Biografie

Jörg Haider

Der österreichische Großgrundbesitzer und rechtspopulistische Politiker stellte von 1989 bis 1991 sowie von 1999 bis 2008 den Landeshauptmann von Kärnten. Er verhalf seit Mitte der 1980er Jahre der FPÖ zu einem ungebrochenen Aufstieg, der eine völlige Erschütterung der traditionellen Parteienlandschaft des Alpenlandes zur Folge hatte, bis hin zu diplomatischen Sanktionen. Von 1986 bis 2000 war er Vorsitzender der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ). Seine rechte Rhetorik sorgte indes immer wieder für europaweite Kritik. Im April 2005 spalteten sich unter seiner Federführung zahlreiche Funktionäre von der FPÖ ab. Diese gründeten die neue Partei Bündnis Zukunft Österreich...
Jörg Haider wurde am 26. Januar 1950 in Bad Goisern (Österreich) geboren.

Sein Vater war Schumacher von Beruf und hatte sich während der nationalsozialistischen Annexion Österreichs 1938 bis 1945 in einschlägigen faschistischen Organisationen wie der SA und der Deutschen Arbeitsfront engagiert. Auch seine Mutter war in der nationalsozialistischen Jugendorganisation tätig. 1968 legte Haider das Abitur ab. Im Jahr darauf, 1967, nahm er ein Jura-Studium an der Universität Wien auf. Dieses schloss er 1973 mit der Promotion ab. Bis 1976 war er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität tätig. In seiner Studienzeit begann Haider sein politisches Engagement im "Ring Freiheitlicher Jugend" (RFJ), für den er 1971 bis 1975 als Sprecher auftrat.

Im Jahr 1977 wurde ihm von der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) bereits die Funktion des Landesparteisekretärs für Kärnten und des Geschäftsführers der Landtagsfraktion übertragen. Von 1979 bis 1983 saß Haider auch als FPÖ-Abgeordneter im österreichischen Parlament. 1983 wurde er zum Landesparteivorsitzenden der FPÖ in Kärnten gewählt. 1986 konnte er mit seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der FPÖ einen Führungswechsel in der Partei durchsetzen, der die Aufkündigung der Regierungskoalition mit der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) durch Bundeskanzler Vranitzky nach sich zog. Bei den anschließenden Neuwahlen zum österreichischen Nationalrat erzielte die nunmehr unter Haider angetretene FPÖ im November 1986 einen großen Erfolg.

Dennoch blieben die "Freiheitlichen" aufgrund der Bildung einer Großen Koalition von der Regierungsmacht ausgeschlossen. Aus der Opposition heraus gelang es der FPÖ, ihre Position durch Stimmgewinne bei den nachfolgenden Kommunalwahlen 1987 und bei den Landtagswahlen 1988 und 1989 weiter zu stärken. Anlässlich des Wahlerfolgs der FPÖ von 1989 in Kärnten schlug die lokale Österreichische Volkspartei (ÖVP) die anvisierte Große Koalition mit den Sozialisten aus, um erstmals ein Regierungsbündnis mit der FPÖ einzugehen. Haider stieg zum Landeshauptmann, also Regierungschef von Kärnten auf. Nach einem weiteren Stimmenzuwachs bei den Parlamentswahlen von 1990 geriet Haider im Jahr darauf in die öffentliche Kritik, als er die nationalsozialistische Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik zum Lösungsmodell für gegenwärtige Probleme erhob.

Seine Äußerung kostete der FPÖ die Regierungsbeteiligung in Kärnten und ihm das Amt des Landeshauptmanns, das er an die ÖVP abtreten musste. Dennoch konnte Haider wenig später als Stellvertretender Landeshauptmann erneut in die Kärntner Landesregierung einziehen. In der Folge gelang es Haider, seine Gegner in der Partei nach und nach auszuschalten und die FPÖ auf seinen Rechtskurs zu bringen. 1992 legte er seine Funktion in Kärnten nieder, um den Vorsitz der FPÖ-Fraktion im Parlament zu übernehmen. Haider tat sich in dieser Funktion mit Verunglimpfungskampagnen anlässlich der Bundespräsidentenwahl von 1992 und mit der Initiative für ein Volksbegehren gegen Ausländer hervor. Die rechtspopulistische Strategie zielte auf eine Instrumentalisierung der Stimmungslage in der Bevölkerung für parteipolitische Zwecke.

In der anschließenden öffentlichen Debatte über die "Ausländerfrage" disqualifizierte sich Haider durch eine aggressive Rhetorik, die die fremdenfeindlichen Ressentiments in der Bevölkerung anregen sollte, zugleich aber auch gesellschaftliche Bündnisse gegen seine Politik hervorrief. 1993 erlitt Haider mit dem von ihm betriebenen Volksbegehren "Österreich zuerst" eine deutliche Niederlage. Dennoch erzielte die FPÖ bei den Landtagswahlen im Jahr darauf mehrere Wahlerfolge. Haider wurde mit überwältigender Mehrheit zum Parteivorsitzenden wiedergewählt. Trotz eines Stimmenzuwachses der FPÖ bei den Parlamentswahlen vom Oktober 1994 blieb Haiders Partei durch die Fortsetzung der Großen Koalition nochmals von der Regierung ausgeschlossen. Auch in den folgenden Jahren sorgte der FPÖ-Chef durch unüberlegte Äußerungen für öffentliche Kritik.

So bescheinigte er 1995 auf einem Treffen ehemaliger SS-Mitglieder den dort versammelten einen "anständigen Charakter". Nichtsdestotrotz errang die FPÖ weitere Wahlerfolge bei den Landtagswahlen von 1996. Bei den Kärntner Landtagswahlen vom März 1999 erzielte die dortige FPÖ eine deutliche Mehrheit vor den anderen Parteien. Haider wurde erneut zum Landeshauptmann von Kärnten gewählt. Im selben Jahr konnte die FPÖ auch bei den Parlamentswahlen im Herbst einen großen Wahlerfolg verbuchen, der erstmals die ÖVP zur Änderung ihrer Koalitionspolitik auf Bundesebene veranlasste. 2000 trat die FPÖ unter Haider in eine Regierungskoalition mit der ÖVP ein, die mit Wolfgang Schüssel den Kanzler stellte. Dies löste erheblichen Protesten bis hin zu diplomatischen Sanktionen durch die damals 14 übrigen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (nicht jedoch der EU selbst) sowie der Tschechischen Republik aus.

Der FPÖ-Chef sah sich gezwungen, sich vom Bundesparteivorsitz und von den Bundesangelegenheiten nach Kärnten zurückzuziehen. Dennoch machte Jörg Haider von seiner Stammprovinz aus nach wie vor einen entscheidenden Einfluss auf die österreichische Bundespolitik geltend. Im Zuge der innerparteilichen Machtkämpfe, die Mitte September 2002 zum Rücktritt mehrerer FPÖ-Minister und der Parteivorsitzenden Susanne Riess-Passer führten sowie den Bruch der FPÖ-ÖVP-Koalition auslösten, erklärte Haider seinen endgültigen Rückzug aus der österreichischen Bundespolitik. Die Wahlniederlage der FPÖ bei den Neuwahlen vom 24. November 2002 zog dann den vorläufigen Rückzug Haiders aus der Bundespolitik nach sich. Haider äußerte jedoch die Absicht, seine Funktion als Landeshauptmann von Kärnten bis zum Ende der regulären Amtszeit 2004 weiter wahrnehmen zu wollen.

Im Jahr 2005 schied Haider wegen interner Differenzen aus der FPÖ aus, um mit der BÖZ eine neue rechtsradikale Splitterpartei ins Leben zu rufen, die allerdings bei den anschließenden Regionalwahlen nicht die notwendigen 5% für den Einzug in die Landesparlamente erreichte. Nach einem koalitionsinternen Streit um die Sozialpolitik zerbrach am 28. Februar 2006 die Koalition zwischen BZÖ und SPÖ in der Kärntner Landesregierung. Am 23. Juni 2006 wurde er von seinem langjährigem Weggefährten Peter Westenthaler bei einem Bundeskonvent in Salzburg als Obmann des BZÖ abgelöst. Bei der Nationalratswahl im Oktober 2006 schaffte das BZÖ den Einzug in den Nationalrat. Im August 2008 gab er bekannt, für die Nationalratswahl 2008 als Spitzenkandidat des BZÖ anzutreten, das etwaige Mandat allerdings nicht anzunehmen, sondern Kärntner Landeshauptmann bleiben zu wollen.

Haider wurde darauf Ende August bei einem Parteitag des BZÖ in Graz, mit Zustimmung aller Delegierten ohne Gegenkandidat, einstimmig zum Parteivorsitzenden gewählt. So gelang der Partei auch in Kärnten mit 39,4 % ihr bestes Ergebnis, während sie in den anderen Bundesländern zwischen 4,7 % (Wien) und 13,2 % (Steiermark) erreichte.

Jörg Haider starb am 11. Oktober 2008 in Lambichl, Gemeinde Köttmannsdorf, an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Haider hatte unter Alkoholeinfluss (1,8 Promille) bei überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Er hinterließ seine Frau sowie zwei erwachsene Töchter.

NameJörg Haider

Geboren am26.01.1950

SternzeichenWassermann 21.01 - 19.02

GeburtsortBad Goisern, Oberö. (A).

Verstorben am11.10.2008

TodesortLambichl, Kärnten (A).