Biografie

Elias Canetti

Dem in Bulgarien geborenen Schriftsteller, ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur, gelang mit dem Titel "Die Blendung" (1935) ein großer Roman, in dem die dämonischen Einflüsse der Großstadt und der "Masse" geschildert werden. Das Phänomen der Großstadt und Masse, das er oftmals parabelartig verarbeitete, beschäftigte Elias Canetti in zahlreichen seiner Werke. In der Hauptsache verfasste er Dramen, aber auch Aphorismen. Canettis dramatische Schauspiele thematisieren Herrschaft, Tod und Angst in einer grotesken Überzeichnung. Sie stehen für eine Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft und ihrer Phänomene...
Elias Canetti wurde am 25. Juli 1905 als Sohn des Kaufmanns Jacques Canetti und dessen Frau Mathilde im bulgarischen Rustschuk geboren.

Canetti verbrachte eine unruhige Kinderzeit, die von mehreren Umzügen bestimmt war. 1911 zog die Familie nach Manchester. Nach dem Tod des Vaters ging die Mutter mit ihren drei Kindern 1912 über Lausanne nach Wien. 1916 siedelten sie nach Zürich und 1921 nach Frankfurt/M um. Canetti lernte erst mit sieben Jahren die deutsche Sprache, in der er zeit seines Lebens schrieb. In Frankfurt absolvierte er 1924 das Abitur und studierte dann in Wien Chemie. Doch er besuchte auch Vorlesungen von Karl Kraus, der zu seinem literarischen Vorbild wurde. Bereits 1925 beschäftigte sich Canetti das erste Mal mit dem sozial-psychologischen Phänomen der Massen, das später zahlreiche seiner Werke thematisch prägte und mit dem er sich sein ganzes Leben abgab.

Bei einem Besuch in Berlin Ende der zwanziger Jahre traf er auf Berthold Brecht, Isaak Babel und Georg Grosz. Während der Semesterferien arbeitete er als Übersetzer. 1929 promovierte Elias Canetti zum Doktor phil. rer. nat. Danach lebte er als freier Schriftsteller in Wien und heiratete 1934 Veza Taubner-Calderon. In der Donaumetropole hatte Canetti gute Kontakte zu führenden kulturellen Kreisen und begegnete dort unter anderem Franz Werfel, Robert Musil oder Hermann Broch. 1930 entwarf er das Konzept zu dem Werk "Comédie Humaine an Irren", in dem grotesk überzeichnete Typen geschildert werden sollten. Daraus sollte ein Zyklus von insgesamt acht Büchern entstehen.

Letztlich ist daraus 1932 sein Roman "Die Blendung" entstanden, der aber erst 1935 veröffentlicht wurde. Das Werk entwickelte sich zu einem großen Erfolg für Canetti, das in fast alle europäische Sprachen übersetzt wurde. Es blieb sein einziger Roman. Darin beschreibt er das Phänomen der Großstadt und Masse als dämonisches Ereignis und den Abwehrkampf des Privatgelehrten Dr. Kien. Es ist der Kampf zwischen Geist und Wirklichkeit als Vision und Parabel auf die kommende NS-Zeit. Dafür steht unter anderem die Verbrennung der Bibliothek, die der Privatgelehrte selbst anzündet, als Vernichtung der Kultur, die das Buch in grotesker Weise schildert. Auffallend daran sind die pointierten Darstellungen der Zeittypen. 1931 schrieb er sein erstes Drama "Hochzeit".

Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 emigrierte das Ehepaar Canetti über Paris nach London. In Frankreich wurde Canetti 1949 mit dem "Prix International" ausgezeichnet. 1952 entstand das Drama "Die Befristeten". 1954 trat er eine Reise nach Marrakesch an, um ein Filmteam zu begleiten. Über seine Erlebnisse und Eindrücke berichtet er in dem Werk "Die Stimmen von Marrakesch. Aufzeichnungen einer Reise". 1956 wurde das Drama "Die Befristeten" im Playhouse Oxford uraufgeführt. Darin befasst sich der Autor mit dem Thema Macht des Todes. In der "Komödie der Eitelkeit" (1950) hält der Dramatiker seinem Publikum einen Zerrspiegel vor, um – wie auch in späteren Stücken – in grotesker Weise gesellschaftliche und menschliche Schwächen öffentlich deutlich zu machen.

Im Jahr 1960 wurde sein theoretisches Hauptwerk , der Essay "Masse und Macht" fertig, in dem sich Canetti mit der Beziehung zwischen Mensch und Gesellschaft unter Berücksichtigung psychologischer und ethnographischer Fragen auseinandersetzt. Er beschreibt darin in "Masse und Macht" die Gefährdung des Individuums und den Verlust der Persönlichkeit durch die Massenbewegung, wobei er auch auf die Nationalsozialisten abhebt. Er hatte daran rund 20 Jahre lang gearbeitet. Seine unkonventionelle Auffassung über die Ehe wurde 1965 bei der Uraufführung seines Satirestücks "Hochzeit" am Braunschweiger Staatstheater als Skandal empfunden. Auch in diesem Schauspiel beschreibt er parabelartig den mörderischen Untergang durch kleinbürgerliche Lüge und Gier, das somit in der Traditionslinie von Georg Büchners Drama "Woyzeck" anschließt.

Im Jahr 1969 wurde der Essay "Der andere Prozeß. Kafkas Briefe an Felice" veröffentlicht. Weitere Werke mit sozialphilosophischen Themen wurden zum Teil als Aphorismen mit biografischen Notizen niedergelegt wie zum Beispiel in "Die Provinz des Menschen. Aufzeichnungen 1942-1972" (1973), "Das Geheimherz der Uhr. Aufzeichnungen 1973-1985" (1987), "Die Fliegenpein. Aufzeichnungen" (1991) oder "Nachträge aus Hamstead. Aufzeichnungen 1954-1971" (1994). Nach dem Tod seiner ersten Frau 1963 heiratete Canetti Hera Buscher im Jahr 1971. Sie haben zusammen ein Kind. 1972 wurde Canetti mit Deutschlands höchster Literaturauszeichnung, dem Büchner-Preis geehrt. Seine gesammelten Essays wurden 1975 mit dem Titel "Das Gewissen der Worte" veröffentlicht.

Zwei Jahre später folgte der erste Band seiner Autobiographie "Die gerettete Zunge. Geschichte einer Jugend", 1980 folgte dann der zweite Band “Die Fackel im Ohr". Das Jahr darauf wurde Elias Canetti mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. 1983 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Canettis dramatische Schauspiele thematisieren Herrschaft, Tod und Angst in einer grotesken Überzeichnung. Sie stehen für eine Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft und ihrer Phänomene.

Elias Canetti starb am 14. August 1994 in Zürich.

NameElias Canetti

Geboren am25.07.1905

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortRustschuk (BG).

Verstorben am14.08.1994

TodesortZürich (CH).