Biografie

Ernst Bloch

Der deutsche Philosoph übte das utopische Philosophieren aus; dabei verstand er die Utopie als ein Entwurf des Bewusstseins und in materialistischer Hinsicht als ein Vorschein in die Welt. In der Verbindung zwischen der realen Tendenz und dem Verborgenen in der Vorwegnahme liegt Blochs vielbeschworenes Prinzip Hoffnung als Möglichkeit, mit dem er sich in seinem gleichnamigen Hauptwerk befasst. Ernst Bloch war ein marxistischer Philosoph. In seinem 1963 erschienen Werk "Naturrecht und menschliche Würde" verbindet Bloch die frühen Prinzipien von Karl Marx mit aufklärerischen Vorstellungen zum Naturrecht. Er wurde durch seine marxistische Auffassung und seine philosophische Haltung zu einer bestimmenden Figur in der Studentenbewegung der sechziger Jahre. 1967 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Seine Werke sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden...
Ernst Bloch wurde als Sohn des jüdischen Beamten Max Bloch und seiner Frau Berta, geborene Feitel, am 8. Juli 1885 in Ludwigshafen geboren.

In der Zeit von 1905 bis 1908 studierte Ernst Bloch an den Universitäten München und Würzburg Philosophie, Physik, Germanistik und Musik. 1908 schloss er sein Studium mit Promotion zum Dr. phil der Philosophischen Fakultät an der Universität Würzburg ab. Im Anschluss daran arbeitete er in den Jahren von 1908 bis 1914 als Privatlehrer und Publizist in Berlin und Heidelberg. Dort schloss er sich dem bekannten Soziologen Max Weber an. 1913 verheiratete sich Bloch mit Else von Stritzky. Zwei Jahre später zog er nach Grünwald in die Nähe von München. Im gleichen Jahr äußerte er öffentlich seinen Unmut gegenüber der deutschen Politik im Ersten Weltkrieg. In der Zeit von 1917 bis 1919 offenbarte er seine pazifistische Haltung, indem er ins Schweizer Exil ging.

Im Jahr 1918 wurde eine seiner philosophischen Zentralarbeiten mit dem Titel "Geist der Philosophie" veröffentlicht. Darin beschäftigt sich Bloch mit der Humanität in der Gesellschaft. In den beiden Jahre 1919 und 1920 siedelte er nach Deutschland über und wurde in die Kommunistische Partei Deutschlands, die KPD aufgenommen. Er betätigte sich von 1920 bis 1933 als Publizist und hielt sich in dieser Zeit in Berlin, Südfrankreich, Italien, Paris und Nordafrika auf. Seine Ablehnung gegen die NSDAP, die Nationalsozialistische Arbeiterpartei, tat er öffentlich kund. 1922 kam sein Werk "Thomas Müntzer als Theologe der Revolution" auf den Markt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erfolgte die Ausbürgerung von Ernst Bloch.

Der Philosoph zog sich in die Schweiz zurück. Nachdem seine Frau 1921 gestorben war, heiratete er die jüdische Architektin Karola Piotrkowska. Aus dieser Verbindung ging ein Sohn hervor. Die Zeit von 1934 bis 1935 verbrachte Ernst Bloch in Paris. Er knüpfte Verbindungen zu der Gruppe um Hugo Ball, den Dramatiker und Mitbegründer des Dadaismus. In dieser Zeit beteiligte er sich an dem "Kongress der Antifaschisten" in Paris. Es folgte in den Jahren 1936 bis 1938 der Aufenthalt in der Tschechoslowakei. Dort veröffentlichte er Beiträge in der Zeitschrift "Die Neue Weltbühne". Nach dem Zustandekommen des Münchner Abkommens im Jahr 1938 setzte sich Bloch in die USA nach New York ab. Er verweilte dort bis zum Jahr 1948.

In dieser Zeit begann er die Arbeiten zu seinem Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung". Darin äußert Bloch seine hoffnungsvolle Sicht auf eine Welt, die nicht mehr bestimmt wird von der Entfremdungen des Menschen von Gesellschaft und Natur. In New York rief er im Jahr 1944 zusammen mit Bert Brecht, John Heartfield, Alfred Döblin, Heinrich Mann und Lion Feuchtwanger den Aurora-Verlag ins Leben. 1948 folgte er dem Ruf als Professor an die Universität Leipzig. Dort unterrichtete er Philosophie. Im Jahr darauf lehnte er einen Lehrstuhl an der Universität Frankfurt/Main ab. Ernst Blochs Schrift "Subjekt – Objekt" wurde im Jahr 1951 publiziert. In der Zeit von 1953 bis 1956 betätigte er sich als Herausgeber der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie". In diesem Medium veröffentlichte er auch seine Kritik an der DDR-Partei SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands.

Sein Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung" wurde in der Zeit von 1954 bis 1959 veröffentlicht. Der Philosoph wurde 1955 mit dem Nationalpreis der DDR geehrt. Zwei Jahre später erfolgte seine Entlassung aus dem Lehramt wegen seiner kritischen Äußerungen am DDR-Marxismus und der Niederschlagung des Aufstandes in Ungarn. Bloch blieb zusammen mit seiner Frau 1961 während einer Vortragsreise in Westdeutschland. Er wurde Professor für Philosophie an der Universität Tübingen. Im Jahr darauf wurde er aus der Akademie der Wissenschaften in Ostberlin ausgeschlossen. In seinem 1963 erschienen Werk "Naturrecht und menschliche Würde" verbindet Bloch die frühen Prinzipien von Karl Marx mit aufklärerischen Vorstellungen zum Naturrecht.

Im Jahr 1964 nahm Bloch den Kulturpreis des Deutschen Gewerkschaftsbundes entgegen. Zwei Jahre später kritisierte er öffentlich die kriegerische Einmischung der USA in den Vietnamkonflikt. Bloch wurde durch seine marxistische Auffassung und seine philosophische Haltung zu einer bestimmenden Figur in der Studentenbewegung der sechziger Jahre. 1967 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Im Jahr darauf erschien seine Schrift "Atheismus im Christentum". Zu seinen weiteren Ehrungen zählen unter anderem: 1969 wurde er Ehrendoktor der Universität Zagreb. Ein Jahr später wurde ihm die Ehrenbürgerschaft seiner Geburtsstadt Ludwigshafen angetragen.

Im Jahr 1975 wurde er Ehrendoktor der Pariser Sorbonne und der Universität Tübingen. Im gleichen Jahr wurde er zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste ernannt, und er nahm den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa entgegen. Zu seinen weiteren Veröffentlichungen zählen unter anderem: "Das Materialismusproblem" (1971), "Vom Hasard zur Katastrophe. Politische Aufsätze 1934 – 1939" (1972), und "Experimentum Mundi" (1975).

Ernst Bloch starb am 4. August 1977 in Tübingen.

Im Jahr 1978 wurden erstmals an der Universität Tübingen die "Ernst-Bloch-Tage" veranstaltet. Im Jahr darauf wurde in Tübingen das Ernst-Bloch-Archiv gegründet. 1984 stiftete die Stadt Tübingen den Ernst-Bloch-Preis. 1986 wurde in Ludwigshafen die Ernst-Bloch-Gesellschaft ins Leben gerufen. Und 1989 erfolgte die Rehabilitierung des Philosophen in der DDR.
1909
Kritische Erörterungen über Heinrich Rickert und das Problem der Erkenntnistheorie (Dissertation)

1918
Geist der Utopie

1921
Thomas Müntzer als Theologe der Revolution

1930
Spuren

1935
Erbschaft dieser Zeit

1947
Freiheit und Ordnung, Berlin

1949
Subjekt – Objekt

1949
Christian Thomasius

1949
Avicenna und die aristotelische Linke

1954-1959
Das Prinzip Hoffnung, 3 Bde.

1959
Spuren

1961
Naturrecht und menschliche Würde

1963
Tübinger Einleitung in die Philosophie

1968
Atheismus im Christentum

1970
Politische Messungen, Pestzeit

1971
Das Materialismusproblem, seine Geschichte und Substanz

1972
Vom Hasard zur Katastrophe. Politische Aufsätze 1934 – 1939

1975
Experimentum Mundi

NameErnst Bloch

Geboren am08.07.1885

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortLudwigshafen (D).

Verstorben am04.08.1977

TodesortTübingen (D).