Biografie

Erivan Haub

Der diplomierte Volkswirt trat 1963 in die familieneigene Tengelmann-Gruppe ein, in der er nach dem Tod seines Onkels Karl Schmitz-Scholl (1969) alleiniger Geschäftsführer wurde. Erivan Haub konzentrierte die Geschäfte der Tengelmann-Gruppe auf den Einzelhandel mit privaten Endabnehmern. Unter seiner Führung expandierte Tengelmann durch Zukäufe wie der "Kaiser's Kaffee Geschäft AG" (1971) und Filialgründungen wie "Plus" (1972). Die Ausweitung des Konzerns im internationalen Geschäft markierte die Übernahme der Mehrheit bei der "Great Atlantic & Pacific Tea Company Inc." in New Jersey (1979). 2000 wechselte er in den Beirat der Firmengruppe und übergab die Leitung seinem Sohn Karl-Erivan Haub...

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Erivan Karl Haub wurde am 29. September 1932 in Wiesbaden geboren.

Sein Vater war Landwirt, seine Mutter Elisabeth die Tochter der Unternehmerfamilie Schmitz-Scholl. Das mütterliche Unternehmen war 1867 als Kolonialwarenhandlung gegründet worden. Aus ihm entwickelte sich die Schokoladen- und Süßwarenfabrik Wilhelm Schmitz-Scholl (Wissoll) in Mülheim an der Ruhr, die dann zum Stammhaus der Tengelmann-Gruppe avancierte. Nach der Schule ging Haub in der ersten Hälfte der 1950er Jahre in die kaufmännische Lehre bei der "Jewel Tea Company" in Chicago und in der "Alpha-Beta-Company" im kalifornischen La Habra. Wieder zurück in der Bundesrepublik, nahm er ein Studium in Hamburg und Mainz auf, das er 1958 mit dem Diplom in Volkswirtschaft abschloss. Ebenfalls 1958 heiratete Haub Helga Otto, mit der er drei Söhne bekam.

In den Jahren 1960 bis 1961 war Haub zunächst bei einer Frankfurter Immobilienfirma, dann bis 1963 bei der Commerzbank in Mainz tätig. Von 1963 bis 1969 arbeitete Haub für Tengelmann in Wiesbaden. Infolge des Todes seines Onkels Karl Schmitz-Scholl fiel ihm 1969 die alleinige Geschäftsführung des Gesamtunternehmens zu. Die Tengelmann-Gruppe unterhielt zu dieser Zeit rund 427 Lebensmittelfilialen und die Schokoladenfabrik Wissoll. Unter der Führung Haubs weiteten sich Geschäftsbereiche und Umsatz rasch aus. 1971 erwarb er die Anteilsmehrheit der "Kaiser's Kaffee-Geschäft AG". Ein Jahr später behauptete er sich durch die Übernahme der Wiener "Löwa Warenhandel GmbH" auch auf dem österreichischen Markt. Die Tengelmann-Gruppe erweiterte im Laufe der Zeit ihr Filialangebot um die Supermarktkette "Plus", die Drogeriemärkte "kd", den Billiganbieter "Rudis Reste Rampe", die "Obi"-Baumärkte und viele andere.

Im Ausland expandierte die Tengelmann-Gruppe seit 1979, indem sie sich zunächst an der amerikanischen Lebensmittelkette "Great Atlantic and Pacific Tea Company" ("A & P") beteiligte. 1985 übernahm Haub in den Niederlanden die "Hermans Groep", 1989 war die italienische "Superal S.r.i." an der Reihe.1992 traten 179 Geschäfte der übernommenen "Co op AG" hinzu. Hinzu kommen Beteiligungen und Engagements in Ungarn und Tschechien. Die deutsche Wiedervereinigung eröffnete der Tengelmann-Gruppe den ostdeutschen Markt, wo sie ab Beginn der 1990er Jahre stark expandierte. Mitte der 1990er Jahre betrieb Tengelmann über 7.700 Filialen in der ganzen Welt, 5.800 davon in der Bundesrepublik. Haub fungierte als alleingeschäftsführender Gesellschafter der Firmen Wissoll, Tengelmann Warenhandelsgesellschaft, Emil Tengelmann und Plus Warenhandelsgesellschaft und als Mitinhaber verschiedener Tochterunternehmen von Tengelmann.

Neben der unternehmerischen Tätigkeit tat sich Tengelmann vor allem im Umweltschutz hervor, für den sich der 1968 gegründete "Karl-Schmitz-Scholl-Fonds" stark macht. 1984 ging der Konzern zu konsequenten Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen über, indem er Schildkrötensuppen und Froschschenkel aus seinem Angebot strich. 1987 verschwanden phosphathaltige Waschmittel, ein Jahr später FCKW-haltige Sprays aus den Regalen der Tengelmann-Filialen. 1989 wurden PVC-Getränkeflaschen durch Glasflaschen ersetzt. 1995 boykottierte Tengelmann, zusammen mit anderen Umweltgruppen, die Shell-Tankstellen, nachdem der Ölmulti durch die geplante Versenkung einer Bohr-Plattform in der Nordsee in die öffentliche Kritik geraten war. Als fortschrittlich galt auch die Einführung der 4,5 Tage-Woche im Jahr 1991. Für sein Engagement zugunsten des Umweltschutzes wurde Haub durch mehrere Preise ausgezeichnet. Unter anderem wählten ihn 1990 der WWF und die Zeitschrift "Capital" zum "Ökomanager des Jahres".

Darüber hinaus wurde ihm die Ehrendoktorwürde der St. Joseph's University von Philadelphia (USA) verliehen. Haub wurde Mitglied u.a. in der Stiftung Deutsche Sporthilfe und im Deutschen Kinderhilfswerk. Unter der maßgeblichen Führung Haubs wirken seit Beginn der 1990er Jahre auch dessen drei Söhne aktiv am Unternehmensmanagement mit. Nachdem der Konzern Mitte der 1990er Jahre wegen der sozialen Unternehmensführung Haubs in die roten Zahlen geraten war, zog dieser sich zur Jahrtausendwende aus der aktiven Geschäftsführung in den Beirat der Firmengruppe zurück. Die Sanierung des Unternehmens überließ er ab 2000 den Söhnen Karl-Erivan, Georg und Christian Haub, wobei Haub über seine 50%-Beteiligung weiterhin im Hintergrund mitbestimmt.

Karl-Erivan Haub realisierte in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends als Vorsitzender der Geschäftsführung ein Spar- und Sanierungsprogramm, das den Konzern merklich aus der Krise führte. Haub erhielt 2004 das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2007 folgte der Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.


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NameErivan Haub

Geboren am29.09.1932

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortEssen (D).