Die Erfindung des Internets

Die Revolution der Kommunikationstechnologie

Am 29. Oktober 1969 erfolgte unter der Leitung des US-Wissenschaftlers und Internet-Pioniers Leonard Kleinrock (geb. 13. Juni 1934 in New York City) erstmals die Übermittlung eines Wortes per Fernverbindung über Modem und Telefonstandleitung zwischen zwei Computern. Das Internet war erfunden. Die Computervernetzung ging vor allem auf militärisches Engagement zurück, um Daten schneller zu übermitteln. Die zentrale Entwicklung fand vor allem in der vom US-amerikanischen Verteidigungsministerium gegründeten Entwicklungsbehörde Advanced Research Projects Agency ARPA, später umbenannt in DARPA, statt. Das Internet wurde in der Zeit des Kalten Krieges weiter entwickelt. Damit haben die Amerikaner ihren Vorsprung auf dem Gebiet der Militärtechnik gegenüber der Sowjetunion ausgebaut. Durch die Entwicklung der Seitenbeschreibungssprache HTML, der Hyperlinks und der Internetadressen schuf Sir Timothy John Berners-Lee Ende der 1980er Jahre am CERN in Genf die Grundlagen des WWW, das in den 1990er Jahren zur explosionsartigen Verbreitung des Internet als globales Massenmedium beitrug. Das Internet revolutionierte weltweit den Datentransfer und die Medienentwicklung. Heute wird es schätzungsweise von mehr als zwei Milliarden Menschen genutzt, allein in Deutschland sind etwa über 75% der Bevölkerung online.

Das Arpanet

Die USA in den 1950er und 1960er Jahren – die Zeit des Kalten Krieges mit der Sowjetunion war die Zeit der ideologischen Auseinandersetzung zwischen Kommunismus und westlicher Demokratie und um die globale Führerschaft auf den Gebieten der Kultur, Wirtschaft und Technik. Im Jahr 1957 schossen die Sowjets erfolgreich den Satelliten Sputnik 1 ins All. Die Amerikaner sorgten sich daraufhin wegen nuklearer Raketenangriffe. In der Folge bildetet das US-Verteidigungsministerium die Behördenagentur Advanced Research Projects Agency ARPA, später umbenannt in Defensive Adavanced Research Project Agency DARPA. Eine zentrale Aufgabe dieser Einrichtung war die Beschleunigung der Übermittlung von militärischen Informationsdaten. Joseph Carl Robnett Licklider (1915 – 1990), US-amerikanischer Psychologie-Professor und Mitarbeiter von ARPA, beschäftigte sich mit Fragen der künstlichen Intelligenz und der Vernetzung von Computern. Nicht zuletzt trieb er in entscheidendem Maße die Anfänge der Informatik voran. Im Jahr 1963 erläuterte der Wissenschaftler in dem "Memorandum to Members and Affiliates of the Intergalactic Network" das "Galactic Network", eine frühe Form des Internets, das auch Merkmale des heutigen Webs enthält.

Die Vorläufer des Internets

Im Jahr 1966 wurde Lawrence ("Larry") G. Roberts (geb. 1937 in Connecticut) leitender Wissenschaftler von ARPA und war verantwortlich das Advanced Research Projects Agency Network, das Arpanet, zu entwickeln. Es handelte sich um ein dezentrales Computernetzwerk, an dem einige wenige US-amerikanische Universitäten, die zugleich mit dem Militär verbunden waren, beteiligt waren. Unter seiner Leitung und in Zusammenarbeit mit renommierten Informatikspezialisten wurden innovative Computertechnologien besprochen und entwickelt, wie zum Beispiel die Netzkommunikation ohne zentral steuernden "Supercomputer". Mit den Interface Message Processors (IMP) kamen spezielle Minicomputer zum Einsatz, die den heutigen Internet-Routern ähnelten und den über eine Telefonleitung gekoppelten Rechnern vorgeschaltet wurden. Darüber hinaus wurde das "packet switching", die Packetvermittlung, angewandt: Informationsdaten wurden in kleinere Daten-Päckchen aufgeteilt und dann versendet. Diese Grundlage des Internets, die heute noch Anwendung findet, wurde unter anderem von dem US-amerikanischen Elektroingenieur und Informatiker Leonard Kleinrock ( geb. 1934) am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt.

Erste virtuelle Verbindung

Am 29. Oktober 1969 war es so weit – das Internet war erschaffen. An diesem Tag wurde unter der Leitung von Leonard Kleinrock im Arpanet das erste Wort von einem Computer zum anderen übermittelt. Es handelte sich dabei um das Wort "Login". Doch der erste Versuch schlug fehl. Bereits beim dritten Buchstaben "g" stürzte der Computer ab. Einige Stunden später war die Verbindung stabil und die Übermittlung erfolgreich. Das Wort wurde von einem Computer der Forschungsabteilung der Universität Kalifornien in Los Angeles zu einem anderen Rechner des Stanford Research Institute in San Francisco übertragen. Das dezentrale Netzwerk Arpanet bestand aus insgesamt vier Netzwerkknoten (IMP), wozu ebenso die Forschungseinrichtungen der Universitäten Utah und Santa Barbara zählten.

Virtuelle Rush Hour

Danach nahm die Entwicklung des Internets rasch Fahrt auf. Im Jahr 1971 stellte der US-amerikanische Computertechniker Ray Tomlinson (geb. 1941) das erste Email-Programm öffentlich vor. Auf den Erfinder der Email geht auch das @-Zeichen als festen Bestandteil der Email-Adresse zurück. Zwei Jahre später starteten die beiden US-amerikanischen  Informatiker Vint Cerf (geb. 1943) und Bob Kahn (geb. 1938) die Entwicklung des Internetprotokolls TCP (Transmission Control Protocol). Das Übertragungssteuerungsprotokoll wurde später zum Standard für den Datenaustausch im Web. Es erkennt und behebt automatisch Datenverluste, verhindert Überlastungen oder ermöglicht die Datenübertragung in beide Richtungen. Am 3. August 1984 um 10.14 Uhr kam die erste Email in Deutschland an. Sie war an den Wirtschaftsingenieur Michael Rotert (geb. 1950) an der Universität Karlsruhe gerichtet – mit dem Betreff "Wilkommen in CSNET!". Abgesendet wurde der virtuelle Gruß von Laura Breeden von der US-amerikanischen Plattform CSNET aus Cambridge  im US-Staat Massachusetts.

Erfindung des World Wide Web (www.)

Der britische Physiker Tim Berners-Lee gilt als Erfinder des World Wide Web, das er 1990 mit der weltweit ersten Website begründete. Nach der Schule studierte er Physik an der Universität Oxford. Im Anschluss an sein Studium wurde Berners-Lee für das Europäische Kernforschungslabor (CERN) in Genf tätig. Dort entwickelte er 1989 ein Projekt, das aufbauend auf dem bereits bestehenden Internet den weltweiten wissenschaftlichen Informationsaustausch durch das Prinzip des Hypertextes ermöglichte. Zur Verknüpfung der Dokumente erfand Berners-Lee die so genannten Hyperlinks. Um die Dokumente im Netz auffinden zu können, entwickelte er entsprechende eindeutige Internetadressen. Zur Gestaltung der Dokumente entwickelte er die Seitenbeschreibungssprache HTML. Mit diesen drei Grundlagen des WWW schuf Berners-Lee dann den ersten Browser der Computergeschichte (WordWideWeb ) und den ersten Webserver (NeXTSTEP).

Der Start: http://info.cern.ch/ geht online

An Weihnachten 1990 ging die erste Website der Welt unter der Adresse info.cern.ch online. Damit hatte Berners-Lee unbeabsichtigt den Grundstein für ein neues Medium gelegt, das sich in den folgenden Jahren mit explosionsartiger Geschwindigkeit in der ganzen Welt verbreitete. Dies verdankte sich auch der Zuarbeit des amerikanischen Wissenschaftlers Marc Andreessen, der an der Universität Illinois den ersten massenhaft einsetzbaren Browser "Mosaic" erfand, der ab 1994 unter dem Dach von "Netscape" weiterentwickelt wurde.