Biografie

Niccolò Machiavelli

Der italienische Staatsmann, Philosoph, Geschichtsschreiber und Dichter gilt als einer der bedeutendsten politischen Denker der beginnenden Neuzeit. Unter dem Eindruck der inneren Krise und des äußeren Zerfalls der italienischen Stadtstaaten, legte er mit seinem Traktat "De principatibus" (Der Fürst, 1513) eine politisch-moralische Herrschaftsanalyse vor, die trotz ihrer überraschenden und skrupulösen Botschaft eine realpolitische Wirkung auf das politische Denken nicht nur seiner Zeit, sondern auch der nachfolgenden Jahrhunderte entfaltete. Heute wird Niccolò Machiavelli vor allem mit rücksichtsloser Machtpolitik unter Ausnutzung aller rechtmäßigen und nicht rechtmäßigen Optionen assoziiert. Der folgende Begriff des "Machiavellismus" wurde daher oft als ein Schimpfwort für ein politisches Verhalten genutzt, das raffiniert, jedoch ohne jeglichen Einfluss von Moral die eigene Macht und das eigene Wohl steigern will. Inwieweit er wirklich einen Machiavellismus vertreten hat, ist umstritten. Sein politisches Hauptwerk "Discorsi" (1513-1517) ist darüber in den Hintergrund getreten...
Niccolò Machiavelli wurde am 3. Mai 1469 als Sohn von Bernardo Machiavelli und Bartolomea de’ Nelli in Florenz geboren.

Sein Vater, der als Notar und Rechtsgelehrter tätig war, ließ ihm eine humanistische Ausbildung zukommen. Er wuchs in dem toskanischen Stadtstaat unter der Medici-Herrschaft von Lorenzo Il Magnifico auf. Über seine Kindheit und Jugend ist wenig bekannt. Sein erster politischer Auftritt datiert von der republikanischen Wende, die durch die Vertreibung der Medici und die Errichtung einer republikanischen Stadtregierung unter dem Domenikaner Gerolamo Savonarola (1452-1498) um 1494 ausgelöst wurde. 1498 unterlag Machiavelli mit seiner Kandidatur für ein Amt in der Stadtkanzlei gegenüber einem Anhänger Savonarolas. Die eigentliche politische Karriere Machiavellis begann jedoch mit dem Sturz und der Hinrichtung Savonarolas im Mai 1498: Nun erhielt er den angestrebten Posten in der Stadtregierung, wo er für den anspruchsvollen Bereich militärischer und diplomatischer Angelegenheiten die Verantwortung trug.

Auf zahlreichen diplomatischen Missionen, die ihn durch Italien und Europa führten, eignete er sich in den folgenden Jahren einen fundierten Überblick über die Staats- und Militärstrukturen seiner Zeit an. 1501 heiratete Machiavelli Marietta Corsini, mit der er sechs Kinder hatte. Mehrere Reisen führten den Diplomaten u.a. 1500 und 1504 nach Frankreich, wo er sich am Hofe Ludwigs XII. aufhielt. Unter dem Eindruck der militärischen Misserfolge, die Florenz mit seinem Söldnerheer im Krieg gegen Pisa erzielte, sorgte Machiavelli 1506 für den Aufbau einer eigenen florentinischen Streitmacht, die 1509 den Sieg errang. 1507/08 führte ihn eine diplomatische Mission zum habsburgischen Kaiser Maximilian in Tirol. Infolge des erneuten Machtwechsels von 1512, der die Medici durch päpstliche Unterstützung an die Stadtregierung zurückbrachte, verlor Machiavelli zunächst alle seine Ämter. Im Jahr darauf erlitt er wegen des Verdachts, in eine Verschwörung gegen die Medici verwickelt zu sein, Haft und Folter.

Noch 1513 zog er sich vom öffentlichen Leben auf sein Landgut zurück, wo er eine Periode der politischen Reflexion begann. Hier schrieb Machiavelli einige seiner politischen Schriften, darunter auch die bedeutende Abhandlung über "De principatibus" ("Der Fürst"). In der versierten Analyse der Strukturen von politischer Herrschaft argumentierte er zugunsten eines "weisen" Herrschers, dessen Machterhaltung von seinen Konsenstechniken und der strikten Orientierung seines Handelns an der Staatsräson abhinge. Sein politisches Vermächtnis verfasste er in seinen vier Hauptwerken. Das wichtigste ist dabei die "Discorsi sopra la prima deca di Tito Livio" (Abhandlungen über die ersten zehn Bücher des Titus Livius), die er von 1513 bis 1517 schrieb. Darin findet sich Machiavellis Darlegung der historischen Prinzipien, auf die sich der römische Staat gründete. Er führte auf diese Weise die Stabilität von politischer Herrschaft wesentlich auf die individuelle Charakterstärke, Tugend und Moral des Fürsten selbst zurück.

Der bereits für die Zeitgenossen überraschende und skandalöse Inhalt von Machiavellis Traktat betraf die grenzenlose Handlungsfreiheit, die er dem Herrscher zum Zwecke der Machterhaltung zuwies. Er verfasste seine Schriften nicht zuletzt auch als Ausweis für seine politischen Fähigkeiten, mit denen er sich gegenüber der neuen Medici-Herrschaft um politische Ämter bewarb. Doch selbst eine Schrift wie "Der Fürst", die Lorenzo Medici, dem päpstlichen Statthalter über Florenz, gewidmet war, brachte Machiavelli über einige Gelegenheitsaufträge hinaus keine relevanten politischen Funktionen ein. Zur politischen Untätigkeit verdammt, widmete er sich bis zum erneuten Zusammenbruch der Medici-Herrschaft 1527 literarischen Studien und schriftstellerischen Tätigkeiten. Durch Intervention der Medici erhielt er 1519 von der Universität Florenz den Auftrag, eine Geschichte der Stadt zu verfassen, die er 1525 als achtbändige "Istorie fiorentine" vorlegte. Wie auch "Der Fürst" gelangte das Geschichtswerk erst 1532 posthum zur Veröffentlichung.

Darüber hinaus wurde Machiavelli von den Medici gelegentlich als politischer Berater hinzugezogen. Neben einigen lyrischen Dichtungen und der Komödie "Clizia" (1525) verfasste er in jenen Jahren außerdem die bedeutende politische Dialogschrift "Dell’arte della guerra" ("Über die Kriegskunst"), die 1521 veröffentlicht wurde. Erst 1525 erhielt Machiavelli seine volle politische Rehabilitation anlässlich des Konflikts zwischen den Medici und dem deutschen Reich, in dem er nun im Auftrag der florentinischen Stadtregierung erneut auf diplomatischen und militärischen Missionen tätig wurde.

Diese Verstrickung in die zusammenbrechende Medici-Herrschaft bescherte ihm nach deren Sturz 1527 erneut den Verlust seiner Ämter unter der neuen republikanischen Regierung. Von der drei Jahre später vollzogenen Restauration der Medici-Herrschaft konnte der Staatsmann und Philosoph nicht mehr profitieren.

Niccolò Machiavelli verstarb am 21. Juni 1527 in Florenz.

NameNiccolò Machiavelli

Geboren am03.05.1469

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortFlorenz (I).

Verstorben am22.06.1527

TodesortFlorenz (I).