Biografie

Arvid Harnack

Der Jurist und Wirtschaftswissenschaftler gehörte während des nationalsozialistischen Regimes zu dem Kreis der Widerstandkämpfer in Berlin. Noch vor Hitlers Machtergreifung diskutierte Arvid Harnack mit Gleichgesinnten und setzte sich mit nationalsozialistischem Gedankengut auseinander. Er suchte nach wirtschaftlichen und politischen Perspektiven für die Zeit nach dem Sturz des NS-Regimes. Harnack gehörte zusammen mit Harro Schulze-Boysen zu den führenden Figuren der Berliner Widerstandbewegung, die ein weitverzweigtes Netz ausbaute. Darin fanden sich Personen unterschiedlicher sozialer Stände und politischer Meinungen wieder...
Arvid Harnack wurde als Sohn des Professors für Literaturgeschichte Otto Harnack am 24. Mai 1901 in Darmstadt geboren.

Harnack ist der Neffe des bekannten Theologen und Kirchenhistorikers Adolf von Harnack. In der Zeit um 1918/18 schloss Arvid Harnack die Schule wegen des Ersten Weltkriegs mit dem Notabitur ab. 1918 schloss er sich einem Freikorps an. Er begann an den Universitäten Jena, Graz und Hamburg Rechtwissenschaften zu studieren. 1923 bestand er das Erste Staatsexamen. 1924 promovierte er zum Dr. jur. Harnack erhielt ein Rockefeller Stipendium und studierte in Madison im US-Bundesstaat Wisconsin Nationalökonomie. 1926 heiratete er Mildred Fish, eine Dozentin für Literatur. Nach Deutschland zurückgekehrt, studierte er ab dem Jahr 1929 an der Universität Gießen weiter.

Im Jahr darauf promovierte er zum Dr. phil. Seine Dissertationsarbeit trägt den Titel "Die vormarxistische Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten". 1931 rief er zusammen mit dem Hochschullehrer Friedrich Lenz die "Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft" (kurz: Arplan) ins Leben. Harnack verstand die Einrichtung als Beitrag zu einer wirtschaftlichen und geistigen Verbindung zwischen Ost und West. Er wurde auch ihr Erster Sekretär. 1932 führte er eine Studienreise in die Sowjetunion durch, an der sich renommierte Wissenschaftler beteiligten. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde die "Arbeitsgemeinschaft zum Studium der sowjetischen Planwirtschaft" verboten.

Im gleichen Jahr schloss Harnack sein Jura-Studium mit dem Assessor-Examen in Jena ab. Er fand eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Reichswirtschaftsministerium in Berlin. Arvid Harnack sammelte eine Gruppe um sich, zu der unter anderem seine Frau und Adam Kuckhoff gehörten, die die Perspektive in politischer und ökonomischer Hinsicht nach dem Ende des NS-Regimes diskutierte. Ab dem Jahr 1935 war Harnack zusätzlich als Dozent für Außenpolitik an der Universität in Berlin tätig. Im Jahr darauf hatte er Kontakte zur sowjetischen und amerikanischen Botschaft. 1937 trat er in die Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) ein, um nach außen hin als konform zu erscheinen.

Ab dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kamen enge Kontakte zu dem Berliner Widerstandskämpfer Harro Schulze-Boysen und seiner Gruppe zustande. Aus der Zusammenarbeit der Berliner Widerstandskämpfer heraus wurden unter anderem illegale Flugblätter gegen das Hitler-Regime gedruckt, Funkkontakte zu sowjetischen Agenten gehalten oder Verfolgten zur Flucht verholfen. Die Gruppe wurde nach dem Auffliegen von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Abwehrsprache und aufgrund ihrer Kontakte zur Sowjetunion als ein Berliner Ableger der "Roten Kapelle" bezeichnet. 1940 hatte Harnack Kontakt mit einem Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes.

Im gleichen Jahr entstand eine Verbindung zwischen Harnack und der kommunistischen Widerstandsgruppe in Berlin um Walter Husemann. Im Jahr darauf war Arvid Harnack für das illegale Blatt "Die innere Front. Kampfblatt für ein neues freies Deutschland" tätig. Kurz bevor der Überfall auf die Sowjetunion im Jahr 1941 begann, reichten Harnack und Schulze-Boysen bedeutende Informationen zu der Militäraktion an die Sowjetunion weiter. 1942 wurde Arvid Harnack Oberregierungsrat. Im gleichen Jahr erschien seine Studie mit dem Titel: "Das nationalsozialistische Stadium des Monokapitalismus" im Untergrund. Ein Funkspruch wurde von der Spionageabwehr dechiffriert, in dem die Namen und Adressen von Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen vorkamen.

Die beiden Widerstandskämpfer waren damit entdeckt, und sie wurden überwacht. Anfang September des Jahres 1942 wurden Arvid Harnack und seine Frau verhaftet. Beide wurden vor dem Reichskriegsgericht angeklagt. Nach vier Tagen wurde das Todesurteil für Arvid Harnack wegen "Vorbereitung zum Hochverrat, Feindbegünstigung und Spionage" ausgesprochen. Arvid Harnack wurde am 22. Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee von der Gestapo gefoltert und dann durch den Strang hingerichtet. Seine Frau wurde zunächst vom Gericht zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Adolf Hitler hob das Urteil auf. Eine weitere Verhandlung endete ebenfalls mit dem Todesurteil für Mildred Fish, die Frau von Arvid Harnack.

NameArvid Harnack

Geboren am24.05.1901

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortDarmstadt (D).

Verstorben am22.12.1942

TodesortBerlin (D).