Biografie

Elfriede Jelinek

Die österreichische Schriftstellerin schrieb den ersten Poproman in deutscher Sprache. In dem Titel "wir sind lockvögel, baby!" (1970) wandte Elfriede Jelinek die Technik der Montage von Versatzstücken an. Später bezogen ihre Werke eine gesellschaftskritische Haltung. Ihr Gesamtwerk zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Themen aus, welche die Felder der Geschlechteremanzipation, der Sexualität, des Leben und Todes, des Eltern-Kind-Verhältnisses und der Heimat berühren. Das Erzählwerk der Literaturnobelpreisträgerin (2004), der Roman "Die Kinder der Toten" (1995), bietet ein buntes Potpourri ihrer vielfältigen thematischen Motive. 1998 wurde Jelinek mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet...
Elfriede Jelinek wurde am 20. Oktober 1946 im steiermärkischen Mürzzuschlag geboren.

Ihre Mutter Olga, geb. Buchner, stammte aus dem Wiener Großbürgertum. Ihr Vater Friedrich Jelinek war Chemiker und jüdisch-tschechischer Abstammung. Jelinek verbrachte ihre Kindheits- und Jugendjahre in Wien. Dort besuchte sie zunächst eine Klosterschule. Anschließend begann sie ein Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Wien, bis sie 1967 das Studium durch Angstzustände gezwungen abbrach und ein Jahr lang zu Hause in völliger Isolation lebte. Indes begann sie ihre Existenz als Berufsschriftstellerin. Der erste Roman "bukolit" (1968) blieb bis 1979 unveröffentlicht.

In den sechziger Jahren experimentierte Jelinek mit Texten, wobei sie sich in ihrem Stilausdruck an die "Wiener Gruppe" annäherte. 1970 verfasste sie den ersten deutschsprachigen Poproman mit dem Titel "wir sind lockvögel baby!", den sie aus gewöhnlichen Versatzstücken zusammenmontierte. Danach wurden ihre Werke, unter denen sich neben Romanen auch Hörspiele und Theaterwerke befanden, gesellschaftskritischer. Außerdem absolvierte sie am Konservatorium eine Ausbildung an der Orgel und am Klavier, die sie mit der Organistenprüfung 1971 abschloss. 1972 heiratet sie Gottfried Hüngsberg.

Der literarische Durchbruch gelang ihr 1975 mit dem Roman "die liebhaberinnen", der marxistisch-feministischen Karikatur eines Heimatromans. Zu ihren Schwerpunktthemen zählten nun Frauen in der von Männern dominierten Gesellschaft und die sexuelle Unterdrückung der Frau. In der Darstellung ihrer Themen verwendet Jelinek eine besondere Technik der Sprache: Sie setzt unterschiedliche Textsorten, wie zum Beispiel aus der Werbung oder aus Schubertliedern ein, oder sie verwendet stereotype Formulierungen auf ironische Weise, um ihre wahren Bedeutungen zu enthüllen. 1983 erschien der Roman "Die Klavierspielerin". In den Rezensionen überwog die biografische Deutung; die Auseinandersetzung mit dem Text trat in den Hintergrund.

Überhaupt gebraucht die Autorin in vielen ihrer Stücke die Sprache im wortwörtlichen Sinn, um somit gesellschaftliche Denkweisen zu hinterfragen. Dafür stehen Romantitel wie "Die Liebhaberinnen" (1975), "Die Klavierspielerin" (1983), "Lust" (1989) sowie die Schauspiele "Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte" (ua. 1979), "Clara S." (ua. 1982) oder "Krankheit oder Moderne Frauen" (uraufgeführt 1987). Ihre kritische Haltung gegenüber den Medien brachte sie mit dem Drama "Stecken, Stab und Stangl – Eine Handarbeit" (uraufgeführt 1996) zum Ausdruck. Darin griff sie konkret die Wiener Kronenzeitung in ihrer fremdenfeindlichen Berichterstattung an.

Das Werk schrieb sie anlässlich eines rassistischen Brandanschlags im Burgenland, bei dem vier Roma getötet wurden. Die Vielfalt ihrer literarischen Themen verpackte Jelinek in dem großen Romanwerk "Die Kinder der Toten" (1995), in dem sie Motive wie Heimat, Mutter-Tochter-Verhältnis, Leben und Tod anspricht. Vom Tod handelt gleichfalls das 1998 uraufgeführte Schauspiel "Sportstück". Als marxistisch orientierte Autorin, so ihre Kritiker, versuchte sie in der Tradition Berthold Brechts die aufklärerische Funktion von Kunst mit modernen literarischen Mitteln weiterzuentwickeln. Jelinek wurde eine vielfach ausgezeichnete Schriftstellerin.

Zu ihren Preisen und Auszeichnungen gehören unter anderem das Österreichische Staatsstipendium für Literatur (1972), der Drehbuchpreis des Innenministeriums der BRD (1979), der Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln (1986), der Literaturpreis des Landes Steiermark (1987) und Deutschlands höchste Literaturauszeichnung: der Georg-Büchner-Preis (1998). 2000 erschien der Roman "Gier. Ein Unterhaltungsroman". 2004 erhielt Elfriede Jelinek den Nobelpreis für Literatur für "den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen, die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen".

Elfriede Jelinek lebt in Wien, München und Paris.
Hörspiele

1972
wenn die sonne sinkt, ist für manche schon büroschluß (SDR/BR), Regie Otto Düben

1972
Wien West (NDR/WDR, Regie: Otto Düben)

1973
Untergang eines Tauchers (SDR, Regie: Otto Düben)

1976
Die Bienenkönige (SDR/Rias Berlin, Regie: Hartmut Kirste)

1977
Jelka. Familienserie in acht Folgen (SWF, Regie: Peter Michel Ladiges)

1977
Porträt einer verfilmten Landschaft (SDR, Regie Hartmut Kirste)

1979
Die Ausgesperrten (SDR/BR/Radio Bremen, Regie: Hartmut Kirste)

1978
Die Jubilarin (BR, Regie: Alexander Malachovsky)

1979
Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaft (SDR/HR/Radio Bremen, Regie: Otto Düben)

1982
Frauenliebe – Männerleben (SWF/HR, Regie: Hans Gerd Krogmann)

1986
Erziehung eines Vampirs (SDR/NDR/BR, Regie: Otto Düben)

1988
Die Klavierspielerin (SWF, Bearbeitung und Regie: Patricia Jünger)

1991
Burgteatta (BR/ORF, Bearbeitung und Regie: Hans Gerd Krogmann)

1992
Präsident Abendwind (BR, Regie: Hans Gerd Krogmann)

1992
Wolken.Heim (HR/BR/SFB, Regie: Peer Raben)

1996
Stecken, Stab und Stangl (ORF/BR/NDR, Bearbeitung und Regie: Hans Gerd Krogmann)

1997
Todesraten (mit Olga Neuwirth, BR, Regie: Olga Neuwirth)

1998
er nicht als er (BR, Regie: Ulrich Gerhardt)

2003
Jackie (BR, Regie: Karl Bruckmaier), (Hörspielpreis der Kriegsblinden)
Romane

1967
Lisas Schatten; (Lyrik)

1968
bukolit. hörroman (erschienen 1979)

1970
wir sind lockvögel baby!

1972
Michael. Ein Jugendbuch für die Infantilgesellschaft

1975
Die Liebhaberinnen

1980
Die Ausgesperrten

1983
Die Klavierspielerin

1984
Theaterstücke

1985
Oh Wildnis, oh Schutz vor ihr

1989
Lust

1995
Die Kinder der Toten

2000
Gier

2007
Neid

Dramen

1977
Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder Stützen der Gesellschaften

1981
Clara S.

1987
Krankheit oder Moderne Frauen

1985
Burgtheater

1987
Präsident Abendwind

1988
Wolken.Heim

1991
Totenauberg

1994
Raststätte

1996
Stecken, Stab und Stangl

1998
Ein Sportstück

1998
er nicht als er

1999
Macht nichts. Eine kleine Trilogie des Todes

2000
Das Lebewohl. 3 kleine Dramen

2002
In den Alpen

2003
Das Werk

2003
Bambiland

2005
Babel

2006
Ulrike Maria Stuart

2006
Über Tiere

Übersetzungen

1976
Die Enden der Parabel, von Thomas Pynchon

1982
Josefina, bedien die Herren. Geschichten von Frauen u. Männern aus Lateinamerika

1983
Herrenjagd Drama, von Georges Feydeau

1986
Floh im Ohr Drama, von Georges Feydeau

1986
Der Gockel Drama, von Georges Feydeau

1988
Die Affaire Rue de Lourcine Drama von Eugène Labiche

1990
Die Dame vom Maxim Drama, von Georges Feydeau

2001
Der Jude von Malta Drama, von Christopher Marlowe

2004
Ernst ist das Leben (Bunbury), von Oscar Wilde

Drehbücher

1982
Die Ausgesperrten (zusammen mit Franz Novotny)

1990/1991
Malina (nach Ingeborg Bachmann)

2000
Die Blutgräfin (zusammen mit Ulrike Ottinger)

Verfilmungen

1982
Die Ausgesperrten, Regie: Franz Novotny

1989
Die Affäre Rue de Lourcine. Regie: Peter Behle, Klaus Michael Grüber

1997
Wolken.Heim. Regie: Klaus Bertram

2001
Die Klavierspielerin mit Isabelle Huppert. Regie: Michael Haneke
Rowohlt Verlage

c/o Elfriede Jelinek
Hamburger Straße 17
DE-21465 Reinbek

Tel.: +49-40-72 72-0
Fax: +49-40-72 72-319
E-Mail: info@rowohlt.de
1969
Preis des Lyrikwettbewerbs der Österreichischen Hochschülerschaft

1969
Preise der 20. Österreichischen Jugendkulturwoche Innsbruck für Lyrik und Prosa

1972
Österreichisches Staatsstipendium für Literatur

1978
Roswitha-Preis der Stadt Bad Gandersheim

1979
Drehbuchförderung des Bundesministers des Innern

1983
Würdigungspreis für Literatur des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst (Österreich)

1986
Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln

1987
Literaturpreis des Landes Steiermark

1989
Preis der Stadt Wien (Literatur)

1994
Walter Hasenclever-Preis der Stadt Aachen

1994
Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum

1996
Bremer Literaturpreis für den Roman Die Kinder der Toten

1998
Georg-Büchner-Preis

2000
manuskripte-Preis des Landes Steiermark

2002
Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung

2002
Mülheimer Dramatikerpreis für Macht Nichts

2002
Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf

2003
Else Lasker-Schüler-Dramatikerpreis des Pfalztheaters Kaiserslautern für das dramatische Gesamtwerk

2004
Lessing-Preis für Kritik

2004
Mülheimer Dramatikerpreis für Das Werk

2004
Stig Dagerman-Preis der Stig Dagermangesellschaft (Schweden)

2004
Hörspielpreis der Kriegsblinden

2004
Franz-Kafka-Literaturpreis (Prag/Tschechische Republik)

2004
Nobelpreis für Literatur

2006
André-Gide-Preis

2007
Dramatikerin des Jahres

NameElfriede Jelinek

Geboren am20.10.1946

SternzeichenWaage 24.09 - 23.10

GeburtsortMürzzuschag (A).