Biografie

Gunther von Hagens

Der promovierte Mediziner erfand 1977 eine erfolgreiche Methode zur permanenten und wirklichkeitsgetreuen Konservierung anatomischer Präparate. Die Plastination menschlicher Leichname, die Gunther von Hagens seit 1996 als "Körperwelten" auch einem breiteren Publikum in einer bizarren Ausstellung zugänglich macht, bescherte dem Professor weltweiten Ruhm und einen Millionengewinn. Seine zahlreichen Kritiken rühren kaum aus wissenschaftlicher Richtung. Vielmehr, dass von Hagens seine menschlichen Leichen in Haltungen oder Tätigkeiten modelliert, die einem möglichst großen Unterhaltungs- oder Gruselerlebnis zu dienen scheinen, lässt seine Arbeit als unmoralisch erscheinen. Befürworter sehen indes den Mensch als technisches Wunder, dass in alltäglichen Situationen dargestellt wird...
Gunther von Hagens, eigentlich Gunther Gerhard Liebchen, wurde am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden bei Poznan (Polen) geboren.

Infolge der Kriegsniederlage wechselte die Familie in die Nähe Leipzigs im Ostteil des besetzten Deutschland, der in der Folge Sowjetische Besatzungszone, dann Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurde. Nach einem vorzeitig abgebrochenen Schulbesuch war Hagens zunächst gezwungen, sich als Briefträger und Liftboy über Wasser zu halten. Er kämpfte sich durch die Abendschule und bewarb sich bei den Behörden der DDR um einen Studienplatz. Er lebte von seinem sechsten bis zu seinem 20. Lebensjahr in Greiz (Thüringen). 1965 gewährte man ihm die Aufnahme eines Medizinstudiums an der Universität Jena, das er jedoch 1968 wegen seiner Inhaftierung abbrechen musste.

Infolge seiner Beteiligung an den Protesten gegen den sowjetischen Einmarsch in der CSSR und wegen eines misslungenen Fluchtversuchs aus der DDR verbüßte Hagens bis 1970 in Cottbus und Jena eine Gefängnisstrafe. Sein Freikauf durch die Bundesrepublik ermöglichte dem politischen Häftling im Sommer 1970 den Wechsel in den Westen, wo er sein Medizinstudium bis 1973 an der Universität Lübeck abschloss. Im Anschluss daran war Hagens als Assistenzarzt auf Helgoland tätig. 1974 wechselte er an die Universität Heidelberg, wo er 1975 promovierte und bis 1978 an unterschiedlichen medizinischen Institutionen wie etwa der Anatomie und Pathologie als wissenschaftlicher Mitarbeiter zum Einsatz kam.

In jene Zeit fällt die Erfindung der Plastination, mit der Hagens 1977 eine einzigartige Methode zur permanenten Konservierung menschlicher Leichname mittels spezieller Kunststoffe zur Verfügung stellte, für die er sich sukzessive neben dem deutschen auch mehrere ausländische Patente sicherte. Von 1978 bis 1998 war Hagens als Anatom am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg tätig. Neben seiner beruflichen Tätigkeit warb der Anatom seit Ende der 1970er Jahre auf zahlreichen Vortragsreisen und wissenschaftlichen Veranstaltungen, auch im internationalen Rahmen, für seine Plastinationstechnik, die er zugleich kontinuierlich weiterentwickelte.

Im Jahr 1994 gründete Hagens das "Institut für Plastination" in Heidelberg, das er seither als wissenschaftlicher Direktor leitet. Es folgten ähnliche Institutsgründungen u.a. an der Medizinischen Universität Dalian in China, wo der Anatom 1996 als Gastprofessor lehrte. Seit 1996 stellt Hagens seine Plastinationstechnik auch jenseits der medizinischen Fachwelt einem breiteren internationalen Publikum vor: Dies konnte auf zahlreichen Ausstellungen in Japan, Deutschland, Belgien, Großbritannien, Österreich und der Schweiz die präparierten Leichname bewundern, die der eigenwillige Wissenschaftler und Künstler in vorheriger Absprache mit den Körperspendern zu bizarren "Body Worlds", "Körperwelten", anordnete.

Für seine wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen erhielt Hagens zahlreiche Ehrungen. 1999 erhob man ihn zum Ehrenprofessor der Staatlichen Akademie in Bischek (Kirgisien). Im November 2002 führte Hagens in London öffentliche Sektionen menschlicher Körper durch, trotz massiver Proteste, auch seitens der britischen Regierung. Er verlangte Eintrittsgeld, die Sektion wurde aufgezeichnet, um sie später im Fernsehen zu zeigen und weiterhin verwerten zu können. In Guben in Brandenburg restaurierte er ein Fabrikgelände in der Uferstraße. Hier eröffnete er am 16. November 2006 das "Plastinarium". Darin können Besucher umfassende Einblicke in die Prozesse der Plastination und in die verschiedenen Präparationstechniken erhalten.

Gunther von Hagens ist seit 1975 verheiratet und Vater von drei Kindern. Für die Zeit nach seinem Ableben hat der Anatom bereits die Plastination seiner eigenen sterblichen Überreste verfügt.

NameGunther von Hagens

Geboren am10.01.1945

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortAlt-Skalden, Poznan (PL).