Biografie

Giovanni Gentile

Der sizilianische Philosoph trug zusammen mit seinem neapolitanischen Kollegen Benedetto Croce zum Wiederaufleben des Neo-Idealismus im Italien des frühen 20. Jahrhunderts bei. Mit seiner Theorie vom "ethischen Staat" ebnete Giovanni Gentile dann während des Ersten Weltkriegs den italienischen Faschisten den Weg zur Macht. Anschließend trug der konservative Denker als Bildungsminister und als herausragende Figur des italienischen Kulturlebens maßgeblich zur philosophischen Legitimierung des Unrechtsregimes bei, was den tödlichen Hass der antifaschistischen Regimegegner heraufbeschwor...
Giovanni Gentile wurde am 30. Mai 1875 im sizilianischen Castelvetrano bei Trapani geboren.

Nach der Schule studierte Gentile Philosophie an der Universität Pisa. Dabei wandte er sich der konservativen Denkrichtung in Italien zu. 1898 begann er seine akademische Karriere als Professor für Philosophie an der Universität Campobasso in Kalabrien. Er setzte sich mit der Bildungspolitik auseinander und forderte die Stärkung des öffentlichen Religionsunterrichts. Gentile wurde 1903 an die Universität Neapel berufen, wo er mit dem bedeutendsten italienischen Philosophen und Historiker, Benedetto Croce, zusammenzuarbeiten begann.

Während der folgenden beiden Jahrzehnten unterstützte er Croce bei der Herausgabe der anerkannten Zeitschrift "La Critica". Beide Philosophen trugen maßgeblich zum Wiederaufleben des Neo-Idealismus und zur Kritik des Positivismus in Italien bei. Während des Ersten Weltkriegs, bei dessen Ausbruch Gentile die italienische Intervention unterstützt hatte, entwickelte der sizilianische Philosoph seine Theorie vom "ethischen Staat", die eine totale Unterordnung des Individuums unter den Staat verlangte, der dabei als Verkörperung des moralischen Willens und Gesetzes der Gesamtgesellschaft verstanden wurde.

Gentiles Staatstheorie führte direkt zur Legitimierung staatlicher Autorität und Macht, wie sie dann nach dem Ersten Weltkrieg von der faschistischen Bewegung angestrebt wurden. Nach dem Machtantritt der Faschisten unter Benito Mussolini im Jahr 1922 führten politisch-ideologische Differenzen das Ende der Freundschaft zwischen beiden Philosophen herbei. Als Gentile 1925 sein "Manifest faschistischer Intellektueller" veröffentlichte, antwortete ihm Croce mit einem "Manifest antifaschistischer Intellektueller". Der Philosoph hatte indes die politische Veränderung begrüßt und war als Bildungsminister in die faschistische Regierung eingetreten.

Im Jahr 1923 schloss er sich auch der faschistischen Partei an. Im Juni 1924 legte er sein Ministeramt nieder, blieb jedoch als Mitglied des faschistischen Großrates und des italienischen Senats in das faschistische Regime eingebunden. Gentile trug in den 1920er Jahren wesentlich zur philosophischen Legitimierung des italienischen Faschismus bei, den er in Aufsätzen wie "Che cosa è il fascismo" (1924), "Fascismo e cultura" (1928) und "Origini e dottrine del fascismo" (1929) als "höchste Demokratieform", "religiösen Geist" und bloße Variante des Konservatismus rechtfertigte. Über die Kirchenpolitik des faschistischen Regimes, die durch die Lateranverträge von 1929 besiegelt wurde, kam es zu ersten Differenzen zwischen Gentile und Mussolini, die seine weitere Bedeutung in den 1930er Jahren erheblich schmälerten.

Im Jahr 1938 kritisierte der Philosoph öffentlich die Verabschiedung von Rassegesetzen in Italien. Dennoch blieb Gentile als Herausgeber der Zeitschrift "Educazione fascista", als Gründer des "Istituto nazionale fascista di cultura" und als Leiter der "Enciclopedia italiana" eine maßgebliche Instanz des italienischen Kulturlebens. Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Regimes im Sommer 1943 wurde der Philosoph zum Opfer der Auseinandersetzungen zwischen Faschisten und Antifaschisten in Italien.

Giovanni Gentile wurde am 15. April 1944 bei Florenz von einer Truppe antifaschistischer Partisanen ermordet.

NameGiovanni Gentile

Geboren am30.05.1875

SternzeichenZwillinge 22.05. - 21.06

GeburtsortCastelvetrano, Trapani (I).

Verstorben am15.04.1944

TodesortFlorenz (I).

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