Biografie

Erasmus von Rotterdam

Der holländische Philologe und Philosoph Erasmus Desiderius von Rotterdam war einer der bedeutendsten Repräsentanten des europäischen Humanismus. Er gilt als Vorreiter der Reformation, die er als Theologe durch seine kirchenkritische Haltung vorbereitete. Er war Verfechter einer ausgeprägten religiösen Toleranz. Als Schriftsteller machte sich Erasmus unter anderem durch seine Satireschrift "Encomion Moriae" (dt.: Lob der Torheit) aus dem Jahr 1511 einen Namen, in der er die Scholastik und kirchlichen Missstände kritisierte. Er war ein Universalgelehrter, der mit allen zeitgenössischen Persönlichkeiten in Verbindung stand. Sein überlieferter Briefwechsel ist in über 2.000 Schreiben dokumentiert...

Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche
Erasmus Desiderius von Rotterdam wurde als zweites Kind des Priesters Rotger Gerard wahrscheinlich am 28. Oktober 1466 in Rotterdam geboren.

Sein Geburtsdatum wird aber auch mit den Jahren 1465 und 1469 angegeben. Erasmus Desiderius von Rotterdam besuchte die Schulen in Gouda und Deventer. Darauf Absolvierte er zwischen 1486 und 1488 das Augustinerchorherrenstift Steyn bei Gouda. Dort beschäftigte er sich mit Schriften aus dem klassischen Altertum und mit der Patristik. 1492 wurde er zum Priester geweiht. Danach war er als Sekretär des Bischofs von Cambrai tätig. Von 1495 bis 1499 studierte er in Paris, England und Italien. Zu seinen Studienfächern gehörten Philosophie, spätscholastische Theologie, Griechisch und Hebräisch. In England machte Erasmus die Bekanntschaft mit dem englischen Lordkanzler, Staatstheoretiker und Humanist Sir Thomas Morus, mit dem er freundschaftlich verbunden blieb.

Im italienischen Turin wurde er zum Doktor der Theologie promoviert. 1500 entstand seine Sprichwörtersammlung "Adagiorum Collectanea". 1511 wurde seine berühmt gewordene Satireschrift "Encomion Moriae" (zu dt.: "Lob der Torheit") publiziert. Darin ironisiert Erasmus von Rotterdam über die engstirnige Denkweise der Scholastik und klagt kirchliche Missstände an. Ab 1514 hielt sich Erasmus von Rotterdam in Basel auf. Zwei Jahre später wurde er in Brüssel Hofrat des späteren Kaisers Karl V. Im gleichen Jahr entband ihn der Papst von seinem Gelübde als Augustinerchorherr. 1516 wurde Erasmus` erste Druckausgabe des Neuen Testaments in Griechisch veröffentlicht, der er die lutherische Bibelübersetzung zugrunde gelegt hatte. In seiner Bearbeitung folgte er philologisch-kritischen Methoden. Das Werk übte maßgeblichen Einfluss auf die Reformatoren aus.

Seine Herausgebertätigkeit umfasste weitere klassische Texte. Erasmus von Rotterdam stand der platonischen Akademie in Florenz nahe. 1529 verließ Erasmus das reformierte Basel und zog nach Freiburg im Breisgau, das katholisch geblieben war. Erasmus von Rotterdam zeichnete sich als bedeutender europäischer Humanist aus. Er nahm eine kirchenkritische Haltung ein und stand der scholastischen Theologie skeptisch gegenüber, so dass er als Wegbereiter der Reformation gilt. Dennoch bewies er in dieser Auseinandersetzung Distanz zu den Parteien, indem er für eine religiöse Toleranz eintrat und eine vermittelnde Position einnahm. Er war ein Universalgelehrter, der mit allen zeitgenössischen Persönlichkeiten in Verbindung stand.

Sein überlieferter Briefwechsel ist in über 2.000 Schreiben dokumentiert. Erasmus von Rotterdam war darüber hinaus ein glänzender lateinischer Stilist. Er trat für ein "reines Evangelium" als "universale Offenbarung" ein. Auf diese Weise begründete er den theologischen Rationalismus, durch den er Christentum und antike Klassik in einer Synthese zu vereinigen suchte. Trat Erasmus zunächst für Martin Luthers reformatorische Ideen ein, so kam es später zu einer Entzweiung zwischen den beiden Theologen. Der Niederländer warf Luther eine maßlose Verallgemeinerung seiner eigenen Ideen vor. Ein weiterer Streitpunkt war die Willensfreiheit des Menschen. Mit der Veröffentlichung von Erasmus' Streitschrift "De libero arbitrio" (zu dt.: Vom freien Willen) im Jahr 1524 löste sich die Verbindung zwischen humanistischen Ideen und Reformationsbewegung auf.

Damit war auch die endgültige Trennung zwischen Luther und Erasmus von Rotterdam vollzogen, die durch Luthers Kampfschrift "De captivitate Babylonica Ecclesiae" (1520) und seinem Auftreten auf dem Reichstag zu Worms im April 1521 ausgelöst worden war. Auf die Streitschrift "De libero arbitrio" antwortete Martin Luther seinerseits mit dem Titel "De servo arbitrio" (1525). Die Verbindung zwischen Humanismus und Reformation fußte bei Erasmus von Rotterdam auf dem Christentum als ethisch-religiösem Ideal. Sein Anliegen einer Wiederherstellung des ursprünglichen Christentums führte ihn zur Besinnung auf dessen Wurzeln.

Erasmus Desiderius von Rotterdam starb am 12. Juli 1536 in Basel an einer Typhus-Erkrankung.


Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche

NameErasmus Desiderius

AliasErasmus von Rotterdam

Geboren am28.10.1466

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortRotterdam

Verstorben am12.07.1536

TodesortBasel