Die Berliner Mauer

Ein Symbol des Kalten Krieges

Die Berliner Mauer ist als ein Symbol des Kalten Krieges zwischen den demokratischen Westmächten und den kommunistischen Ostmächten in die Geschichte eingegangen. Die Errichtung begann am 13. August 1961. Sie sollte die Massen an Flüchtlingen, die in den Westen strömten und die DDR zu entvölkern drohte, aufhalten – zu einer Zeit dortiger Versorgungsprobleme und wirtschaftlicher Rezession. Dennoch versuchten die Menschen, die Mauer zu überwinden. Viele fanden dabei den Tod. Das Bollwerk gegen den demokratischen Westen stand über vierzig Jahre, bevor es am 9. November 1989 im Zuge der sowjetischen Reformbewegungen Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) sowie der Wiedervereinigung beider Teile Deutschlands niedergerissen wurde.

Vorgeschichte: Sperrzone – kontrolliert und vermint

Seit dem Jahr 1952 grenzte sich die DDR gegen die Bundesrepublik Deutschland durch eine bis zu fünf Kilometer breite Sperrzone ab. Sie war rund 1.400 km lang und durchzog das gesamte Bundesgebiet von Bayern bis zu Ostsee. Gesichert wurde die Demarkationslinie oder Zonengrenzen, wie die innerdeutsche Grenze in der Bundesrepublik auch genannt wurde, von der DDR durch Wachtürme, Kontrollstationen, Streifengänge, Verminungen, Selbstschussanlagen oder Stacheldraht. Die Abriegelung trennte nicht nur Häuser, Kirchen, Orte, Landschaften oder Straßen, sondern auch Menschen, Familien und Freunde. Sie veränderte im Verlaufsgebiet das Leben der Menschen, die in Grenznähe auf DDR-Gebiet zwangsumgesiedelt wurden. Für einen Austausch zwischen der Bundesrepublik und Berlin auf der einen Seite und der DDR auf der anderen Seite waren lediglich sechs Eisenbahnübergänge und fünf Straßen- bzw. Autobahnübergänge offen. In Berlin und Umgebung wurden 200 Straßen zugemacht und die telefonische Verbindung nach Westberlin unterbrochen. Dennoch war die Grenze durchlässig, vor allem in Berlin, auch wenn sie nur unter Gefahren für die Menschen zu überwinden war. Der Bau der Mauer sollte den weiteren Flüchtlingsstrom ganz unterbinden.

Bau der Mauer

Walter Ulbricht, Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), verkündete noch im Juni 1961, also nur wenige Wochen vor dem Mauerbau: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!" Doch die Pläne dazu waren längst beschlossen, auch wenn Moskau erst im August zustimmte. Ein Lippenbekenntnis für die Öffentlichkeit. Angehörige der Nationalen Volksarmee NVA, der Volkspolizei und von Betriebskampftruppen errichteten auf der Berliner Sperrzone in der Nacht vom 12. zum 13. August 1961 Steinwälle und Stacheldrahtabsperrungen oder kontrollierte die Arbeiten – zum Teil bewaffnet. Dazu erklärte der Ministerrat der DDR: "Zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militaristischen Kräfte Westdeutschlands und West-Berlins wird eine solche Kontrolle an der Grenze der Deutschen Demokratischen Republik einschließlich der Grenze zu den Westsektoren von Groß-Berlin eingeführt, wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist." Am gleichen Tag gab Bundeskanzler Konrad Adenauer bekannt: "Im Verein mit unseren Alliierten werden die erforderlichen Gegenmaßnahmen getroffen.  [Es ist]. . . nichts zu unternehmen, was die Lage nur erschweren, aber nicht verbessern kann."

Die Trennung von Freunden und Familien

In der nachfolgenden Zeit wurde die anfängliche Abschottung ausgebaut zu einer 46 Kilometer langen Mauer, die Ost- und Westberlin unüberwindbar trennte. Sie wurde dann noch zu einem kompletten Bollwerk auf eine Länge von 155 km erweitert, das ganz Westberlin einkesselte. Damit waren die Menschen aus beiden Teilen der Stadt von einem zum anderen Tag voneinander getrennt, ein gegenseitiger Besuch von Freunden und Familien war unmöglich. Aber auch 50.000 Ostberliner konnte nicht mehr zu ihren Arbeitsplätzen nach Westberlin. Die Mauer aus Beton, die im Osten von den politisch Verantwortlichen als "antifaschistischer Schutzwall" gefeiert wurde, war aber nicht das einzige Bollwerk. Es wurde zusätzlich gesichert durch Wachtürme, Todesstreifen mit Minen, Gräben, Wachhunde oder Schützenstellungen.

Maueropfer und Schießbefehl

Obwohl die Grenzanlage als unüberwindlich galt, versuchten viele Menschen von Anfang an – auch auf abenteuerliche Weise - die Flucht in den Westen. Weltbekannt wurde das Bild von Conrad Schumann, dem springenden NVA-Soldaten in Uniform mit Stiefeln, Stahlhelm und Kalaschnikow, der am 15. August 1963 die noch durchlässige Grenze überwand. Doch oft genug gingen Fluchtversuche nicht so glücklich aus. Neben Verhaftungen verloren dabei wenigstens 235 Menschen ihr Leben. Für Republikflüchtlinge, die in der Dienstanweisung vom 1. Oktober 1973 als Verräter bezeichnet wurden, bestand ein Schießbefehl, auch wenn sich darunter Frauen und Kinder befanden.

Nationale und internationale Reaktionen

Am Abend des 13. August empörte sich Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt im Abgeordnetenhaus: "Der Senat von Berlin erhebt vor aller Welt Anklage gegen die widerrechtlichen und unmenschlichen Maßnahmen der Spalter Deutschlands, der Bedrücker Ost-Berlins und der Bedroher West-Berlins." Diplomatische Proteste der westalliierten Mächte wurden in Moskau laut. US-Präsident John F. Kennedy entschied am 17. August 1963, die Stärke der Berliner Garnison um 1.500 Mann aufzustocken. Bei seinem Berlinbesuch im Juni 1963 anlässlich des 15. Jahrestags der Berliner Luftbrücke Berlin tat Kennedy in Richtung Ostberlin kund: "Ich bin ein Berliner".

Der Mauerfall

KpdSU-Generalsekretär und Präsident Michael Gorbatschow bemühte sich ab Mitte der 1980er Jahre, mit Glasnost und Perestroika die angeschlagene Sowjetunion und den Warschauer Pakt zu modernisieren. Im Rahmen dieser Bemühungen verlor die starre DDR-Führungsriege um Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker, die den Reformwillen der Bürger in alter Manier zu unterdrücken versuchte, den Beistand aus der Sowjetunion. Flüchtlingsströme über Ungarn oder Tschecheslowakei verdeutlichten das überkommene DDR-System. Honecker wurde am 18. Oktober 1989 vom SED-Zentralkomitee abgesetzt und am 9. November 1989 öffneten sich die Grenze zum Westen. Die Mauer war gefallen.

 

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