Biografie

Uwe Johnson

Der deutsche Schriftsteller wählte sich in seinem Werk hauptsächlich die Thematik des geteilten Deutschlands. Sie beherrscht nicht nur seinen letzten und größten Roman mit dem Titel "Jahrestage" (1970-1983), sondern auch auch Werke wie "Mutmassungen über Jakob" (1959) oder "Das dritte Buch über Achim" (1961). Uwe Johnson verwendet in seinen Werken eine komplexe Erzählstruktur, die er in einer meisterhaften Stilistik umsetzt. Der 1985 posthum veröffentlichte Roman "Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953" handelt von der gesellschaftlichen Realität in der DDR der 1950er Jahre...
Uwe Johnson wurde als Sohn eines Landwirts und späteren Angestellten des Greifswalder Tierschutzamtes in Kammin in Vorpommern am 20. Juli 1934 geboren.

In den beiden Jahren 1944 und 1945 besuchte Uwe Johnson ein NS-Internat in Köslin beziehungsweise Koscian in Pommern. Nach dem Kriegsende siedelte die Familie nach Mecklenburg über. Im Jahr 1946 starb der Vater in einem sowjetischen Internierungslager. Johnson besuchte die Oberschule in Gostrow und absolvierte sein Abitur. In der Zeit von 1952 bis 1956 studierte er Germanistik in Rostock und Leipzig. Unter anderem war er Schüler des Literaturhistorikers Hans Mayer. Da Johnson im Jahr 1954 aus der Freien Deutschen Jugend (FDJ) aus Protest ausgetreten war, wurde ihm eine Anstellung als Germanist im Staatsdienst verweigert.

Uwe Johnson beschäftigte sich in dieser Zeit mit Übersetzungen, Bearbeitungen und dem Schreiben seines ersten Romans mit dem Titel "Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. " Er legte eine Prosabearbeitung des Nibelungenliedes vor und die Übersetzung von "Israel Potter" des amerikanischen Erzählers Herman Melvilles. Johnsons erster Roman wurde von DDR-Verlagen und vom Suhrkamp-Verlag in Westdeutschland abgelehnt. Große Beachtung fand Johnsons 1959 veröffentlichter Roman "Mutmaßungen über Jakob", sein zweites Werk. Er handelt vom Leben im geteilten Deutschland und vom Kalten Krieg zwischen beiden deutschen Staaten.

Die Hauptperson ist der Eisenbahner Jakob Abs, der im Osten in Konflikte gerät und sich im Westen fremd fühlt. Der Roman weist eine komplexe Erzählstruktur auf, die der Autor mit erzählenden Segmenten ineinander und gegeneinander auf verschiedenen Zeitebenen zusammensetzt. Die Zusammenhänge erschließen sich für den Leser erst peu à peu. Im gleichen Jahr, 1959, siedelte Uwe Johnson in die Bundesrepublik über, da er dort bessere Möglichkeiten erkannte, um seine Werke zu publizieren. Immer wieder betonte er seine Verbundenheit mit der mecklenburgischen Heimat. Im Jahr darauf wurde der Schriftsteller mit dem Theodor-Fontane-Preis der Stadt Westberlin ausgezeichnet.

Im Jahr 1961 erschien sein Roman "Das dritte Buch über Achim", das sich an den Charakter des "Nouveau Romans" anlehnt. Johnson holte sich dazu Anregungen aus den Werken des US-amerikanischen Erzählers William Faulkner. Auch in diesem Stück geht es um die Teilung von Deutschland und die damit verbundenen gesellschaftlichen Zustände. Die Thematik bindet der Autor an einen Schriftsteller aus dem Westen, der die Biographie eines Radrennfahrers aus Leipzig zu schreiben plant. Neu im bisherigen Werk Johnsons ist dabei, dass es sich bei der Hauptperson um einen Westdeutschen handelt. 1962 hielt sich Johnson aufgrund eines Stipendiums in Rom auf. Zwei Jahre später wurden seine Erzählungen "Karsch und andere Prosa" publiziert.

Auch in seinem 1965 veröffentlichten Roman "Zwei Ansichten" dreht sich der Stoff um das geteilte Deutschland und die Folgen. So beschreibt das Stück die Flucht einer Krankenschwester aus Ostberlin in den Westen, die sie mit Unterstützung eines westdeutschen Journalisten durchführt. Hintergrund für diesen und seinen "Achim"-Roman sind historische Ereignisse wie der 17. Juni 1953, der Aufstand in Ungarn im Jahr 1956 oder der Mauerbau im Jahr 1961. In der Zeit von 1966 bis 1968 hielt sich Uwe Johnson in New York auf und arbeitete als Schulbuchlektor. Danach kehrte er wieder nach Berlin zurück. In dieser Zeit wurde sein vierbändiges Hauptwerk, der Roman "Jahrestage", veröffentlicht. Es ist die Geschichte der Gesine Cresspahl, in der ihr fiktives Leben verwoben wird mit Johnsons Erinnerungen an seine Zeit in Mecklenburg.

Es ist der letzte und größte Roman von Johnson. Die Erzählstruktur realisiert er in einzelnen Tagen eines ganzen Jahres vom 21. August 1967 bis zum 20. August 1968. Dabei nahm der Autor Tagesberichte aus der New York Times mit auf und Schilderung des fiktiven New Yorker Alltags der Hauptfigur, die er konfrontierte mit der persönlichen Geschichte. Das Werk fand großen öffentlichen Anklang. Es zeichnet sich nicht nur aus durch eine hohe Präzision der Schilderungen, sondern gleichfalls durch die Spannung zwischen Gegenwart und Vergangenheit. 1969 wurde Uwe Johnson Mitglied im PEN-Zentrum der Bundesrepublik und in der Akademie der Künste in Westberlin. Zwei Jahre später erhielt er Deutschlands renommiertesten Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis überreicht.

Im Jahr 1972 übernahm er die Vizepräsidentschaft der Westberliner Akademie der Künste. 1974 siedelte Johnson nach Sheerness on See auf der britischen Themse-Insel Sheppey. 1977 wurde er Mitglied der Akademie der Sprache in Darmstadt. Zwei Jahre darauf war er als Poetik-Dozent an der Frankfurter Universität tätig. Im gleichen Jahr erhielt er den Thomas-Mann-Preis. 1982 kam seine Erzählung "Skizze eines Verunglückten" heraus.

Uwe Johnson starb vermutlich in der Nacht vom 23. Februar auf den 24. Februar 1984 in Sheerness on Sea, England, an Herzversagen. Sein Leichnam wurde erst Wochen nach seinem Tod gefunden.

NameUwe Johnson

Geboren am20.07.1934

SternzeichenKrebs 22.06 - 22.07

GeburtsortCammin (h. Polen)

Verstorben am23.02.1984

TodesortSea (GB)..on.Sheerness