Biografie

Leoluca Orlando

Der sizilianische Jurist und Regionalpolitiker führte als Oberbürgermeister von Palermo seine Heimatstadt in drei Amtsperioden (1985 bis 1990, 1993 bis 1997 und 1997 bis 2001) aus einem tiefen Sumpf von Mafia, Korruption und Kriminalität. Als Mafia-Jäger und meist gefährdeter Politiker der Welt machte sich Leoluca Orlando einen Namen als international anerkannter Experte für die Bekämpfung des organisierten Verbrechens...
Leoluca Orlando wurde am 1. August 1947 in Palermo geboren.

Seine Mutter entstammte altem sizilianischem Adel. Nach dem Besuch einer katholischen Schule nahm Orlando ein Jura-Studium an der Universität Palermo auf, das er 1968 mit dem Examen abschloss. Dabei absolvierte er auch Auslandsstudien in London und Heidelberg. Orlando begann seine praktische Anwaltstätigkeit zunächst in Paris, wo er für die Organization for Economic Cooperation and Development (OECD) als Berater der Mittelmeerländer fungierte.

In den Jahren 1978-1980 war Orlando als Rechtsberater des christdemokratischen Präsidenten der Region Sizilien, Piersanti Mattarella, tätig, der zu Jahresbeginn 1980 von der Mafia ermordet wurde. Die Bluttat hinterließ einen tiefen Eindruck bei dem auf Gerechtigkeit und Menschenwürde orientierten katholischen Rechtsanwalt. Ebenfalls 1980 wurde Orlando, der 1975 der konservativen Partei Democrazia Cristiana (DC) beigetreten war, erstmals in den Stadtrat von Palermo gewählt, in dem er bis 1993 vertreten war.

Nachdem Orlando 1985 zum Oberbürgermeister seiner Heimatstadt gewählt worden war, initiierte er ein politisches und wirtschaftliches Reformprogramm, das sich vor allem gegen die Mafia richtete. Die mit seiner Kommunalpolitik verbundene Aufbruchstimmung ging als "Primavera di Palermo" (Frühling von Palermo) in die Annalen der Mafia-Hochburg ein. Orlandos Politik zielte jedoch auch auf eine parteiinterne Reform der DC, die zunehmend Von Korruptionserscheinungen und der Kollaboration mit der Mafia zersetzt wurde.

Dies brachte den streitbaren Kommunalpolitiker in Konflikt mit Parteichef Giulio Andreotti, der sich später selbst Korruptions- und Mafia-Vorwürfen ausgesetzt sah. Infolge dieser parteiinternen Auseinandersetzungen schied Orlando 1990 aus der DC aus und trat er als Bürgermeister zurück, um mit "La Rete – Movimento per la Democrazia" (Das Netz – Bewegung für Demokratie) eine eigene Partei zu gründen. Die Regionalpartei sagte der sizilianischen Mafia den Kampf an und trat für mehr Demokratie ein. Sie profitierte vom Zusammenbruch des etablierten italienischen Parteiensystems, der infolge eines immensen Korruptionsskandals in Wirtschaft und Politik ("Tangentopoli") zu Beginn der 1990er Jahre ganz Italien erschütterte.

Orlando erhielt 1991 eine Berufung als Professor für Öffentliches Regionalrecht an die Universität Palermo. Bei den Parlamentswahlen von 1992 wurde Orlando mit elf anderen Vertretern seiner Partei in die italienische Kammer gewählt. Ein Jahr später erzielte er mit „La Rete“ bei den Palermer Kommunalwahlen einen sensationellen Erfolg: Somit sah sich Orlando 1993 erneut in die Funktion des Oberbürgermeisters seiner Heimatstadt berufen. In den folgenden beiden Amtsperioden führte Orlando als Oberbürgermeister von Palermo bis 2001 einen unbarmherzigen Kampf gegen die Mafia.

Die Stadt erlebte einen ungeahnten Aufschwung in wirtschaftlicher Hinsicht und auf kulturellem Gebiet. Zeitweise trug die sichtbare Präsenz der italienischen Nationalarmee, die auf den Straßen Palermos im Objektschutz eingesetzt wurde, dazu bei, die sizilianische Metropole zur sichersten Stadt Italiens zu machen, wie es das erklärte Ziel ihres Bürgermeisters war. In den Jahren 1994 bis 1999 war Orlando außerdem im Europäischen Parlament vertreten, wo er der Grünen-Fraktion angehörte. Im Dezember 1999 wurde er zum Vorsitzenden des "Istituto per il Rinascimento Siciliano" berufen. Der Mafia-Jäger entwickelte sich zu einem international gefragten Experten in der Bekämpfung der organisierten Kriminalität.

Zum Jahresende 2000 lud Orlando eine UNO-Konferenz in seine Stadt, auf der eine UN-Konvention gegen das internationale Verbrechen verabschiedet wurde. Unmittelbar nach dieser Konferenz reichte Orlando seinen Rücktritt als Oberbürgermeister ein, da er sich für seine Partei als Kandidat bei den bevorstehenden Regionalwahlen zur Verfügung stellen wollte. Bei den Wahlen vom Juni 2001 unterlag er jedoch gegen seinen Konkurrenten, worauf er seither im sizilianischen Regionalparlament die Opposition anführt.

Im Jahr 2002 trat Orlando in dem deutschen Fernsehfilm "Palermo sussurra" auf, der den Kampf gegen die sizilianische Mafia und die Situation in der Stadt zum Gegenstand hatte. Orlando war außerdem Regionalvorsitzender der Nationalen Italienischen Städtevereinigung ANCI. Er ist Mitglied im Nationalen Forschungsrat Italiens CNR und wurde durch zahlreiche Auszeichnungen geehrt, darunter die "Goethe-Medaille", die er 1999 in Weimar erhielt. Der streitbare Politiker und Jurist veröffentlichte zahlreiche rechtswissenschaftliche Werke und Abhandlungen gegen die Mafia wie etwa "Palermo" (1990) und "Orlando, un uomo contro" (1999).

Im Jahr 2002 erschien auf Deutsch seine Stellungnahme zum Kampf gegen Korruption und Terror: "Ich sollte der nächste sein ...". Im Juni 2005 wurde Orlando in Osnabrück der Erich Maria Remarque-Friedenspreis 2005 verliehen. 2006 wurde er in das italienische Parlament gewählt.

Orlando ist mit Maria Rosaria verheiratet und Vater von zwei Kindern.

NameLeoluca Orlando

Geboren am01.08.1947

SternzeichenLöwe 23.07 - 23.08

GeburtsortPalermo (I).