Biografie

Johannes Duns Scotus

Der schottische Philosoph, Logiker und Theologe war ein Repräsentant des Nominalismus. Er begründete die schottistische Schule als die führendste des Franziskanerordens. Eines seiner Themen war der Thomismus, dem er sich kritisch näherte. In seiner Lehre vertrat er die Auffassung, dass die Vernunft vom Willen abhängt. Ferner bewertete er Glauben, Wille und Liebe höher als Wissen und Vernunft. Als einer der ersten mittelalterlichen Denker betrachtete er Philosophie und Theologie als unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Aussagegehalten. Johannes Duns Scotus Scharfsinnigkeit war so populär, dass er Doctor subtilis genannt wurde. Am 20. März 1992 wurde er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen...
Johannes Duns Scotus wurde zwischen 1266 und 1270 im schottischen Maxton geboren.

Duns Scotus war ein schottischer Scholastiker. Sein Name ist hebräischer Herkunft und bedeutet: Gott ist gnädig. Er besuchte ab dem 15. Lebensjahr die Schule der Franziskaner in Newcastle und trat dem Orden bei. 1291 empfing er in Northampton die Priesterweihe. Duns Scotus studierte in der Zeit von 1293 bis 1296 Theologie in Paris und später in Oxford. In den Jahren von 1297 bis 1301 unterrichtete er in Cambridge und in Oxford Theologie und Philosophie. Danach verließ er England und ließ sich in Paris nieder. Dort setzte er seine Lehrtätigkeit in den Jahren von 1302 bis 1303 fort.

Als Anhänger von Bonifatius VIII. musste er aus Paris emigrieren. Er zog sich zunächst nach England zurück. Im Jahr 1304 siedelte er abermals nach Paris über. Dort promovierte er im Jahr 1305 zum Dr. theol. Später verließ er Paris und verweilte auf Geheiß des Ordensgenerals in Köln. Er war am dortigen Konvent als Lektor tätig. Sein Engagement galt, der mittelalterlichen Philosophie eine bedeutendere Rolle gegenüber der Theologie zu verschaffen. Er stand mit seiner Auffassung vom Vorrang des Willens gegenüber der Vernunft im Gegensatz zu einem anderen mittelalterlichen Scholastiker, Thomas von Aquin.

In seinem Voluntarismus begründete Duns Scotus, dass nicht der Wille von der Vernunft, sondern umgekehrt, die Vernunft vom menschlichen Willen abhängt. Damit ist der Wille nicht nur dem Denken übergeordnet, sondern auch frei und unabhängig. Diese Lehre ist ihm sowohl für den Menschen als auch für Gott gültig. Den Willen Gottes erklärte er als absolut frei. Seine Güte hängt von seinem Willen ab. Die theologischen Sätze sind nach Duns Scotus axiomatisch und müssen einfach geglaubt werden. Dagegen erkannte er in der Philosophie irrationale und rationale Momente. Obgleich das Irrationale über das Rationale herrscht, müsste das Rationale dennoch mittels begrifflicher Schärfe herausgearbeitet werden.

Die Existenz der irrationalen Momente begründete der schottische Denker damit, dass das Individuelle tiefer als das Allgemeine liegt. Nach Johannes Duns Scotus bestehen nur Einzeldinge, die sich aus Form und Materie zusammensetzen. Selbst der Seele und den Engeln erkannte er Materie zu. Gott gesteht er absolute Freiheit zu und damit auch eine reine Form. Weiterhin war der schottische Franziskaner davon überzeugt, dass die Dinge in ihrer individuellen Existenz direkt erkannt werden könnten. Mit seiner These erweiterte er die abstrakte Erkenntnismöglichkeit. Zu seinen Werken gehören unter anderem einige Kommentare zu den Schriften der Logik von Aristoteles.

Die Logik bedeutete ihm eine exakte Wissenschaft, die er in zwei Bereiche einteilte: in den theoretischen und den angewandten. Johannes Duns Scotus selbst war ein Anhänger der Lehre von der doppelten Wahrheit. Seine Scharfsinnigkeit war zu seinen Lebzeiten so berühmt, dass er Doktor subtilis genannt wurde. Darüber hinaus äußerte er sich im damals aktuellen Universalienstreit. Er nahm an, dass die Universalien als Formen der göttlichen Vernunft vor den Dingen existieren. Erst danach finden sie sich als Formen der göttlichen Vernunft in den einzelnen Dingen wieder.

Für ihn folgte dann die Existenz der Universalien in den einzelnen Dingen als ihr Wesen. Und schließlich kommen die Universalien als Begriffe im menschlichen Denken durch Abstrahieren vor. In seiner metaphysischen Lehre verlieh Duns Scotus dem Individuum eine höhere Bedeutung, indem er das Individuationsprinzip erkannte, das in einer artbestimmten Form zum positiven Sein hinzutritt. Duns Scotus nahm das Prädikatenkalkül vorweg, und er entdeckte das logische Gesetz p É (~p É ~q). In seiner theologischen Lehre entwickelte er die Theorie der unbefleckten Empfängnis der Maria. Er war ein bedeutender Theologe. Martin Heidegger bezeichnete ihn als "Theologen der Zukunft".

Johannes Duns Scotus starb am 8. November 1308 in Köln.

Am 20. März 1992 wurde Johannes Duns Scotus von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

NameJohannes Duns Scotus

Geboren am01.01.1266

GeburtsortMaxton

Verstorben am01.01.1308

TodesortKöln