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Oscar Ribeiro de Almeida de Niemeyer Soares wurde am 15. Dezember des Jahres 1907 in Rio de Janeiro geboren.
Noch während seines Studiums entwarf Oscar Ribeiro de Almeida de Niemeyer Soares im Jahr 1936 ein bedeutendes Objekt seines frühen Schaffens, nämlich das Gebäude für das Ministerium für Erziehung und Gesundheit. Er arbeitete daran nach einer Vorlage des bedeutsamen französischen Architekten, Malers und Designers Le Corbusier (Charles Edouard Jeanneret-Gris) im Büro von Lúcio Costa, mit dem er später zusammen am Bau der neuen Hauptstadt Brasiliens arbeiten sollte.
Das öffentliche Gebäude wurde als ein gelungenes Werk im Internationalen Stil gelobt. Zu diesem Projekt realisierte Niemeyer einen strengen, rationalistischen Stil, von dem er sich später löste und einem avantgardistischen Formenausdruck mit fließenden Linien und geometrisch-organischen Körpern Platz machte. Nach seinem Studienabschluss folgte im Jahr 1940 beispielsweise der Entwurf zu einem markanten Gebäudeensemble aus Kirche, Casino und Klubhaus in Belo Horizonte, mit dem Niemeyer eine explizite Verbindung zur landschaftlichen Umgebung herstellte.
Das Copan-Gebäude mit seiner schwungvollen Gestaltung und dem horizontalen Sonnenschutz in der größten Wirtschaftsmetropole Südamerikas, in Sao Paulo, geht gleichfalls auf die Pläne von Niemeyer 1950 zurück. Niemeyer wurde zu einem Gestalter der modernen Architektur in Brasilien. Er bevorzugt nicht nur den Sichtbeton, sondern auch organische Formen mit ihren Rundungen und Bögen – rechteckige Winkel lehnt er ab.
Im Jahr 1957 wurde Niemeyer durch den brasilianischen Staatspräsidenten Kubitschek in die Organisation Nova Cap zur Gründung der neuen Hauptstadt als Chefarchitekt berufen. Niemeyer kam die Aufgabe der künstlerischen Führung zu. Er war mit der Erstellung der neuen brasilianischen Hauptstadt Brasilia an einem Jahrhundertprojekt beteiligt. In der Hochebene von Planalto sollte in 1.000 Tagen eine neue Metropole des Landes als Zukunftssymbol entstehen.
Diesbezüglich konnte sich Lúcio Costa in einem Wettbewerb für diese Aufgabe qualifizieren, woraus sich dann die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen ihm und Niemeyer entwickelte. Es entstand eine neue Hauptstadt am Reißbrett, die geprägt ist durch eine funktionale Unterteilung von einzelnen Bereichen wie Regierung, Verwaltung, Kultur und Freizeit. Niemeyer drückte Brasilia durch seinen eigenwilligen skulpturalen Architekturstil seinen unverwechselbaren Stempel auf.
Kurz nach der Fertigstellung dieses gigantischen Projektes im Jahr 1960 übernahm das Militär die Staatsgewalt. Der kommunistische Anhänger Niemeyer emigrierte nach Europa. In Paris entwarf er die Zentrale der kommunistischen Partei und das Kulturzentrum in Le Havre. Darüber hinaus wirkte Niemeyer auch in Berlin. Dort plante er für die Internationale Bauausstellung im Hansaviertel ein Wohngebäude mit acht Geschossen und einer Basis aus V-förmigen Stahlbetonstützen.
Zu seinen Auszeichnungen gehört unter anderem der Goldene Löwe, der ihm auf der Biennale in Venedig für sein Lebenswerk verliehen wurde. Niemeyer beabsichtigt mit seiner Architektur die Zusammenführung von Kunst und Gesellschaft. Noch immer vertritt er seine eigene Stilsprache in der Architektur und hat sich keinen Modeerscheinungen gebeugt oder einem Stilkonglomerat. Er gibt den Rundungen in der Baukunst den Vorzug, die sich für Niemeyer nicht nur in der weiblichen Gestalt, sondern auch in der Natur, wie zum Beispiel den Wolken oder Bergen Brasiliens wiederfinden.
Im Jahr 1983 wurde er Ehrenmitglied der Akademie der Künste der UdSSR. 1987 wurde Brasília von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 1988 erhielt Niemeyer den Pritzker-Preis für Architektur. 1995 wurde er mit der Ehrendoktorwürde der Universidade de São Paulo ausgezeichnet. 1996 ehrte man Niemeyer mit der Goldmedaille des Royal Institute of British Architects RIBA.
Indes gilt der 100-Jährige als Legende oder Übervater in der avantgardistischen Architektur. Seine gestalterische Handschrift zeichnet weit mehr als 500 Bauprojekte mit zumeist formaler Verspieltheit aus.
Die einflussreichsten Architekten und Designer des 20. Jhs. |
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