Biografie

Christian Rohlfs

Der Maler und Grafiker war einer der wichtigsten deutschen Künstler des Expressionismus. Zu seinen anfänglichen Motiven gehören Landschaftsbilder in impressionistischer Manier. Über den Stil des Luminarismus und Neoimpressionismus gelangte Christian Rohlfs zum Expressionismus, den er aber in lyrischer Weise individuell gestaltete. Doch Rohlfs war ein Expressionist eigener Prägung, der seine Malweise und die Bildkomposition lyrisch ausgestaltete. Neben Landschaftsdarstellungen wählte Christian Rohlfs auch Motive aus Architektur und Religion. Später löste sich die Gegenständlichkeit seiner Inhalte auf – bis hin zu einer abstrakten Tendenz...
Christian Rohlfs wurde am 22. November 1849 in Niendorf als Sohn eines Landwirts geboren.

Im Jahr 1864 wurde dem fünfzehnjährigen Christian Rohlfs durch eine schlechte Wiederherstellung einer Sturzverletzung am Knie das Bein amputiert. In den Jahren von 1870 bis 1884 studierte Christian Rohlfs an der Weimarer Kunstschule, wo er auch später lehrte. 1873 hatte er wegen dieser Amputationen einen längeren Klinikaufenthalt und musste sein Studium unterbrechen. Bis zum Jahr 1904 unterhielt er noch ein Freiatelier an der Akademie. In seiner Weimarer Zeit war er ein beachteter Historien- und Genremaler, der sich am Stil des Naturalismus orientierte. Der belgische Architekt Henry van de Velde vermittelte Rohlfs die Bekanntschaft mit dem Industriellen und Sammler Karl-Ernst Osthaus, der damals gerade das Museum Folkwang in Hagen aufbaute.

Christian Rohlfs wurde an das Museum und siedelte im Jahr 1901 nach Hagen über. Dort wandte er sich in seinen Landschaftsbildern der impressionistischen Ausdruckskraft zu. Davon zeugen beispielsweise Werke mit Titeln wie "Märzmorgen an der Ilm" aus dem Jahr 1884, "Weg nach Gelmeroda" aus dem Jahr 1893 oder "Sternbrücke in Weimar" aus dem Jahr 1887. In Hagen studierte er das Schaffen von Vincent van Gogh und Paul Gaugin, und er befasste sich mit der Technik des Pointillismus. Rohlfs suchte in der Farbe nach einer eigenen Ausdruckskraft, wie beispielsweise das Bild "Der blaue Berg" aus dem Jahr 1912 zeigt. 1900 wurde er Mitglied der "Berliner Secession". Monateweise hielt er sich in den beiden Jahren 1905 und 1906 in Soest auf. Von den Motiven aus dieser Zeit zehrte der Künstler später noch. In Soest begegnete er dem expressionistischen Maler und Grafiker Emil Nolde, der ihn zur Aufgabe des Impressionismus inspirierte.

Ab dem Jahr 1908 wandte sich der Künstler der Technik der Druckgrafik und dabei besonders dem Holz- und Linolschnitt zu. Für Rohlfs war die druckgrafische Technik kein Verfahren zur Serienproduktion. Als Ausdruck dieser Haltung färbte er zu jedem Abzug den Druckstock neu ein. Auf diese Weise entstand zum Beispiel der Holzschnitt "Singvogel" aus dem Jahr 1922 in verschiedenen Ausführungen mit unterschiedlichen Druckfarben und Übermalungen von Christian Rohlfs. In der Zeit von 1910 bis 1926 konzentrierte sich Rohlfs auf religiöse Motive wie zum Beispiel in den im Jahr 1916 angefertigten Werken "Der verlorene Sohn bei den Dirnen" oder die "Auferstehung". 1918 entstand das Architekturbild "Kirche in Soest" und ein Jahr später das Blumenbild "Rote Tulpe". 1921 entstand das Bild mit dem Titel "Türme von Soest", das zu den Architekturbildern von Rohlfs zählt und von Farbformen und Linien geprägt ist.

Ab dem Jahr 1916 begann der Künstler mit Aquarell- und Wassertemperafarben zu malen. Ab dem Jahr 1926 gehören seine Bilder zum Alterswerk, das durch die Motive von Blumen und Landschaften gekennzeichnet ist. Tiefbraune, gelbe und blaue Tönen dominieren es. Vor allen Dingen die Landschaft und die Natur von Ascona inspirierten ihn zu dieser Motivik. Die Nationalsozialisten stuften Christian Rohlfs und seine Werke als entartet ein, er erhielt in Deutschland Ausstellungsverbot. Das Nazi-Regime beschlagnahmte zahlreiche seiner Werke aus Museen und aus anderem öffentlichen Besitz. Der Künstler wurde aus der Preußischen Akademie der Künste in Berlin ausgeschlossen. Christian Rohlfs entwickelte sich vom Landschaftsmaler im Freilicht zu einem Maler mit einer vielfältigen Motivik.

Seine Merkmale der vereinfachten Formen und einer starken und flächigen Farbgebung machen ihn zum Expressionisten. Doch Rohlfs war ein Expressionist eigener Prägung, der seine Malweise und die Bildkomposition lyrisch ausgestaltete.

Christian Rohlfs starb am 8. Januar 1938 in Hagen.
Titel ausgewählter Werke


1887:
Sternbrücke in Weimar

1888:
Der Wilde Graben neben der Chaussee Webicht bei Weimar (Öl auf Leinwand, 59 x 76,5 cm)

1889:
Straße in Weimar

1889:
Waldweg im Winter

1889:
Chaussee nach Tiefurt im Webicht bei Weimar

1893:
Weg nach Gelmeroda

1897:
Wiesenabhang (Öl auf Leinwand, 65 cm x 85 cm)

1898:
Weimarer Graben (Öl auf Rupfen, 60,5 x 78,5 cm)

1899:
Baumlandschaft vor Stadtsilhouette (Pastell auf Zeichenpapier, 23 x 29,4 cm)

1899:
Landschaft an der Lübecker Bucht (Pastell und Kreide auf Pappe, 31,3 x 34 cm)

1902:
Weizenfeld (Öl auf Leinwand, 50 x 78 cm)

1903:
Sonnenblumen (im Stil Vincent van Goghs)

1904:
Porträt eines Mannes (Öl auf Leinwand, 61 x 49 cm)

1905:
Bauernhaus in Soest (skizzenhaftes Aquarell)

1906:
St. Patrokli in Soest (Öl/Lwd., 115 x 75 cm, Folkwang Essen)

1906:
Männlicher Rückenakt (Tuschpinsel u. Aquarell, 61,8 x 46,2 cm)

1907:
Birkenwald (Öl auf Leinwand, 110 x 75 cm)

1907:
Kornfeld

1910:
Die Heiligen drei Könige (Holzschnitt, 39,1 x 26,4 cm)

1910:
Herbstwald (Öl auf Leinwand, 60,8 x 98,8 cm)

1910:
Traubenesser (Öl auf Leinwand, 64,5 x 50,4 cm)

1911:
Straße in Soest (Linolschnitt, 39,7 x 29,3 cm)

1911:
Mädchenkopf (Holzschnitt, in Weiß und Schwarz überarbeitet, 31,8 x 26,0 cm)

1911:
Wettersteingebirge (Öl auf Leinwand, 50 x 80 cm)

1912:
Amazone, reitend mit dahinjagendem Hund

1912:
Der blaue Berg

1912:
Elias in der Wüste (Holzschnitt, 14,4 x 11,8 cm)

1912:
Gespräch zwischen zwei Clowns (Tempera auf Papier, 61 x 80 cm)

1912:
Katze und Maus (Farblinolschnitt, 18 x 39,1 cm)

1912:
Rote Dächer (Tempera, 48,0 x 64,0 cm)

1912:
Haus mit rotem Dach (Öl auf Leinwand 80 x 100 cm)

1912:
Visionäre Landschaft (Öl auf Leinwand, 60 x 105 cm)

1913:
Beratung (Aquarellierter Holzschnitt, 58,3 x 48,0 cm)

1913:
Die Froschprinzessin (Öl auf Leinwand)

1913:
Zwei Tanzende oder Tanzendes Paar (Linolschnitt auf Papier, 31,3 x 28,9 cm)

1914:
Rückkehr des verlorenen Sohnes (Tempera auf Leinwand)

1914:
Versuchung Christi (Öl auf Leinwand, 100,5 x 60,5 cm)

1915:
Austreibung aus dem Paradies (Farbholzschnitt, 13 x 39,2 cm)

1916:
Auferstehung

1916:
Der verlorene Sohn bei den Dirnen

1916:
Die Akrobaten

1916:
Tänzerin (Farbholzschnitt, 22 x 37 cm)

1916:
Gethsemane (Holzschnitt auf Leinen, 32,0 x 26,8 cm)

1916:
Rückkehr des verlorenen Sohnes (Holzschnitt, 50,2 x 36,4 cm)

1917:
Der Prophet (Öl auf Leinwand, 100,5 x 61,5 cm)

1918:
Blumenstilleben und blaue Schale (Wassertempera, 55,7 x 38,4 cm)

1918:
Der Gefangene (Farbholzschnitt)

1918:
Gauner (Tempera auf Leinwand, 100 x 61 cm)

1918:
Gewitter (Tempera und Öl auf Leinwand, 79,5 x 86,5 cm)

1919:
Azaleentopf und Vase (Tempera und Kohlezeichnung, 52,4 x 42,5 cm)

1919:
Zirkusreiterin (Tempera auf Papier, 67 x 49 cm)

1920:
Berg mit Gebüsch (Aquarell und Tuschfederzeichnung, 35,8 x 49,7 cm)

1920:
Frauenschuh mit roter Calla im Glas (Tempera auf strukturiertem Karton. 50 x 67,5 cm)

1920:
Sonnenblumen (Tempera, 56 x 39,5 cm)

1920:
Kartoffelesser (Wassertempera auf Papier, 65 x 48 cm), beendet 1921

1921:
Hagar in der Wüste (Öl auf Leinwand)

1921:
Herbstlandschaft (Tempera auf Papier, 50 x 68 cm)

1921:
Türme von Soest

1922:
Bildnis der Mutter

1922:
Boxer (Holzschnitt, 20,6 x 11,9 cm)

1922:
Singvogel (Holzschnitt)

1922:
Sommerfrische (Ölgemälde)

1923:
Gouache auf Papier (35,5 x 51 cm)

1923:
Prophet (Temperabild)

1924:
Amaryllis (Wassertempera, 70 x 51 cm)

1924:
Dom und Severikirche in Erfurt (Tempera auf Papier, 51,8 x 72,3 cm)

1925:
Alte mit Stecken (Farbiger Holzschnitt, 34,4 x 18,3 cm)

1925:
Mondänes Paar (Farblinolschnitt, 23,8 x 24,1 cm)

1925:
Rosen und Nelken (Tempera auf Leinwand, 76 x 100 cm)

1926:
Bäume an der Ostsee (Kreide auf Büttenpapier, 12,3 x 17,5 cm)

1926:
Rote Tulpen (Deckfarben, 71,3 x 51,3 cm)

1927:
Caritas (Wassertempera, 66,5 x 51,0 cm)

1927:
Große Magnolie (Farbige Kreide auf braunem Papier, 50 x 70 cm)

1928:
Bunter Tulpenstrauß (Temperabild)

1928:
Die Heiligen drei Könige

1929:
Der Prophet (Öl auf Leinwand)Sonnenblumen in blauer Vase

1931:
Der gelbe Berg (Wassertempera auf Bütten, 56,8 x 78,8 cm)

1931:
Russisches Volkslied Elegie V des Tatjana-Zyklus (Kreide)

1931:
Tanz mit Maske II Tatjana-Zyklus (Wassertempera und Kreide, 58,6 x 44,3 cm)

1932:
Früchte (Tempera auf Papier, 54,4 x 74,8 cm)

1932:
Haus in Losone (Tempera auf genarbtem Aquarellpapier, 66,0 x 48,0 cm)

1933:
Datura Japonica (Wassertempera und Kreide auf Papier)

1933:
Die Italienerin (Aquarell und Tempera auf Aquarellpapier, 72 x 50,9 cm)

1933:
Haus im Maggiatal (Wassertempera auf Papier)

1933:
Schwertlilien (Aquarell auf Aquarellpapier, 56 x 78cm)

1934:
Ascona See (Tempera auf Papier, 97,0 x 74,0 cm)

1934:
Berg im Schnee bei Lugano (Tempera auf Papier, 51,5 x 65,5 cm)

1934:
Rote Canna (Tempera auf Papier)

1935:
Mann mit Zylinder

1935:
Sonnenblumen

1936:
Abendlicht am Lago Maggiore

1936:
Castell von Locarno (Tempera auf Leinwand, 76 x 90 cm)

1936:
Funkienblüten vor dunklem Grund (Aquarell, 54,5 x 76,8 cm)

1936:
Weiße Wolke über dem See (Tempera auf Karton, 67 x 48 cm)

1937:
Anturie (Wassertempera, 67,5 x 48,7 cm)

1937:
Blasse Nebellandschaft (Wassertempera auf Papier, 39,2 x 57,8 cm)

1937:
Glühende Gewitterwolke (Tempera auf Bütten, 78,5 x 57,8 cm)

1937:
Magnolie von San Materno (Wassertempera und Kreide, 79,0 x 57,5 cm)

1937:
Rote Amaryllis auf blau

1937:
Sonnenblume mit Krug (Wassertempera und Kreide auf Büttenpapier, 61 x 50 cm)

1938:
Letzte Chrysanthemen (unvollendet)

NameChristian Rohlfs

Geboren am22.11.1849

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortNiendorf (D).

Verstorben am08.01.1938

TodesortHagen (D).

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