Biografie

Werner Bergengruen

Der Schriftsteller zählte zu den antifaschistischen Autoren im Dritten Reich. Seine frühe Werke orientieren sich an frühromantischen Themen wie das Geheimnisvolle oder das Skurrile. Später schrieb er Romane und zahlreiche Novellen mit historischen Stoffen, in denen "unerhörte Begebenheiten" thematisiert werden. Sie nehmen eine zentrale Stellung in seinem Werk ein. Sein bekanntestes Werk ist der Kriminalroman "Der Großtyrann und das Gericht" (1935), in dem er sich mit den Themen Macht, Recht und Moral auseinandersetzt. Der Titel seines Gedichtbandes "Die heile Welt" (1950) wurde – unbeabsichtigt – zum Synonym für Verdrängung. 1951 erhielt Werner Bergengruen den Wilhelm-Raabe-Preis und 1962 den Schiller-Preis. Zu seiner Zeit war Bergengruen ein sehr populärer Erzähler und Lyriker...
Werner Bergengruen wurde am 16. September 1892 als Sohn eines baltendeutschen Arztes in Riga/Lettland geboren.

Werner Bergengruen verbrachte seine Schulzeit auf dem Gymnasium in Lübeck und Marburg. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 studierte er in Marburg, München und Berlin Jura, Theologie, Germanistik und Geschichte – ohne Abschluss. Er meldete sich als Freiwilliger in den Krieg. 1922 kämpfte er in der Baltischen Landwehr in seiner Heimat gegen die Rote Armee. Bergengruen absolvierte ein Volontariat bei der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung und arbeitete als Journalist in Tilsit, Memel und Berlin. 1922/1923 erschienen seine ersten literarischen Versuche in der Öffentlichkeit. Seit 1927 lebte er in Berlin als freie Schriftsteller, zog dann 1936 nach Solln bei München.

Im Jahr 1942 wurde dort sein Haus durch einen Luftangriff zerstört, es folgte die Übersiedlung nach Tirol. Im gleichen Jahr nahm er den katholischen Glauben an. Das Jahr darauf wurde er aus der Reichsschriftentumkammer ausgeschlossen. Nach dem Krieg wurde erst Zürich sein neuer Wohnsitz, dann ab 1958 Baden-Baden. Werner Bergengruen blieb seiner baltischen Heimat verbunden. Seine frühen Werken orientieren sich in der Erzähltechnik sowie in der Thematik des Skurrilen und Unheimlichen an der frühromantische Epoche. Seine Vorbilder waren Jean Paul und E.T.A. Hoffmann. Letzteren ehrte er mit einer Biographie "ETA Hoffmann" (1939). Bergengruens spätere Arbeiten machten einige Romane aus und eine große Anzahl von Novellen.

Besonders in ihnen thematisiert er oftmals historische Stoffe wie zum Beispiel in "Das Buch Rodenstein" (1927/1951). Das Christentum und der abendländische Humanismus machten Bergengruens entschiedene weltanschauliche Auffassung aus. Sie durchzieht sein gesamtes Werk. So handeln seine Novellen von der Bindung des Menschen in eine höhere Ordnung und von der göttlichen Vorsehung. Sie sind gehalten in der klassischen Erzählform, in der eine "unerhörte Begebenheit" als überzeitlicher Prototyp thematisiert wird. Sein bekanntestes Novellenwerk ist "Die drei Falken" (1936). Die novellistischen Erzählungen machen einen Schwerpunkt im Werk von Bergengruen aus.

In seinem bekanntesten Werk, dem Kriminalroman "Der Großtyrann und das Gericht" (1935), wird eine Hauptfrage von Bergengruen angesprochen, nämlich wie Macht, Recht und Moral miteinander zusammenhängen. Das Stück zielt in symbolischer Weise ab auf das Dritte Reich. In dieser Zeit hatte sich der Schriftsteller seine kritische Haltung gegen den Nationalsozialismus bewahrt und auch propagiert – in seinen anonymen Abschriften von Gedichten aus dem Zyklus "Der ewige Kaiser" (1937) oder "Dies irae" (1945), die von Hand zu Hand in Umlauf kamen. Diese antinationalistische Haltung stammte aus seinem Konservatismus, der sich auch in seinen literarischen Mitteln bemerkbar macht. Der Titel seines Gedichtbandes "Die heile Welt" (1950) wurde – entgegen der Absicht in den Texten – zum Synonym für eine auf Verdrängung beruhende Haltung in der Gesellschaft.

Ebenso ist sein Roman "Am Himmel wie auf Erden" (1940) als antifaschistische Literatur zu werten, die während des Gewaltregimes in Deutschland entstanden ist. 1951 wurde der Schriftsteller mit dem Wilhelm-Raabe-Preis und elf Jahre später, 1962, mit dem Schiller-Preis geehrt. 1952 entstand sein Nachkriegsroman "Der letzte Rittmeister" (1952), in dem er auch seine entschiedene Traditionslinie, sein Festhalten am Alten, ausbreitet. Sein Zweifel, seine Skepsis an neuen Entwicklungen wie zum Beispiel Industriezeitalter oder Normierung begründen diese traditionelle Auffassung. Bergengruen war ein fleißiger Schreiber mit einem umfassenden Werk, dem unter anderem noch Reiseglossen, autobiografische Schriften und Übersetzungen russischer Realisten angehören.

Die russischen Autoren waren es, die auch sein spätes Literaturschaffen beeinflussten. Zu Lebzeiten des Schriftstellers waren seine Bücher vielbeachtet, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg verkaufte er im In- und Ausland Millionenauflagen. Zu seinen weiteren Werken zählen unter anderem "Das Gesetz des Atum" (1923), "Rosen am Galgenholz" (1923), "Das Brauthemd" (1925), "Das große Alkahest" (1926), "Das Kaiserreich in Trümmern" (1927), "Herzog Karl der Kühne" (1930), "Der große Griffel" (1931), "Die Feuerprobe" (1933), "Der ewige Kaiser" (1937), "Der Tod von Reval" (1939), "Der spanische Rosenstock" (1941), "Die lombardische Elegie" (1951), "Schreibtischerinnerungen" (1961) oder "Dichtergehäuse" (1966).

Werner Bergengruen starb am 4. September 1964 in Baden-Baden.

NameWerner Bergengruen

Geboren am16.09.1892

SternzeichenJungfrau 24.08 -23.09

GeburtsortRiga (Lettland)

Verstorben am04.09.1964

TodesortBaden-Baden (D).