Who's who Titelbild
Wieland Herzfelde
Der Redakteur, Verleger und Schriftsteller gründete den Malik-Verlag, der sich zu einem bedeutenden politischen Forum im linken Lager entwickelte. Wieland Herzfelde trug aber auch selbst als Autor etwa der Schrift "Gesellschaft, Künstler und Kommunismus" und als Mitherausgeber der antifaschistischen Exilzeitung "Neue Deutsche Blätter" zur politischen Debatte bei. In New York wirkte er als Mitbegründer des Aurora Verlags. Darüber hinaus war er als Übersetzer, Lyriker, Erzähler und Essayist tätig. Zu seinem essayistischen Werk zählt unter anderem der Titel "Die Kunst ist in Gefahr", den er 1929 zusammen mit Georg Grosz verfasst hatte. In den Jahren 1959 bis 1970 übernahm Herzfelde die Präsidentschaft des PEN-Vereins in der DDR...
 
vorheriger Eintrag H. Herzfelde E. Herzigova naechster Eintrag
Biografie
Wieland, mit eigentlichem Nachnamen Herzfeld, wurde als Sohn des Schriftstellers Franz Herzfeld (Künstlername: Franz Herz) am 11. April 1896 im schweizerischen Weggis geboren.

Nachdem die Eltern von Wieland Herzfelde gestorben waren, verließ er die Schweiz. Er siedelte nach Deutschland über und ließ sich in Berlin nieder. Dort begann er ein Studium der Germanistik und Medizin. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich 1914 als Freiwilliger. Die Kriegseuphorie währte indes nicht lange. 1916 gab Herzfelde in Berlin die Zeitschrift "Neue Jugend" heraus, die sich gegen den Krieg aussprach. Kurze Zeit darauf wurde das Blatt zwangseingestellt. 1917 wurde Herzfelde zum Kriegsdienst zwangsverpflichtet. Nach seiner Dissertation wurde er im gleichen Jahr unehrenhaft aus der Armee entlassen.

In dieser Zeit rief er zusammen mit seinem Bruder, dem Maler, Grafiker, Fotomontagekünstler und Bühnenbildner John Heartfield, sowie dem Maler und Grafiker George Grosz den Malik-Verlag ins Leben. In ihm fanden vor allen Dingen linksrevolutionäre und dadaistische Werke eine Veröffentlichungsplattform. Zu den Autoren, die der Verlag betreute, gehörten unter anderen Oskar Maria Graf, Franz Jung, Georg Lukács, Upton Sinclair, Ilja Ehrenburg, Johannes R. Becher, Leo Tolstoi oder Maxim Gorki. Nach Kriegsende wurde Herzfelde 1918 zusammen mit George Grosz und John Heartfield Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Wenige Wochen nach der ersten Herausgabe der Zeitschrift "Die Pleite" durch Herzfelde, Grosz und Heartfield wurde das Blatt verboten. 1920 nahmen die drei Verleger an der "Ersten Internationalen Dada-Messe" teil. Im Jahr darauf erschien im Malik-Verlag Herzfeldes Schrift "Gesellschaft, Künstler und Kommunisten", in dem er seine radikalen kommunistische Ansichten veröffentlichte. Der dänische Schriftsteller Martin Andersen Nexö wurde für den Verlag tätig. 1928 trat Herzfelde dem "Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller" (BPRS) bei. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 zog er sich nach Prag zurück, von wo aus er seine Verlagstätigkeit weiter ausübte.

Im Exil gab Herzfelde in der Zeit von 1933 bis 1935 zusammen mit Anna Seghers die Zeitschrift „Neue deutsche Blätter“ heraus. 1934 stellte auf Druck der NSDAP der Malik-Verlag seinen Betrieb ein. Der Standort wurde nach London verlegt. Noch im gleichen Jahr edierte der Verlag Berthold Brechts "Gesammelte Werke". 1938 emigrierte Herzfelde nach London. Im Jahr drauf ging es weiter in die USA nach New York. Dort war er als Buchhändler und Publizist tätig. In New York eröffnete er 1944 zusammen mit den deutschen Exilpersönlichkeiten Heinrich Mann, Berthold Brecht, Alfred Döblin, Ernst Bloch und Lion Feuchtwanger den Aurora-Verlag. Er betreute in der Hauptsache antifaschistische Literatur und Schriften.

Im Jahr 1949 siedelte Herzfelde wieder nach Deutschland über. In der sowjetisch besetzten Zone, dann Deutsche Demokratische Republik (DDR), wurde er als Professor für Literatur an der Universität Leipzig tätig. Daneben verfasste er Übersetzungen, lyrische Werke, Erzählungen und Essays. Zu seinem essayistischen Werk zählt unter anderem der Titel "Die Kunst ist in Gefahr", den er 1929 zusammen mit Georg Grosz verfasst hatte. Noch 1949 wurde seine autobiografische Prosa unter dem Titel "Immergrün. Merkwürdige Erlebnisse und Erfahrungen eines fröhlichen Waisenknaben" veröffentlicht. Ab 1950 war Herzfelde zusätzlich mit seinem Bruder als Bühnenbildner tätig.

In der Zeit von 1952 bis 1962 gab er die 14-bändige Ausgabe der "Gesammelten Werke" von Leo N. Tolstoi heraus. In den Jahren 1959 bis 1970 übernahm Herzfelde die Präsidentschaft des PEN-Vereins in der DDR. 1961 wurde er in die Akademie der Künste in Ostberlin aufgenommen. 1962 kam sein monographisches Werk mit dem Titel "John Heartfield. Leben und Werk" heraus. 1967 fand die akademische Ausstellung "Der Malik-Verlag" statt. 1976 wurde der essayistische Sammelband "Zur Sache geschrieben und gesprochen zwischen 18 und 80" publiziert. 1986 ehrte Ostberlin, die Hauptstadt der DDR, Herzfelde mit der Ehrenbürgerschaft.

Wieland Herzfelde starb am 23. November 1988 in Ostberlin.


Bedeutende Vertreter des deutschen Verlagswesens
Home | Namen | Themen | Zeitstrahl | 
Copyright © 1999 - 2014 by www.whoswho.de
Webdesign - mps by Susanne Porsche
Biografie
Nachname: Herzfelde
Vorname: Wieland
Geburtsdatum: 1896-04-11
Geburtsort: Weggis (CH).
Todesdatum: 1988-11-23
Todesort: Berlin (DDR).
Sternzeichen: Widder 21.03 - 20.04
Weiteres zu Wieland Herzfelde aus dem Feltas-Kalender