Biografie

Orson Welles

Der US-amerikanische Schauspieler und Regisseur schrieb Filmgeschichte mit seinem Meisterwerk "Citizen Kane" (1941), der heute noch zu den zehn besten Filmen der Welt zählt. Aufmerksam wurden die Hollywood-Verantwortlichen auf den Filmemacher durch sein realistisches, Aufsehen erregendes Hörspiel "Krieg der Welten", wozu der amerikanische Schriftsteller Herbert Georg Wells die Vorlage lieferte. Mit seinen Einsätzen von Weitwinkelobjektiven und Schärfentiefen brachte Orson Welles neue Techniken und damit neue Impulse für die Filmproduktion. Als Mime verkörperte er einzigartig titanische Persönlichkeiten. Große Erfolge feierte Welles als Shakespeare-Darsteller...
Orson Welles wurde am 6. Mai 1915 als Sohn eines Industriellen und einer Pianistin im amerikanischen Kenosha/Wisconsin geboren.

Welles war der zweite Sohn einer streng katholischen Familie. Sein Vater Richard Head Welles war einem wohlhabenden Geschäftsmann und seine Mutter Beatrice Ives, Konzertpianistin. Nach seinem Studium arbeitete Orson Welles zunächst als Journalist. Auf einer Reise durch Irland beschäftigte er sich ab 1931 mit dem Theater. In Dublin spielte er in diesem Jahr erstmals am Gate-Theatre und am Abbey Theatre. Nach seiner Heimkehr betätigte er sich als Leiter verschiedener Theater und machte mit außerordentlichen Aufführungen auf sich aufmerksam. Unter anderem betrieb er zusammen mit John Houseman und Joseph Cotton das Mercury-Theater. In den 1930er Jahren wurden soziale Projekte von der US-Regierung unterstützt und Orson Welles inszenierte in New York Shakespeare. Berühmtheit erlangte er mit seinem Hörspiel "Krieg der Welten" aus der Feder des amerikanischen Schriftstellers Herbert Georg Wells. Dabei geht es um die Landung von Außerirdischen auf der Erde.

Orson Welles gestaltete am 30. Oktober 1938 die Vorlage so realistisch, dass die Hörer meinten, es handelte sich nicht um ein Hörspiel, sondern um aktuelle Nachrichten. Mit der Ausstrahlung der Sendung "Krieg der Welten" löste der Regisseur eine Panik in der ganzen USA aus. Das war der Durchbruch für Hollywood. Dort inszenierte er dann 1941 sein Meisterwerk "Citizen Kane", das noch heute zu den zehn besten Filmwerken der Welt gezählt wird. Doch ein Kassenerfolg war Welles damit nicht gelungen. Trotz des filmkünstlerischen Wertes war das für Hollywood kein Grund, den genialen Regisseur weiter zu halten. Mitte der 1940er Jahre musste Orson Welles gehen, zumal er sich auch als ein unbequemer Filmemacher erwies. Doch zuvor, 1942, entstand der zweite Hollywood-Film "Der Glanz des Hauses Amberson", eine Familiengeschichte, die den Zeitraum von 1873 bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges überblickt, und den Verfall der Aristokratie schildert. Der Film zeichnet sich aus durch die ins Poetisch weisende, phantasievolle Handschrift des Regisseurs. Teile der Kulissen dienten später vielen Trivialfilmen aus dem Action- und Horrorgenre.

Im Jahr 1946 drehte Orson Welles den Politkrimi "Die Spur des Fremden". Dabei geht es um die Entdeckung eines ehemaligen SS-Offiziers, der durch eine biedere bürgerliche Existenz seine dunkle Vergangenheit tarnt, um sich der Verantwortung zu entziehen. In diesem Film spielte auch Orson Welles selbst mit – neben Loretta Young und Edward G. Robinson als Polizist. Im gleichen Jahr entstand "Die Lady von Shanghai", den er bei der Produktionsfirma Columbia drehte. Darin spielt Welles einen Seemann, der einer rettungslos abgründigen Liebe zu einer Frau verfällt. Der zynische Kriminalfilm gehört zu den monumentalsten Filmwerken von Welles. Trotz seines Rauswurfes aus den Hollywood-Studios produzierte er weiterhin Filme, die er aus eigener Tasche finanzierte. Um sich Geld dazu zu beschaffen, übernahm er als Schauspieler auch weniger anspruchsvolle Angebote oder realisierte Auftragsarbeiten.

Dabei sind seine Darstellungen wie zum Beispiel in "Der dritte Mann" (1949) oder "Ein Mann zu jeder Jahreszeit" (1967) als gelungene Ergebnisse zu bezeichnen. 1948 und 1951 wurden die zwei William Shakespeare-Themen "Macbeth" und "Othello" von Welles inszeniert und produziert. Für den "Macbeth"-Film benötigte Welles nicht einmal drei Wochen, die Ausgaben lagen bei nur rund 200.000 Dollar. Dagegen dauerten die Film-Arbeiten zu "Othello" rund vier Jahre. Aus Geldmangel musste die Arbeiten immer wieder unterbrochen werden, Welles suchte Geldgeber zum Weitermachen. Er realisierte den Film in minimalistischer Weise, indem er auf Überflüssiges in der Bühnengestaltung verzichtete. Dabei blieb er der Vorlage Shakespeares eng verbunden und erwies sich in der Realisierung als ein genialer Meister seines Faches. In dem legendären Nachkriegsfilm "Der dritte Mann" war Orson Welles lediglich als Schauspieler beteilt.

Im Jahr 1958 entstand die Verfilmung "Im Zeichen des Bösen" als klassischer "Film noir" mit Charlton Heston, Marlene Dietrich und Janet Leigh. Mit der Verfilmung von "Falstaff" (1965) erfüllte er sich einen Wunschtraum. Auch darin – wie in vielen seiner Filmwerke – realisierte er seine Charakterdarstellungen. In dem Film "F wie Fälschung" (1973/1975) geht es um Fälschungen von Gemälden und Tricksereien. Seine Bedeutung für die Entwicklung des Films ist nicht zu unterschätzen, dafür steht gerade das berühmte Beispiel von "Citizen Kane". Orson Welles verwendete als neue Technik Weitwinkelobjekte und Schärfentiefe anstatt Schnitte und gab der Filmproduktion dadurch neue Impulse. Er wurde zum Vorbild des internationalen Films.

Zu seinen weiteren Filmen zählen unter anderem "Von Agenten gejagt" (1943), "Die Waise von Lowood" (1944), "Morgen ist die Ewigkeit" (1945), "König der Könige" (1961), "Der junge General" (1961), "David und Goliath" (1961), "House of Cards" (1968), "König Ödipus" (1968), "Der Stern des Südens" (1968), "Tajna Nikole Tesle" (1980), "Mel Brooks' verrückte Geschichte der Welt" (1980), "Hot Money" (1983), "Parsifals überirdische Himmelszeitung" (1984) oder "Ein Tag für die Liebe" (1987).

Orson Welles starb am 10. Oktober 1985 in Los Angeles.
1934 - The Hearts of Age; D

1941 - Citizen Kane (Citizen Kane); D,R

1942 - Der Glanz des Hauses Amberson (The Magnificent Ambersons) R,B

1943 - Von Agenten gejagt (Journey Into Fear); R

1944 - Die Waise von Lowood (Jane Eyre); D

1944 - Follow the Boys; D

1945 - Morgen ist die Ewigkeit (Tomorrow Is Forever); D

1946 - Die Spur des Fremden (The Stranger); R

1946 - Duell in der Sonne (Duel in the Sun); D

1947 - Die Lady von Shanghai (The Lady from Shanghai); D,R

1948 - Macbeth – Der Königsmörder (Macbeth); D,R

1949 - Der dritte Mann (The Third Man); D

1949 - Graf Cagliostro (Black Magic); D

1949 - In den Klauen der Borgia (Prince of Foxes); D

1950 - Die schwarze Rose (The Black Rose); D

1951 - Rückkehr nach Glennascoul (Return to Glennascaul) D

1952 - Othello (The Tragedy of Othello: The Moor of Venice); D,R

1952 - Trents letzter Fall (Trent's Last Case); D

1953 - L'uomo, la bestia e la virtù; D

1953 - King Lear; D

1955 - Trouble in the Glen; D

1954 - Versailles – Könige und Frauen (Si Versailles m'était conté); D

1955 - Mord ohne Mörder (Three Cases of Murder); D

1955 - Napoleon (Napoléon) ; D

1955 - Herr Satan persönlich (Mr. Arkadin); D,R

1956 - Moby Dick (Moby Dick); D

1957 - Des Teufels Lohn (Man in the Shadow); D

1958 - Der lange heiße Sommer (The Long, Hot Summer) ; D

1958 - Im Zeichen des Bösen (Touch of Evil); D,R

1958 - Die Wurzeln des Himmels (The Roots of Heaven) ; D

1959 - Der Zwang zum Bösen (Compulsion) ; D

1959 - Fähre nach Hongkong (Ferry to Hong Kong) ; D

1960 - David und Goliath (David e Golia); D,R

1960 - Drama im Spiegel (Crack in the Mirror); D

1960 - Austerlitz – Glanz einer Kaiserkrone (Austerlitz) ; D

1961 - Der junge General (La Fayette); D

1961 - König der Könige (King of Kings); D

1961 - Die Tataren (I Tartari); D

1962 - Der Prozess (Le procés); D;R

1963 - Ro.Go.Pa.G; D

1963 - Hotel International (The V.I.P.s); D

1965 - Im Reich des Kublai Khan (La fabuleuse aventure de Marco Polo); D

1965 - Falstaff (Campanadas a medianoche); D,R

1966 - Brennt Paris? (Paris brûle-t-il?) ; D

1966 - Ein Mann zu jeder Jahreszeit (A Man for All Seasons); D

1967 - Casino Royale (Casino Royale); D

1967 - Nur eine Frau an Bord (The Sailor from Gibraltar); D

1967 - König Ödipus (Oedipus the King); D

1967 - Was kommt danach? (I'll Never Forget What's'isname); D

1968 - Stunde der Wahrheit (The Immortal Story); D,R

1968 - Jedes Kartenhaus zerbricht (House of Cards); D

1968 - Kampf um Rom; D

1969 - Die Schlacht an der Neretva (Bitka na Neretvi); D

1969 - Stern des Südens (The Southern Star); D,R

1969 - Zwölf plus eins (12 + 1); D

1970 - The Deep; D,R

1970 - Der Brief an den Kreml (The Kremlin Letter); D

1970 - Die Französische Revolution fand nicht statt; D,R

1970 - Catch-22 – Der böse Trick (Catch-22); D

1970 - Waterloo (Waterloo); D

1971 - Ein Zauberer an meiner Seite (A Safe Place); D

1971 - Der zehnte Tag (La décade prodigieuse); D

1972 - Die Schatzinsel (Treasure Island); D

1972 - Hilfe, ich habe Erfolg! (Get to Know Your Rabbit); D

1972 – Necromancy; D

1972 – Malpertuis ; D

1974 - F wie Fälschung (Vérités et mensonges); D,R

1976 - Reise der Verdammten (Voyage of the Damned); D

1981 - Der blonde Schmetterling (Butterfly); D

NameOrson Welles

Geboren am06.05.1915

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortKenosha, Wisconsin (USA)

Verstorben am10.10.1985

TodesortLos Angeles (USA)