Biografie

Dieter Wellershoff

Der Schriftsteller ist ein bedeutender deutschsprachiger Essayist der Gegenwart. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften und des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. Er rief Anfang der sechziger Jahre die "Kölner Schule" ins Leben. Über sie beabsichtigte der Literat einen neuen Realismus zu begründen, der durch exaktes Beobachten geprägt sein sollte. Als Vorbild diente ihm der Nouveau Roman der französischen Literatur. In seinen frühen Werken versuchte Dieter Wellershoff sein Programm umzusetzen. Sie thematisieren Untergang und Zerstörung von Individuen. Daneben umfasst sein Werk Romane, Erzählungen, Drehbücher und Hörspiele...
Dieter Wellershoff wurde am 3. November 1925 in Neuß geboren.

Wellershoff besuchte das Gymnasium. Noch während seiner Schulzeit musste er seinen Kriegsdienst leisten und wurde erst zum Arbeitsdienst und später zum Waffendienst eingezogen. Nach dem Krieg schloss er seine schulische Ausbildung mit dem Abitur ab. 1947 begann Wellershoff dann Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie an der Universität Bonn zu studieren. Im Jahr 1952 promovierte er mit einem Thema über Gottfried Benn. Und auch späterhin widmete er sich dessen Werk. In der Zeit zwischen 1952 und 1955 war Dieter Wellershoff als Redakteur der "Deutschen Studentenzeitung" beschäftigt. Dort sind auch seine ersten Werke zeitlich angesiedelt. Ab dem Jahr 1959 war er für den Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln als Lektor tätig. In den sechziger Jahren rief er die "Kölner Schule" ins Leben. Ihr traten unter anderem Rolf Dieter Brinkmann, Gisela Elsner oder Nicolas Born bei.

Die Gruppe holte sich Anregung aus der französischen Literaturbewegung Nouveau roman. Das Programm der "Kölner Schule" war geprägt von der exakten Beobachtung. Literarischen Verzerrungen wurde bewusst vermieden. Wellershoff war darüber hinaus tätig als Dozent an verschiedenen Universitäten wie zum Beispiel in den Jahren 1962 und 1963 in München, im Jahr 1974 in Salzburg oder im Jahr 1973 als Writer-in-Residence in Waewick in England. 1989 wurde er Professor. Seit dem Jahr 1982 lebt Dieter Wellershoff als freier Schriftsteller in Köln. Seine Frühwerke sind gekennzeichnet von der Umsetzung des literarischen Programms der "Kölner Schule". Darin wird Kritik an gesellschaftlichen Zuständen geübt, in dem der Autor sie nicht durch literarische Verzerrung, sondern durch exakte Beobachtung und Beschreibung thematisiert. Die Werke bevorzugen die Themen von Selbstzerstörung und Auflösung individueller Persönlichkeiten.

So wird in dem Titel "Ein schöner Tag" (1966) von dem familiären Alltag in Minutenweise aus der Perspektive von drei Familienmitgliedern geschildert. In den beiden Stücken "Die Schattengrenzen" (1969) und "Die Schönheit des Schimpansen" (1977) beschäftigt sich der Autor mit der psychischen Loslösung eines Kriminellen. 1979 schuf Wellershoff ein Fernsehspielfilm mit dem Titel "Die Phantasten", der die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Abläufe in das kritische Blickfeld rückte. Der Film wurde von der Kritik positiv aufgenommen. In "Einladung an alle" (1972) wendet Wellershoff die Technik der mehrfachen Perspektive an, indem er dokumentarische Materialien in das Werk einbindet. Das Romanwerk "Der Sieger nimmt alles" (1983) geht es um wirtschaftliche Zusammenhänge. Autobiografisch gefärbt ist der Titel "Die Arbeit des Lebens" (1985) oder der Essay "Der Ernstfall. Innenansichten des Krieges" (1995).

Darin beschäftigt sich Dieter Wellershoff unter anderem mit seiner Zeit während des Zweiten Weltkriegs. Zu seinem weiteren Essaywerk zählt unter anderem "Das Verschwinden im Bild. Essay" von 1970 oder der im Jahr 1995 verfasste Titel "Das geordnete Chaos". In dem Roman "Der Liebeswunsch" (2000) wird ein missliches Beziehungsnetz geschildert, wiederum aus unterschiedlichen Perspektiven der Beteiligten. Neben Romanen, Erzählungen, Essays und TV-Spiele schuf Wellershoff auch Hörspiele wie zum Beispiel "Am ungenauen Ort. Zwei Hörspiele" von 1960 oder "Das Schreien der Katze im Sack. Hörspiele. Stereostücke" von 1970. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem Titel wie "Doppelt belichtetes Seestück und andere Texte" (1974), "Die Sirene" (1980), "Der Roman und die Erfahrbarkeit der Welt" (1988), "Blick auf einen fernen Berg" (1991), "Zwischenreich" (1993) oder "Zikadengeschrei. Novelle" (1995).

Zu den literaturkritischen und –theoretischen Werken gehören unter anderem "Literatur und Veränderungen. Versuch zu einer Metakritik der Literatur" (1969), "Literatur und Lustprinzip" (1973), "Die Auflösung des Kunstbegriffs" (1976), "Wahrnehmung und Phantasie. Essays zur Literatur" (1987), "Das Schimmern der Schlangenhaut. Existenzielle und formale Aspekte des literarischen Textes. Frankfurter Vorlesungen" (1996). Wellershod erhielt im Jahr 1960 für sein Werk "Minotaurus" den Hörspielpreis der Kriegsblinden und im Jahr 1988 den Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln überreicht. Im September 2001 erscheinen Essays unter dem Titel "Der verstörte Eros. Zur Literatur des Begehrens". Im gleichen Jahr wurde Wellershoff mit dem "Friedrich-Hölderlin-Preis" ausgezeichnet. 2002 erhielt er den Niederrheinischen Literaturpreis der Stadt Krefeld, 2005 den Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik Bonn.

Im Jahr 2007 wurde er für sein literarisches Gesamtwerk mit dem Großen Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland geehrt.

NameDieter Wellershoff

Geboren am03.11.1925

SternzeichenSkorpion 24.10 - 22.11

GeburtsortNeuß (D).