Biografie

Reiner Kunze

Der deutsche Schriftsteller und Regisseur wurde mit seinem Werk, das mit dem ironischen Titel "Die wunderbaren Jahre" (1976) anhebt, bekannt. Darin äußert er sich kritisch über das unmenschliche sozialistische Regierungssystem. Die Prosatexte sind in einer knappen und präzisen Form gehalten. Den gleichen epigrammatischen Stil realisiert er in seinen poetischen Arbeiten. Kunze geht es um den Graben zwischen Anspruch und Realität im sozialistischen System. Nach seiner Übersiedelung nach West-Deutschland (1977) propagierte er sein lebenslanges Credo von der Unabhängigkeit der Literatur...
Reiner Kunze wurde als Sohn eines Bergarbeiters und einer Heimarbeiterin im Erzgebirge in Oelsitz am 16. August 1933 geboren.

In der Zeit von 1949 bis 1951 war Kunze Schüler einer Aufbauklasse für Arbeiterkinder in Stollberg. 1949 wurde er Mitglied in der SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Nach dem Abitur studierte er in der Zeit von 1951 bis 1955 an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Philosophie und Journalistik. Unter anderem hörte er Vorlesungen bei Ernst Bloch. 1953 wurden seine ersten Gedichte in der Zeitschrift "Neue Deutsche Literatur" publiziert.

In der Zeit von 1955 bis 1959 war Kunze als wissenschaftlicher Assistent an der Leipziger Universität tätig und schrieb an seiner Promotionsarbeit. 1959 erschien sein erster Lyrikband unter dem Titel "Vögel über dem Tau". Im gleichen Jahr musste er die Universität verlassen wegen des Vorwurfs der Entpolitisierung von Studenten und Verbindungen zu staatsfeindlichen Gruppen. Dadurch brachte Reiner Kunze seine Promotion nicht zu Ende. In den Jahren von 1959 bis 1961 verdingte er sich als Hilfsarbeiter im Maschinenbau.

Im Jahr 1961 heiratete Reiner Kunze eine Ärztin aus der Tschechoslowakei. Ab dem Jahr 1962 ließ er sich als Berufsschriftsteller im thüringischen Greiz nieder. Die Gewaltanwendungen zur Auflösung des Prager Frühlings waren für ihn Anlass zum Austritt aus der SED. Kunze stand unter der Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit. Veröffentlichungen seiner Werke in der DDR werden immer schwieriger. 1969 erschien sein Gedichtband "sensible wege" in der Bundesrepublik. Ein Jahr später folgte das Kinderbuch "Der Löwe Leopold. Fast Märchen, fast Geschichte" sowie im Jahr 1972 der Lyrikband "zimmerlautstärke".

Trotz der Repressionen äußert Reiner Kunze in "sensible wege" seine Verbundenheit mit seiner Heimat, zu der aber auch eine kritische Haltung gehört. In "zimmerlautstärke" sprach der Dichter ein Hauptanliegen aus – Anspruch und Wirklichkeit der sozialistischen Regierungsform in der DDR. 1973 veröffentlichte Kunze sein Lyrikwerk "Brief mit blauem Siegel", wobei er aber die kritischen Texte herausnehmen musste. 1976 erschienen in der Bundesrepublik Prosatexte unter dem Titel "Die wunderbaren Jahre". Die Überschrift lehnt sich ironisch an ein Zitat aus dem Werk "Die Grasharfe" (1951) des US-amerikanischen Schriftstellers Truman Capote an.

Es wurde Kunzes bekanntestes Buch, das zugleich die endgültige Entzweiung mit der DDR-Regierung bedeutete. In diesem Werk kritisiert Kunze das unmenschliche DDR-System, das sich unter anderem durch unbedingten Anpassungsgehorsam auszeichnet. Für seine Darstellung verwendet er den Alltag der Jugendlichen aus der DDR. Als Folge der Veröffentlichung wurde er aus dem DDR-Schriftstellerbverband ausgeschlossen. Im gleichen Jahr, 1976, äußerte Kunze öffentlich seinen Unmut über die Ausbürgerung seines Kollegen Wolf Biermann.

Im Jahr 1977 beantragte Reiner Kunze die Ausreise aus der DDR, die ihm kurz darauf genehmigt wurde. Er siedelte nach Obernzell-Erlau bei Passau über. 1977 erhielt er den Georg-Büchner-Preis und den Georg-Trakl-Preis verliehen. Zwei Jahre darauf wurde Kunze mit dem Bayerischen Filmpreis für sein Drehbuch "Die wunderbaren Jahre" ausgezeichnet. Bei der Verfilmung seiner Literaturvorlage führt er selbst Regie. 1981 erschien sein erster Lyrikband mit dem Titel "auf eigene hoffnung". Im gleichen Jahr wurde er mit dem Geschwister-Scholl-Preis geehrt. In den beiden Jahren 1988 und 1989 hatte Kunze eine Gastprofessur für Poetik an den Universitäten München und Würzburg inne.

Im Jahr 1990 unternahm er erstmals nach seiner Übersiedelung eine Reise in seinen früheren Wohnort Greiz. Daraus entstand die Dokumentation "Deckname Lyrik" nach der Bezeichnung der Akte, die das Ministerium für Sicherheit von ihm anlegte. 1993 wurde Reiner Kunze mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Jahr darauf erschien seine Schrift "Wo Freiheit ist . . . Gespräche 1977 – 1993". 1995 wurde er Ehrenbürger der Stadt Greiz. Ein Jahr später kam sein Band "Steine und Lieder. Namibische Notizen und Fotos" heraus. In dieser Zeit wurde ihm der Weilheimer Literaturpreis verliehen. 1998 erschien seine Gedichtsammlung "Ein Tag auf dieser Erde".

Im gleichen Jahr, 1998, erhielt er den Europapreis überreicht. 1999 ehrte ihn die Stadt Bad Homburg mit der Auszeichnung des Friedrich-Hölderlin-Preises. 2003 erschienen seine Nachdichtungen "Wo wir zu Hause das Salz haben". Im selben Jahr wurde er Ehrenbürger der Stadt Oelsnitz/Erzgebirge. 2008 erhielt er den Thüringer Verdienstorden für sein Lebenswerk; 2009 wurde er mit dem Thüringer Literaturpreis sowie dem Memminger Freiheitspreis 1525 geehrt.

NameReiner Kunze

Geboren am16.08.1933

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortOelsitz, Erzgebirge (D).