Biografie

Gerrit Rietveld

Der niederländische Architekt und Designer machte sich vor allen Dingen durch seine Stuhlentwürfe einen Namen. Er war ein Vertreter der De-Stijl-Bewegung. Durch den Rot-Blau-Stuhl wurde Gerrit Thomas Rietveld bekannt. Er experimentierte mit Spanplatten und Sperrholz. In Zeiten der Wirtschaftskrise kreierte er Mobiliar aus dem Material von Lattenkisten. Später wandte er sich wieder Massivholzkonstruktionen zu und vertrat einen geometrischen Formalismus. In der Architektur zählt das Schröder-Haus zu seinen bedeutendsten Arbeiten...

Die einflussreichsten Architekten und Designer des 20. Jhs.
Gerrit Thomas Rietveld wurde als Sohn eines Möbelschreiners am 24. Juni 1888 im niederländischen Utrecht geboren.

Bereits früh begann sich der elfjährige Rietveld in der väterlichen Werkstatt zu beschäftigen. Ab 1904 absolvierte er am Museum van Kunstnijverheid in Utrecht Kurse für Kunstgewerbe. Zwei Jahre später ließ sich Rietveld von einem Architekten im Bauzeichnen unterrichten. In dieser Zeit entwarf er erste Möbelstücke und realisierte sie auch als Auftragsarbeiten. 1912 nahm Rietveld den Betrieb einer eigenen Werkstatt als Kunsttischler auf. Später wurde er von Gerard van der Groenekan unterstützt, der zahlreiche Möbelstücke von Rietveld baute.

In den Jahren 1917/18 entwarf Rietveld seinen berühmt gewordenen Rot-Blau-Stuhl als Prototyp zunächst ohne Lackierung. Erst nachdem er die Bekanntschaft der De-Stijl-Bewegung gemacht hatte, versah er das Möbelstück, das in seiner Konstruktion als revolutionär galt, mit Farbe. 1919 schloss sich Rietveld als einer der frühesten Mitglieder der De-Stijl-Gruppe an. In der Juliausgabe ihrer gleichnamigen Zeitschrift "De Stijl" wurde Rietvelds Kinderhochstuhl präsentiert. In diesem Medium wurde 1923 auch sein furioser Entwurf des Rot-Blau-Stuhls erstmals publik gemacht.

Im gleichen Jahr präsentierte er ihn auf einer Ausstellung der Bauhaus-Gruppe. Das Möbelstück wurde zum Mittelpunkt der Stijl-Bewegung. In dieser Zeit wirkte Rietveld auch an der Architekturausstellung von De Stijl in Paris mit. Die Stijl-Bewegung beeinflusste den Designer und Architekten nicht nur in seinen Möbelentwürfen stark, sondern auch seine Architekturvorhaben orientierten sich an diesem Stilausdruck. In den Jahren 1923/24 plante und realisierte er das Schröder-Haus in Utrecht, das auch den Stilmerkmalen von De Stijl folgte. In dem Eröffnungsmanifest der 1917 gegründeten Zeitschrift "De Stijl" heißt es: "Ziel dieser Zeitschrift ist es, zur Entwicklung eines neuen Schönheitskonzepts beizutragen.

Ihr Bestreben wird es sein, dem modernen Menschen das Neue in der schöpferischen Kunst näher zubringen. Der archaischen Verwirrung, dem modernen Barock, wird sie die vernunftgemäßen Grundsätze eines gereiften Stils entgegenstellen, der auf einer reineren Beziehung zu Geist und Ausdrucksmitteln unserer Zeit gründen wird." In der Zeit um 1927 und 1928 entstanden Möbelexperimente aus Spanplatten und Sichtholz, die auch umgesetzt wurden. Aus dieser Epoche stammt auch Rietvelds Konstruktion einer Garage mit Chauffeurwohnung in Form eines Kubus in Utrecht. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise konstruierte er Möbel aus dem Material von Kistenlatten.

In den Jahren von 1931 bis 1934 plante Rietveld einige bedeutende Wohnbauten, die sich durch typologische Merkmale auszeichnen, so zum Beispiel das dreistöckige Reihenhaus für die Wiener Werkbundausstellung. 1932 bis 1934 entwarf er den bemerkenswerten Zig-Zag-Stuhl mit 45-Grad-Winkel im Sockelbereich. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre machte sich bei Rietveld eine Stiländerung bemerkbar. Er trat nicht mehr vehement für einen funktionalistischen Purismus ein, sondern mischte gerade und rundliche Formen miteinander. 1942 entstand ein Aluminiumsessel, der sich in Form und Material an den Sitzen von Militärfliegern orientierte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schuf Rietveld den Niederländischen Pavillon zur Kunstbiennale in Venedig (1954) wie auch den Pavillon im Park Sonsbeek in Arnheim; beide Objekte zählen zu seinen berühmtesten Werken. 1963 entstand der Seltman-Stuhl, der die am weitesten fortgeschrittene Reduktion seiner Entwürfe darstellt. Danach wandte er sich wieder dem Massivholz und geometrischen Formalismus in seiner Ausdruckssprache zu. In der Zeit von 1963 bis 1973 begann Rietveld mit dem Projekt des Rijksmuseums Vincent van Gogh in Amsterdam, das er aber nicht mehr fertig stellen konnte. Die dafür verwendeten Betonzementsteine entwickelten sich kurz danach zum Trendmaterial am Bau.

Gerrit Rietveld starb am 25. Juni 1964 in Utrecht.


Die einflussreichsten Architekten und Designer des 20. Jhs.

NameGerrit Rietveld

Geboren am24.06.1888

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortUtrecht (NL).

Verstorben am25.06.1964

TodesortUtrecht (NL).