Biografie

Frank Wedekind

Der deutsche Schriftsteller und Dramatiker war einer der schärfsten literarischen Provokateure der Wilhelminischen Epoche. In seinem Werk wandte sich Frank Wedekind gegen die verlogene, lebensfeindliche Moralvorstellung seiner Zeit. Dabei trat er in seinem literarischen Schaffen für die körperliche Freizügigkeit ein sowie für die menschliche Natur und Schönheit des Leibes. Mit seiner Kritik an der gesellschaftlichen Moral war auch der satirische Angriff auf die kapitalistischen Lebensformen verbunden. Die Form seiner Dramenkunst ist geprägt von Offenheit und Verbindung unterschiedlicher Elemente wie Musik, Satire oder Komödie...
Frank Wedekind, mit richtigem Vornamen Benjamin Franklin, wurde am 24. Juli 1864 als Sohn des Arztes Friedrich Wilhelm Wedekind und dessen Ehefrau Emilie, geborene Kammerer, in Hannover geboren.

Wedekind verbrachte seit 1872 seine Kindheit in der Schweiz, da sein Vater, ehemaliger Abgeordneter des Paulskirchen-Parlamentes mit amerikanischer Staatsbürgerschaft, als Gegner des Kaiserreiches von Wilhelm II. Deutschland verließ. Schon in der Schulzeit war er literarisch tätig. Nach dem Abitur studierte er ab 1884 in München Jura. 1885 erste literarische Produkte wie Gedichte, Prosa und eine Komödie.

Im Jahr 1886 erfolgte der Studienabbruch. Danach war Wedekind in leitender Funktion im Werbebüro der Firma Maggi nahe Zürich tätig. 1887 kam er mit dem Züricher Literatenkreis "Das junge Deutschland" um Gerhart Hauptmann in Berührung. 1888 starb der Vater. Durch seine Erbschaft war er finanziell unabhängig und hielt sich in Berlin, München und Paris als freier Schriftsteller auf. Obwohl München sein Hauptwohnsitz blieb, waren Berlin, Zürich, Dresden und Leipzig weitere Ziele von Wedekind.

In München traf er den naturalistischen Schriftsteller Michael Conrad. Als Mitarbeiter der Zeitschrift "Simplicissimus" veröffentlichte Wedekind ein satirisches Gedicht zur Palästina-Reise von Wilhelm II., das von der Zensur als Majestätsbeleidigung eingestuft wurde. Wegen polizeilicher Verfolgung im Jahr 1898 setzte sich Wedekind ab nach Zürich. Nachdem er sich ein Jahr darauf den Behörden stellte, wurde er zu neun Monaten Gefängnis verurteilt.

Aus der Beziehung zu Frieda Strindberg ging 1898 der Sohn Friedrich Strindberg-Wedekind hervor. 1899 erschien die Satire "Der Kammersänger" als Einakter. Ab April 1901 spielte er bei dem Kabarett "Die Elf Scharfrichter" aus München mit, wo er eigene Balladen, Moritaten und Gedichte unter eigener musikalischer Begleitung rezitierte. Weiterhin war er in dieser Zeit als Schauspieler tätig. 1906 verlegte er seinen Schwerpunkt auf das literarische Schaffen, wobei er ständig mit der Zensurbehörden aneinander geriet.

Seine Texte wurde oftmals als unsittlich eingestuft. Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges bestand kaum noch die Möglichkeit, seine Werke auf die Bühne zu bringen. 1891 erschien in Zürich Wedekinds erstes bedeutendstes Drama "Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie". Aber erst 15 Jahre später, 1906, konnte es in zensierter Form an den Berliner Kammerspielen uraufgeführt werden. Regie führte Max Reinhardt. Mit dieser Aufführung wurde Wedekind einer der meist gespielte Dramatiker seiner Zeit.

Es folgte formal den dramatischen Werken von Georg Büchner und Christian Dietrich Grabbe sowie dem werktheoretischen Verständnis aus der Sturm-und-Drang-Zeit – aneinander gereihte Kurzszenen sowie ins Groteske gipfelnde satirische Elemente waren die herausragenden Merkmale. 1895 kam in München "Der Erdgeist. Tragödie in vier Aufzügen" heraus. Wedekind lehnte in seinem Werkschaffen unter anderem die konventionalisierte Triebunterdrückung und die doppelte Moral der Gesellschaft ab.

Dagegen hob er die menschliche Natur und die Schönheit des Leibes hoch, wie zum Beispiel in den Teilstücken der "Lulu"-Tragödie "Erdgeist" (Uraufführung 1898) und "Die Büchse der Pandorra" (Uraufführung 1904). Mit seiner körperlichen Freizügigkeit und Kritik am bürgerlichen Erziehungsmodell verband Frank Wedekind in dem Romanfragment "Mine-Hara oder Über die körperliche Erziehung der jungen Mädchen" (1903) Züge aus dem Bildungsroman, die er parodierte.

Wedekinds satirische Kritik befasste sich aber auch mit den kapitalistischen Lebensformen – dafür steht das Stück "Der Marquis von Keith" (Uraufführung 1901). Seine Dramenformen sind offen und verbinden in grotesker Weise unterschiedliche Gestaltungselemente wie in "Musik" (1908), "Oaha" (1908) oder in "Herakles" (1917). Immer wieder wurde Wedekind vom Publikum missverstanden, deswegen überarbeitete er auch öfter seine Werke. In den beiden Stücken "So ist das Leben" (Uraufführung 1902) und "Hidalla" (1904) thematisiert er seine kritischen Schreibabsichten und dieses öffentliche Missverständnis.

Carl Sternheim, Georg Kaiser, Bertold Brecht, Friedrich Dürrenmatt oder Rainer Werner Fassbinder zogen ihre Lehren aus den Werken von Franz Wedekind. "Die Büchse der Pandorra" war Vorlage für Georg W. Pabst Stummfilm, der in die Filmgeschichte einging, ebenso wie die "Lulu"-Tragödie von Alban Berg auf die Opernbühne gebracht wurde.

Zu den weiteren Werken von Wedekind zählen "Der Schnellmaler oder Kunst und Mammon" (1889), "Die Fürstin Russalka" (1897), "Die junge Welt" (1897), "Der Kammersänger" (1899), "Der Liebestrank" (1899), "Die Zensur. Theodizee in einem Akt" (1908), "Der Stein des Weisen" (1909), "Schloss Wetterstein" (1910), "Franziska. Ein modernes Mysterium" (1912), "Bismarck" (1915) oder "Lautenlieder" (1920).

Frank Wedekind starb am 9. März 1918 an den Folgen einer Operation in München.

NameFrank Wedekind

Geboren am24.07.1864

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortHannover (D).

Verstorben am09.03.1918

TodesortMünchen (D).