Biografie

Carl Sternheim

Der Schriftsteller hat in seinen Werken ironisch auf die Moral der Wilhelminischen Bürgergesellschaft geblickt. Dabei setzt Carl Sternheim durch sprachliche Reduktion seine Sprachkritik ein, um die gängigen bürgerlichen Phrasen zu entlarven. Neben Erzählungen schuf Carl Sternheim auch Bearbeitungen von Fremdstücken wie zum Beispiel von Denis Diderot. Mit seinen dramatischen Werken schuf der Schriftsteller bedeutende Beiträge zum deutschen Satiredrama...
Carl Sternheim wurde am 1. April 1878 als Sohn eines jüdischen Bankiers und Zeitungsverlegers in Leipzig geboren.

Sternheim absolvierte im Jahr 1897 das Abitur. Mit 19 Jahren ließ er sich protestantisch taufen. Danach begann er Rechts- und Staatswissenschaft, Philosophie sowie Literatur- und Kunstgeschichte in München, Göttingen, Jena und auf anderen Universitäten zu studieren. Das Studium blieb ohne Abschluss. 1900 heiratete er Eugenie Hauth. 1903 zog er nach Weimar. Dort arbeitete er als hauptberuflicher Schriftsteller. Drei Jahre später verließ er Weimar und siedelte nach München über. Nach seiner Scheidung heiratete er im Jahr 1907 Thea Löwenstein. Diese Verbindung ermöglichte ihm ein großzügiges Leben.

Sternheim begann eine Kunstsammlung, unter der sich Exponate von Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Pablo Picasso oder Henri Matisse befanden. Das neu erbaute Wohndomizil, das Schlösschen "Bellemaison" in einem Park vor München, wurde zum Treffpunkt von Künstlern und Schriftstellern wie Max Reinhardt oder Frank Wedekind. Ab dem Jahr 1908 war Carl Sternheim für ein Jahr lang in München Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Hyperion". Sternheim machte die Bekanntschaft des Verlegers Franz Pfemfert und somit auch der Expressionisten Carl Einstein und Gottfried Benn.

Aus ihren Werken holte er sich Anregungen, die er zu seinem eigenen grotesk-satirischen Stil verarbeitete. In Pfemferts Zeitschrift "Die Aktion" veröffentlichte der Schriftsteller zeitweise seine Beiträge. 1912 siedelte er nach Brüssel über. Bis zum Jahr 1918 wurden viele seiner Stücke mit der Begründung der "Gefährdung der öffentlichen Sittlichkeit" zensiert. In dieser Zeit widmete er sich der Bearbeitung fremder Werke für das Theater wie zum Beispiel von Friedrich Maximilian Klinger, Denis Diderot oder Molière. Auch schrieb er verstärkt Erzählprosa wie beispielsweise den Titel "Europa" von 1919/1920.

Im Jahr 1933 im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden seine Werke verboten. Sternheim fasste seine frühen Werke aus Erzählungen und Dramen zu je zwei Zyklen zusammen. Dabei hatte er mit dem ironischen Komödientitel "Aus dem bürgerlichen Heldenleben" großen Erfolg. Der Band vereint die sechs Stücke "Die Hose" (1911), "Die Kassette" (1912), "Bürger Schippel" (1913), "Der Snob" (1914), "1913" (1915) und "Das Fossil" (1925). In den Komödien wendet sich Sternheim gegen die Wilhelminische Bürgergesellschaft, deren engstirniges Gebaren und Spießbürgertum er darin ironisch entlarvt.

Seine gesellschaftskritische Position wird durch die sprachkritische Haltung verstärkt. Sternheim setzte zunehmend die sprachliche Reduktion und Verknappung als Sprachspiel ein und machte somit das bürgerliche Phrasengetue erkennbar. In dieser Haltung vermied der Schriftsteller auch die Anwendung von Metaphern. Nach 1933 wurde dieser Titel verboten. Auch in anderen Werken wie "Tabula rasa" (1916) oder "Der Nebbich" (1922) hielt er seine sprachkritische Perspektive aufrecht. Dies trifft auch für sein Erzählwerk zu. Die Einzelwerke wurden größtenteils unter dem Titel "Chronik von des zwanzigsten Jahrhunderts Beginn" zusammengefasst.

Mit seinem expressionistischen Ausdruck avancierte er zu einem der wichtigsten Satiriker des Wilhelminischen Literaturbetriebs. 1915 lehnte er den mit dem Fontane-Preis ausgelobten Geldpreis ab, den er an Franz Kafka abtrat. 1927 wurde die Ehe mit Theo Löwenstein geschieden. Drei Jahre später heiratete er die Tochter von Frank Wedekind, Pamela Wedekind, von der er sich im Jahr 1934 wieder scheiden ließ. In den zwanziger Jahren verfasste Sternheim politische und kulturkritische Essays und Streitschriften wie zum Beispiel der Titel "Die Aktion" und andere, die sich zum Tagesgeschehen äußern. Darin griff er die kapitalistische und Massengesellschaft als zerstörerisches Element an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren der Schriftsteller Carl Sternheim und seine Werke fast vergessen. Erst in den sechziger Jahren wurden Sternheims Stücke wieder vermehrt in deutschen Theatern gespielt. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem die Titel "Der Heiland" (1898), "Auf Krugdorf" (1902), "Ulrich und Brigitte" (1907), "Der Stänker" (1917), "Berlin oder Juste milieu" (1920), "Tasso oder Kunst des Juste milieu" (1921), "Oscar Wilde" (1926), "John Pierpont Morgan"(1930) oder die Autobiografie "Vorkriegseuropa im Gleichnis meines Lebens" (1936).

Carl Sternheim starb am 3. November 1942 in Brüssel.

NameCarl Sternheim

Geboren am01.04.1878

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortLeipzig (D).

Verstorben am03.11.1942

TodesortBrüssel (B).