Rücktritt einreichte. Verhofstadt wurde am 3. Dezember von König Albert II. beauftragt, in Gesprächen mit allen Parteien eine Lösung aus der Staatskrise zu finden. Ab dem 21. Dezember 2007 führte Verhofstadt eine Übergangsregierung aus flämischen und frankophonen Christdemokraten und Liberalen sowie den frankophonen Sozialisten, die bis zur Ernennung einer neuen Regierung unter Yves Leterme, Spitzenkandidat der christdemokratischen CD&V, bis zum 20. März 2008 im Amt blieb.

Guy Verhofstadt ist seit 1981 mit Dominique Verkinderen verheiratet, mit der er zwei Kinder hat.


Die Europäische Union

NameGuy Verhofstadt

Geboren am11.04.1953

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortDendermonde (B).