Biografie

Leo Baeck

Der Rabbiner galt nicht nur als bedeutender Vertreter des Judentums, sondern zeit seines Lebens als Versöhner zwischen Juden und Christen. Dazu richtete Leo Baeck 1919 die christlich-jüdischen Gespräche ein. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg besaß für ihn die Versöhnung Vorrang vor der Verfolgung der Holocaust-Täter. Leo Baeck war der Gründer des gleichnamigen Instituts zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland. In der Zeit von 1948 bis 1956 lehrte er an europäischen und amerikanischen Universitäten...
Leo Baeck wurde als Sohn des Rabbiners Samuel Baeck und seiner Frau Eva, geborene Placzek, am 23. Mai 1873 im damaligen Lizza, dem heutigen polnischen Leszno, geboren.

Baeck hatte noch vier Schwestern, mit denen er in der Heimatstadt seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte. Dort besuchte er in der Zeit von 1881 bis 1890 das Johann-Amos-Comenius-Gymnasium. Bereits in jungen Jahren kam er mit jüdischer Kultur und Religion in engen Kontakt. Nach seiner Schulzeit wechselte Baeck an das Jüdisch-Theologische Seminar in Breslau, dem heutigen polnischen Wroclaw. Dort ließ er sich in der Zeit von 1891 bis 1894 zum Rabbiner ausbilden. Für zwei Jahre schrieb er sich in dieser Zeit zusätzlich an der Universität Breslau an der Philosophischen Fakultät ein.

Im Jahr 1994 verließ Baeck Breslau und siedelte nach Berlin über. Dort studierte er Philosophie, Geschichte und Religionsphilosophie. Im gleichen Jahr besuchte er die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Baeck promovierte 1895 bei dem bekannten Philosophen Wilhelm Dilthey mit einer Arbeit über "Spinozas erste Einwirkungen auf Deutschland". Später veröffentlichte er seine Dissertation. Noch im gleichen Jahr zog er in das heutige polnische Opole, um dort in der Gemeinde für zehn Jahre als Rabbiner Dienst zu tun. 1896 verheiratete sich Baeck mit Nathalie Hamburger.

Nachdem sie sich 1905 in Duisburg niedergelassen hatten, erschien seine religionsphilosophische Arbeit unter dem Titel "Das Wesen des Judentums"; darin bezieht er sich auf Adolf von Harnack und dessen Werk "Das Wesen des Christentums". Baeck gab sich als engagierter Anhänger des jüdischen Liberalismus. 1912 verließ Baeck Duisburg und zog nach Berlin. Dort war er in der Synagoge in der Fasanenstraße tätig. Weiterhin ging er als Dozent einem Lehrauftrag an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums nach. Im Ersten Weltkrieg wirkte er von 1914 bis 1918 als Feldrabbiner an der West- und Ostfront.

Danach wirkte Baeck als ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde in Berlin, der wichtige Verbindungen zur führenden Politik aufrecht erhielt. Er gründete die christlich-jüdischen Gespräche und wirkte als Redner zur jüdisch-christlichen Kooperation in religiösen und kulturellen Fragen. In dieser Funktion kam Baeck eine bedeutende Mittlerrolle zu. 1919 war er für jüdische Fragen im preußischen Kultusministerium zuständig. Als Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes vermittelte er erfolgreich zwischen dem orthodoxen und liberalen Verbandsflügel. 1924 wurde er Präsident des jüdischen Wohlfahrtsordens "Bnei-Brith-Loge".

Baeck trat dem "Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", dem Palästina-Fond "Keren Hajessod", der "Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden" und der "Jewish Agency" bei. 1933, im Jahr der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde Baeck Präsident der "Reichsvertretung der Deutschen Juden". Baeck blieb als hoher Vertreter des Judentums im nationalsozialistischen Deutschland, um dort Juden wirksam gegen den NS-Terror zu unterstützen. 1938 wurde er Vorsitzender der "Reichsvertretung der Juden", die von den Nationalsozialisten verordnet worden war.

Diese wurde 1943 von der Gestapo geschlossen. Im gleichen Jahr wurden er und seine Familie in das Lager Theresienstadt verschleppt. Baeck überlebte den NS-Terror und siedelte 1945 nach London über. Dort leitete er den "Council of Jews from Germany" und die "World Union for Progressive Judaism". 1947 rief er das "Institut zur Erforschung der Geschichte des Judentums in Deutschland seit der Aufklärung" ins Leben, das 1954 in das Leo-Baeck-Institut umbenannt wurde. Baeck machte sich einen Namen als Versöhner zwischen Juden und Christen. Im Rahmen dieser Aufgabe ließ er die christlich-jüdischen Gespräche wieder aufleben.

Dieses Verständnis zwischen den Gruppen hatte für ihn Vorrang vor der Verurteilung der Völkermordschuldigen. In der Zeit von 1948 bis 1956 lehrte er an europäischen und amerikanischen Universitäten.

Leo Baeck starb am 2. November 1956 in London.

NameLeo Baeck

Geboren am23.05.1873

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortLeszno (PL).

Verstorben am02.11.1956

TodesortLondon (GB).