Biografie

Hans-Christian Ströbele

Der Politologe und Jurist gestaltete als RAF-Strafverteidiger, "taz"- und "Grünen"-Mitbegründer maßgeblich den Werdegang der außerparlamentarischen linksalternativen Bewegung zur politischen Partei mit. Hans-Christian Ströbele entwickelte sich besonders seit 1998 in der rot-grünen Bundesregierung zum personifizierten grünen Parteigewissen, nimmt sein Direktmandat im Bundestag als Alt-Linker aber auch gegen andere Parteivertreter mit großer Konfliktfähigkeit wahr...
Hans-Christian Ströbele wurde am 7. Juni 1939 in Halle an der Saale geboren.

Der Vater war als Chemiker in der Buna-Industrie beschäftigt. Nach dem Abitur, das er 1959 im westfälischen Marl bestand, und dem anschließenden Wehrdienst studierte Ströbele Rechts- und Politikwissenschaft zunächst in Heidelberg, dann an der Freien Universität Berlin. Das Rechtsreferendariat absolvierte er in der Kanzlei des RAF-Verteidigers Horst Mahler in Berlin (West). Seit 1969 arbeitete Ströbele dann als Rechtsanwalt in Berlin, wo er sich stark in der politischen Studentenbewegung engagierte. Für ein Jahrzehnt gehörte er dort dem „Sozialistischen Anwaltskollektiv“ an, das er mitbegründet hatte. Sein linkspolitisches Engagement blieb nicht ohne Auswirkungen auf die berufliche Praxis: Der Rechtsanwalt trat für drei Jahrzehnte als Verteidiger in politischen Strafverfahren auf.

So verteidigte er u.a. 1972 bis 1975 Andreas Baader, der einer der führenden Köpfe der so genannten "Rote Armee Fraktion" (RAF) war. Diese Tätigkeit brachte Ströbele 1975 eine vorübergehende Inhaftierung und 1982 die Verurteilung zu einer Haftstrafe auf Bewährung ein. Außerdem schloss ihn 1974 die SPD, in die er 1970 eingetreten war, aufgrund seines Verteidigerengagements für RAF-Mitglieder wieder aus der Partei aus. In den folgenden Jahren avancierte Ströbele zu einem führenden Vertreter der außerparlamentarischen links-alternativen Bewegung, die vor allem in Berlin ihr Zentrum hatte. Dort gehörte er auch zu den Gründern der "tageszeitung". Außerdem war Ströbele zu Beginn der 1980er Jahre einer der Mitbegründer der "Alternativen Liste für Demokratie und Umweltschutz" (AL) in Berlin, der er 1985 beitrat und die später als Berliner Landesverband den Grünen angegliedert wurde.

Ströbele zog erstmals 1985 in den Bundestag ein, wo er als Abgeordneter der Grünen zunächst bis 1987 vertreten war. Als erster grüner Direktkandidat scheiterte er zwar bei der Bundestagswahl 1994, bei der er aber immerhin 28% der Stimmen seines Wahlkreises Kreuzberg-Schöneberg auf sich vereinen konnte. Ab 1998 saß Ströbele jedoch als grüner Direktkandidat für die Wahlkreise Kreuzberg-Schöneberg und Kreuzberg-Friedrichshain ununterbrochen im Bundestag. In der Berliner Landespolitik setzte sich Ströbele erstmals zu Jahresbeginn 1989 für ein rot-grünes Zusammengehen ein. Er war nach der Abgeordnetenhauswahl vom Januar 1989 maßgeblich an der Vereinbarung der SPD-AL-Koalition unter Walter Momper beteiligt, die jedoch bereits im November 1990 wieder auseinander fiel.

Im Bundestag avancierte der kompromisslose Politiker bald zu einer kritischen Stimme gegen den Abbau von Grundrechten und Sozialsystemen. Besonders in den Bereichen Innere Si-cherheit und Polizei, Daten- und Umweltschutz profilierte er sich als aufmerksamer Beobachter und ewiger Mahner. Ströbele war 1990/91 auch als Sprecher im Bundesvorstand der Grünen tätig. Wegen kritischer Äußerungen gegen die Palästinenser-Politik Israels, die er auf einer Israel-Reise getätigt hatte, trat er von dieser Funktion wieder zurück. In den Jahren 1995 bis 1997 war Ströbele als Sprecher des Berliner Landesvorstandes der Grünen tätig. Infolge der Bundestagswahl vom September 1998 war er maßgeblich an den Koalitionsverhandlungen mit der SPD beteiligt, aus denen die erste rot-grüne Bundesregierung unter Gerhard Schröder hervorging.

Während der folgenden beiden rot-grünen Legislaturen bewährte sich Ströbele als Vertreter des linken Parteiflügels, dem er wiederholt seine Stimme lieh. So stellte er sich im Frühjahr 1999 gegen den durch die rot-grüne Koalition aktiv mitgetragenen Kosovo-Krieg. Auch im Kompromiss zum Atomausstieg vertrat er einen radikaleren, d.h. kürzeren, Ausstiegsplan. In den Jahren 2000 bis 2002 fungierte Ströbele als Grünen-Vertreter im Bundestags-Untersuchungsausschuss zur CDU-Spendenaffäre, wo er manche Machenschaften des so genannten "Systems Kohl" mit aufdecken konnte. Infolge der durch die Anschläge vom 11. September 2001 ausgelösten globalen Konfliktsituation gehörte Ströbele zu dem Teil der Grünen, die sich gegen eine Beteiligung am Afghanistan-Krieg aussprachen und damit knapp der Mehrheit unterlagen.

In den nächsten Jahren setzte sich Ströbele in weltpolitischer Hinsicht immer wieder für eine Stärkung der UNO ein. Die amerikanischen Kriegsvorbereitungen gegen den Irak verurteilte er als einer der ersten Bundespolitiker. Für die Bundestagswahl im Herbst 2005 verzichtete Ströbele auf einen Platz auf der Landesliste. Er bewarb sich aber wieder um ein Direktmandat im Wahlkreis Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (84) von Berlin. Bei der Wahl am 18. September 2005 erhielt er erneut die Mehrheit der Erststimmen in seinem Wahlkreis und zog mit einem Direktmandat in den Bundestag ein.

Hans-Christian Ströbele ist seit 1967 verheiratet und kinderlos.


Die Studenten- und Protestbewegung von 1966-1975: Vordenker, Aktivisten, Idole

NameHans-Christian Ströbele

Geboren am07.06.1939

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortHalle, Saale (D).