Biografie

Anton Schlecker

Der Unternehmer stieg 1965 mit 21 Jahren als der damals "jüngste Metzgermeister der Bundesrepublik" in das schwäbische Fleischwarenunternehmen des Vaters ein. Noch im selben Jahr gründete er in Ehingen sein erstes eigenes SB-Warenhaus; 1975 folgte in Kirchheim die Eröffnung des ersten Drogeriemarkts, worauf Schlecker unter der Nutzung der Aufhebung der Preisbindung für Drogerie-Artikel (1974) zur größten deutschen Drogeriekette aufstieg. Ab 1987 expandierte Anton Schlecker im europäischen Ausland. In der Spitze führte er europaweit mehr als 14.000 Filialen, 50.000 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von über 7 Milliarden Euro. Neben dieser Erfolgsgeschichte wurde Schlecker mehrfach aufgrund seiner Unternehmenspolitik in der Öffentlichkeit scharf kritisiert. Im Januar 2012 hatte die Drogeriemarktkette Schlecker Planinsolvenz gestellt; ab Juni 2012 begann die Abwicklung...
Anton Schlecker wurde am 28. Oktober 1944 als Sohn eines Großmetzgers geboren.

Schlecker wuchs behütet in Wohlstandsverhältnissen auf. Sein Vater betrieb eine Fleischwarenfabrik und unterhielt insgesamt acht Metzgerei-Filialen. 1965 stieg Schlecker mit 21 Jahren als "jüngster Metzgermeister der Bundesrepublik" in das Unternehmen des Vaters ein. Im selben Jahr gründete er in Ehingen das erste SB-Selbstbedienungswarenhaus. Diese Idee kam gut an, das Geschäft florierte. Schlecker expandierte schnell mit vier weiteren Filialen in Schwäbisch-Gmünd, Geislingen, Neu-Ulm und Göppingen. 1975 fiel in Deutschland die Preisbindung für Drogerieartikel. Dies erkannte Schlecker als seine Chance zur Errichtung von Discount-Märkten für Drogeriebedarf. Die Idee von Niedrigpreis-Märkten in Deutschland war damals noch neu und noch nicht weit verbreitet.

So eröffnete Schlecker 1975 seinen ersten gleichnamigen Drogeriemarkt in Kirchheim/Teck. Die Akzeptanz der Kunden und damit der Erfolg dieser pfiffigen Geschäftsidee ließen nicht lange auf sich warten. Sie drückten sich bereits 1977 in der Anzahl von über 100 eröffneten SB-Discount-Drogeriemärkten aus. Doch der Expansionskurs des Drogerie-Unternehmens ging weiter steil nach oben. Nicht einmal zehn Jahre später eröffnete 1987 die 1.000 Drogerie-Filiale Schleckers. Im selben Jahr dehnte sich Schlecker auch über die bundesdeutsche Grenze hinaus aus. Er begann in Österreich einen internationalen Filialbetrieb aufzubauen. Es folgten 1989 die Niederlande und Spanien, wo Schlecker Tochtergesellschaften gründete. Nach dem Fall der Mauer fand er auch in den neuen Bundesländern eine große Gründungswüste vor sich. Er war einer der ersten Unternehmer, der dort in großer Anzahl neue Filialen entstehen ließ.

Im Jahr 1991 gehörte das französische Drogerie-Unternehmen "Superdrug" zum Schleckerkonzern, der unter eigener Firmierung die Drogeriemärkte weiterführte und ausbaute. Schlecker heiratete Christa Schlecker. Sie wurden gemeinsam Eltern der zwei Kinder, Lars (1971) und Meike (1973). Sowohl die Ehefrau als auch die Kinder wurden in der Konzernleitung des Unternehmens tätig. Einen Tag vor Weihnachten 1987 drangen drei Entführer in das Haus von Schlecker ein. Dort kidnappten sie die beiden Kinder im damaligen Alter von 14 und 16 Jahren. Schlecker zahlte den Entführern ein Lösegeld in Höhe von 9,6 Millionen Mark. Die Täter wurden 1998 gefasst und verurteilt. Das Ehepaar Schlecker wurde im selben Jahr per Strafbefehl durch das Stuttgarter Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von 1 Million Euro verurteilt, weil den Schlecker-Beschäftigten vorgetäuscht worden war, sie würden nach Tarif bezahlt werden. Tatsächlich lagen die von Schlecker bezahlten Löhne niedriger, was das Gericht als Betrug wertete.

Schlecker wurde indes mehrfach aufgrund seiner Unternehmenspolitik und der Mitarbeiterführung in der Öffentlichkeit scharf kritisiert. 1994 war die Discount-Kette von Schlecker europaweit auf über 5.000 Vertriebsfilialen angewachsen, womit sie eindrucksvoll das erfolgreiche Geschäftskonzept unter Beweis stellten. Für Schlecker stand stets eine effektive Vertriebsorganisation im Vordergrund, so dass der Expansionskurs des Unternehmens auch nicht ins Stocken geriet. Im Jahr 1999 entdeckte Schlecker den italienischen Markt. Indes belief sich die Anzahl der europaweiten Vertriebsstätten von Schlecker auf über 12.000 Drogeriemärkten in der Discount-Vertriebsform. Im Einzelnen waren dies über 200 Drogeriemärkte in Frankreich, 1.100 in Österreich, 660 in Spanien, 270 in den Niederlanden und über 10.000 in Deutschland. Dazu gehören 24 eigene Logistik-Center, die die Filialmärkte mit Waren beliefern. Schlecker führte in der Spitze europaweit mehr als 14.000 Filialen mit ca. 50.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 7 Milliarden Euro. Sein Marktanteil an den Drogeriemärkten betrug in Deutschland indes rund 74 Prozent.

Diese Situation änderte sich dramatisch mit den Erfolgsgeschichten von  Drogerieketten wie dm und Rossmann, die durch ein positives Image große Marktanteile gewinnen konnten. Am 20. Januar 2012 hatte die Drogeriemarktkette Schlecker Planinsolvenz gestellt. Kurz darauf, am 23. Januar 2012, hatte Anton Schlecker auch privat den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über sein gesamtes Vermögen beim Amtsgericht Ulm gestellt. Die Zerschlagung des insolventen Unternehmens wurde am 1. Juni 2012 entgültig beschlossen. Mögliche Investoren hatten kein akzeptabeles Angebot vorgelegt, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einer Konferenz. Mindestens 13.200 Mitarbeiter wurde darauf die Kündigung ausgesprochen.


Menschen und Marken

NameAnton Schlecker

Geboren am28.10.1944

SternzeichenWidder 21.03 - 20.04

GeburtsortEhingen (D).