Biografie

Erwin Komenda

Der österreichische Ingenieur war als Karosseriedesigner Schöpfer der weltweit meistgebauten Autokarosserieform, der des VW Käfers. Erwin Komenda war indes auch für die Karosserie-Pläne weiterer KdW-Autoerfolgsmodelle wie etwa dem Schwimm- und Kübelwagen oder dem Cisitalia-Rennwagen beteiligt. Nach dem Zweiten Weltkrieg trug Komenda maßgeblichen Anteil an der Erfolgsgeschichte des Automobilbauers Porsche. Komenda zeichnete u.a. für die Modelle 356, den 550 "Spyder" und später den legendären 911 verantwortlich, ebenso das Design des Porsche-Firmenwappens stammt aus seiner Feder. 1955 wurde er von Ferry Porsche zum Oberingenieur ernannt...
Erwin Komenda wurde am 6. April 1904 im österreichischen Jauern am Semmering geboren.

Seine Jugend verbrachte er im oberösterreichischen Markt Weyer an der Enns nahe der Stadt Steyr. Nach dem Abschluss der Technischen Lehranstalt für Eisen- und Stahlbearbeitung in Steyr besuchte er einen Wagenbaukurs am Technologischen Gewerbemuseum in Wien bei dem renommierten Innungsvorstand der Wiener Wagenbauer, der mit seinem Buch "Der Wagen- und Automobilkarosseriebauer" mit neuartigen Konzepten für internationales Aufsehen sorgte.

Im Jahr 1920 begann Komendas berufliche Laufbahn als Konstruktionszeichner für Werkzeuge und Automobile in einer Wiener Karosseriefabrik. 1926 ehelichte Komenda die Wienerin Auguste Eugenie Hauptmann. Der lebenslang bestehenden Ehe entstammte im gleichem Jahr der Sohn Erwin, 1945 die Tochter Ingrid. 1926 wechselte Komenda zu den Steyrer Werken und begegnete dort erstmals Ferdinand Porsche, der nach seinem Austritt bei der Daimler-Benz AG als technischer Direktor zu Steyr kam.

Komenda teilte in Steyr seinen Platz am Zeichentisch mit anderen berühmten Ingenieuren wie etwa Bela Barenyi, der später die Erfindung des Käferprinzips für sich beanspruchte. Eine Fülle an innovativen Ideen ebneten dem unbekannten Ingenieur aus dem oberösterreichischen Voralpenland den Karriereaufstieg zum Chef-Konstrukteur der Versuchs- und Entwicklungsabteilung der Daimler-Benz AG in Sindelfingen. 1930 ernannte man den 26-jährigen Komenda zum stellvertretenden Chef der Serien-Konstruktionsabteilung des Unternehmens.

Im November 1931 trat er dem von Ferdinand Porsches neu gegründeten Konstruktionsbüro als Leiter der Karosserieaufbauabteilung bei. Obwohl die Porsche Betriebsordnung von 1937 die NSDAP-Pflichtmitgliedschaft für alle Mitarbeiter vorsah, bewahrte Komenda seine politische Neutralität und trat, wie Dokumente der amerikanischen Militärbehördeuntersuchung und NS-Parteilisten belegen, der NSDAP nie bei. Seinen Widerstand gegen das Regime gab er bei Treffen mit Hitler Ausdruck.

Als Ende 1944 die Kriegsniederlage vorsehbar und das Volkswagenwerk großteils zerstört in Trümmern lag, evakuierte Porsche sein hochkarätiges Entwicklungsteam nach Gmünd in Kärnten und ging nach Zell am See. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges liefen Entnazifizierungswellen über das Land, die Komenda mit Ferry Porsche und anderen Ingenieuren in amerikanische Internierungshaft in Glasenbach brachten. Ausgiebigen Verhören folgte die Freiheit der unbescholtenen Porsche Entwicklungsingenieure.

Die männlichen Familienmitglieder Porsche kamen kurz darauf in die französische Kriegsgefangenschaft. Während der Abwesenheit von Ferdinand Porsche entwickelte das in Gmünd verbliebene Porsche-Team Automobile wie den Cisitalia-Rennwagen, den Porsche-Sportviersitzer Typ 370 und den legendären Porsche Typ 356. Erwin Komenda entwarf die Karosseriekonstruktion des Porsche 356, dessen Linie ein großes Echo bei der Bevölkerung fand. Viele technische Erfindungen zum Käfer und dem Porsche Typ 356 ließ Komenda patentieren.

Im Jahr 1947 arbeitete Komenda bei Cisitalia in Turin. Mehrmals reiste er in die Schweiz, um die Schweizer Produktion des Porsche Typ 356 abzuwickeln. Mehrmals weilte Komenda beruflich in den Vereinigten Staaten. 1952 und 1953 bearbeite Komenda Entwicklungsaufträge in Großbritannien. 1952 entstand mit Hilfe des Porsche-Chefdesigners das legendäre Porsche Wappen, das ab 1953 als eingetragenes Markenzeichen die Signalknöpfe im Inneren der Porschesportwägen und ab 1957 die Fronthaube zierte.

Ferry Porsche beauftragte Komenda bei einem gemeinsamen Amerikaaufenthalt im Jahr 1952 mit der Designausarbeitung des Porsche Wappens. Als Ausdruck der Heimatverbundenheit inkludierte Komenda in das Porsche Wappen das Stuttgarter Wappentier, das Landeswappen von Baden-Württemberg und die Schriftzüge "Porsche" und "Stuttgart". Nachdem Komenda Design und Farbgestaltung ausgeklügelt hatte, klärte er die rechtliche Situation der Verwertung von Stadt- und Landeswappen ab.

Komenda leitete die Entwicklung der Folgetypen des Porsche Typ 356. Er entwarf aber auch die Karosserie des ersten Großraum Porsche, des Porsche Typ 530, der großteils auf einem Komenda Entwurf der Nachkriegszeit des Typ 370 basierte. Zwei Prototypen wurden vom Porsche Typ 530 gebaut. 1953 entwarf Komenda Karosserieaufbauten für den extravaganten Porsche Typ 550 Spyder. Die Serienproduktion des Porsche Typ 550 begann Ende 1954 unter der Bezeichnung "Porsche Spyder".

Komenda entwarf die weltbekannte Karosserie des "American Roadster" oder Porsche Typ 540 "Speedster", die im September 1954 auf Anraten des Amerika-Porsche Importeurs Max Hoffmann debütierte und unter der Bezeichnung "Frischluftlegende" zur beliebtesten und günstigsten Ausführung der Modellpalette des 356er avancierte. Im Herbst 1955 löste Komendas Karosserievariante des Porsche Typ 356 A den 356 ab. Ebenfalls unter Komendas Federführung entstand der 356 B, der auf der Frankfurter Automobil-Ausstellung 1959 im neuen, ungewohnten Erscheinungsbild präsentiert wurde.

Die Technischen Folgeprogramme T 7 Ende 1959 und T 8 Ende 1961 waren bereits Vorarbeiten zum Porsche Typ 911. Komendas letzte Lebensphase war gekennzeichnet von großen innerbetrieblichen Schwierigkeiten mit Porsche Familienmitgliedern im Rahmen der Entwicklung des Porsche Typ 904 und 911. Zu seiner großen Freude baute Porsche den Typ 911 nach seinen Vorstellungen und gab mit dem Porsche 904 Carrera GTS Coupé, dem ersten Auto mit einer Kunststoffkarosserie, den unzähligen Komenda Patentanmeldungen zu Kunststoffaufbauten ein Gesicht.

Plötzlich endet der berufliche Werdegang: Letzte Patentanmeldungen Komendas stammen aus dem Jahr 1965. Beruflich hing Komenda mit zähem Willen an seinen Ideen und verstand es zusammen mit seinen Mitarbeitern schwierigste Aufgaben umzusetzen. 1955 ernannte ihn Ferry Porsche zum Oberingenieur. Seiner Familie hinterließ er mit seinem österreichischen Vermögen keine Reichtümer.

Erwin Komenda war bis zu seinem plötzlichen Tod am 22. August 1966 ein aktiver Porschemitarbeiter. Komenda fand seine letzte Ruhestätte im Familiengrab in Weyer an der Enns.

Komenda erlebte die Realisierung seines frühgehegten Traums vom Volkswagen: Am 5. August 1955 wurde der 1000000ste VW-Käfer in unveränderter Form produziert und in mehr als 100 Länder exportiert, 1965 überschritt die Käfer-Jahresproduktionsstückzahl erstmals die Millionengrenze. Komenda sah, wie mit Hilfe seiner hoch akzeptierten Karosseriegestaltungen das deutsche Wirtschaftswunder und der steile Aufstieg des Porsche Konzerns gelang. Zeugen des Lebenswerks sind Konstruktionszeichnungen, Entwicklungsprotokolle und Patentanmeldungen sowie die leicht erkenn- und zuordenbaren, avantgardistischen Autoformen, die bis heute freudig die Herzen Automobilbegeisterter bewegen.

NameErwin Komenda

Geboren am06.04.1904

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortJauern a. Semmering (A).

Verstorben am22.08.1966

Todesort--