Biografie

Friedrich Jahn

Der Unternehmer wurde als Gastronom und Gründer der Hähnchen-Kette "Wienerwald" international bekannt. Friedrich Jahn expandierte auch mit Hunderten von Betrieben in die USA. Das typische Kennzeichen des "Wiener Waldes" wurde seither ein Schnellrestaurant für Hähnchen-Gerichte nach amerikanischem Vorbild mit zusätzlichem Straßenverkauf. Darüber hinaus besaß der Großgastronom 30 Wienerwald-Hotels und andere Gaststätten. Später stieg Friedrich Jahn mit der Tochtergesellschaft "Jahn-Reisen" ins Touristikgeschäft ein. Wirtschaftliche Probleme zwangen ihn zum Verkauf seiner Betriebe. Schließlich erwarb er Wienerwald Deutschland wieder zurück...

Menschen und Marken
Friedrich Jahn wurde am 29. Dezember 1923 im österreichischen Linz, als Sohn einer Gastronomenfamilie, geboren.

Jahn wuchs in wirtschaftlich anspruchsloser Umgebung auf. Er war Schüler der Grund- und Hauptschule in Linz. Danach absolvierte er drei Fortbildungsklassen. Im Anschluss daran machte er eine Lehre als Kellner in Linz. Auf der Gastronomiefachschule in Salzburg bildete sich Jahn weiter. In dieser Zeit heiratete er seine Frau Hermi. Aus dieser Verbindung gingen zwei Töchter hervor. 1955 startete Jahn seinen zweiten Versuch, sich selbstständig zu machen. Er eröffnete zusammen mit seiner Frau den Gastronomiebetrieb "Linzer Stüberl". Dabei kam er auf die Idee, aus den Vereinigten Staaten günstig eingekaufte Hähnchen zu grillen und zu verkaufen. Das Konzept der späteren "Wienerwald"-Gastronomie war geboren. Das Angebot kam gut an, die Grillhähnchen fanden reißenden Absatz.

Jahn expandierte schnell. Kurz hintereinander eröffnete er weitere Wienerwald-Filialen. Bereits 1965 bestand die Wienerwald-Kette aus insgesamt 174 Betrieben. 1971 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden. 1973 ereilte die Familie Jahn ein Schicksalsschlag, da ihre Tochter Evelyn entführt wurde. Die Kidnapper konnten damals verhaftet werden. Im selben Jahr wurde Jahn mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Zwei Jahre später, 1974, existierten schon 375 Wienerwald-Filialen, die sich auf neun europäische Länder verteilten. Zum Jahn-Imperium zählten außerdem vier Tourhotels, 30 Wienerwald-Hotels, das Drehrestaurant im Münchner Olympiaturm, ein Weinhaus und 34 Beteiligungsgesellschaften. Im gleichen Jahr wurden die ersten Betriebe der Schnellimbisskette "Kick" eröffnet. Jahn operierte dabei mit dem Franchise-System.

Im Jahr 1978 belief sich die Anzahl der Wienerwald-Restaurants auf insgesamt 551 Filialen. Der Hähnchenkönig befand sich mit seinem Konzept des schnell zubereiteten Geflügels weiterhin im wirtschaftlichen Aufwind. Im gleichen Jahr fasste Jahn auch in den Vereinigten Staaten Fuß, er kaufte zwei Restaurant-Ketten. Im Jahr darauf eröffnete er seine Tochtergesellschaft "Jahn-Reisen" im Touristik-Bereich. 1982 war Jahns Wienerwald-Imperium auf insgesamt 1.600 Betriebe angewachsen. Er beschäftigte rund 27.000 Mitarbeiter. In den USA verkauften 883 Restaurants Jahn-Hähnchen, 300 Betriebe davon führte der Großgastronom selbst. Durch die Ketten McDonald's und BURGER KING kam es ab Mitte der 1980er Jahre zur Stagnation des wirtschaftlichen Booms, Jahn plagten Liquiditätsprobleme.

Hinzu kamen rund 260 Millionen Mark Schulden bei verschiedenen Bankinstituten. In dieser Lage realisierte Jahn Umstrukturierungsmaßnahmen in der Konzernführung. Die Tochtergesellschaft "Jahn-Reisen" übernahm das Touristik-Unternehmen LTU. Jahn zog sich aus dem operativen Geschäftsfeld zurück. 1986 kam es dann zum Verkauf des Wienerwald-Konzerns für 20 Millionen D-Mark. Jahn arbeitete als Berater für die deutsche Wienerwald-Gruppe. Kurz darauf kaufte Jahn den deutschen Teil seines ehemaligen Imperium für eine Summe von 2,5 Millionen D-Mark zurück. Zwei Jahre später, 1988, verteidigte er sich vor Gericht erfolgreich gegen den Vorwurf der unterlassenen Konkursanmeldung einer Konzerntochter, Jahn erhielt einen Freispruch.

Im selben Jahr erwarb der britische Nahrungsmittel- und Gastronomiekonzern Grand Metropolitan Plc. in London seine sämtlichen Wienerwald-Filialen in Deutschland. Der Kaufpreis belief sich angeblich auf 40 Millionen Mark. Dennoch zog sich Jahn nicht aus dem Gastronomiegeschäft zurück. Der mittlerweile 67-Jährige gründete in Augsburg und in München vier "Schnitzelhaus"-Gaststätten. Drei davon verkaufte er bald wieder. Dann gründete er in der Schweiz die Beratungsgesellschaft Friedrich Jahn Consulting und in München das Unternehmen "Bega", über die er als Berater in Gastronomiefragen tätig war. 1993 wurde Jahn Mitglied im Verwaltungsrat der Schweizer Firma Caspar E. Manz AG. Im gleichen Jahr konnte er zwei Auszeichnungen entgegennehmen. Ihm wurde das Große Ehrenzeichen der Republik Österreich zuteil, und die Stadt Wien ehrte ihn mit dem Goldenen Verdienstkreuz der Stadt.

Friedrich Jahn starb am 15. Dezember 1998 an Leukämie in Bad Wiessee.


Menschen und Marken

NameFriedrich Jahn

Geboren am29.12.1923

SternzeichenSteinbock 22.12 - 20.01

GeburtsortLinz (A).

Verstorben am15.12.1998

TodesortBad Weissee (A).