Biografie

Heinrich Steinhöwel

Der deutsche Arzt, Übersetzer und Schriftsteller Heinrich Steinhöwel, auch Stainhöwel geschrieben, zählt zu den bedeutendsten Frühhumanisten. Mit seinen Übersetzungen unter anderem von Werken Boccaccios brachte er die Entwicklung der frühneuhochdeutschen Kunstprosa voran. Sein populärstes Werk waren die freien Wiedergaben äsopischer Fabeln. Steinhöwel ging durch seine gelungene Aufarbeitung und Wiedergabe als der "deutsche Äsop" in die Literaturgeschichte ein...
Heinrich Steinhöwel wurde im Jahr 1412 in Weil der Stadt geboren.

Steinhöwel studierte in Wien Medizin. 1437 absolvierte er seinen Magister-Abschluss. In Padua promovierte er in der Zeit von 1438 bis 1443 zum Dr. med. Dort wurde auch sein Interesse für klassische und neuitalienische Literatur geweckt. Nach seiner Rückkehr aus Italien hielt er sich im Jahr 1444 zunächst in Heidelberg auf und war dort an der Universität tätig. Dann ließ er sich in Esslingen als Stadtarzt nieder. Von dort zog er nach Ulm und praktizierte seit dem Jahr 1450 als Stadtarzt. Außerdem war war er Leibarzt des Grafen Eberhard von Württemberg. Steinhöwel gehörte zu den bedeutendsten Repräsentanten des Frühhumanismus in Deutschland. Sein Ruf gründete unter anderem auf seiner Übersetzertätigkeit.

Steinhöwel tat sich dabei hervor, in dem er nicht wie zum Beispiel Niklas von Wyle, Jurist und Ratsschreiber der Reichsstadt Esslingen, seine Übersetzungen ins Deutsche nach dem Prinzip der wörtlichen Übertragungen realisierte. Steinhöwels Leistung bestand darin, dass er die freie und sinngemäße Übersetzung wählte. Er übertrug unterschiedliche Werke in das Deutsche wie zum Beispiel die "Griseldis"-Novelle (1468) in der Petrarca-Fassung mit dem deutschen Titel "Diss ist ain epistel francisci petrache / von grosser stätigkeit ainer frowen Grisel gehaissen" (1471), die lateinische Vitensammlung "De claris mulieribus" (zu dt.: "Über berühmte Frauen") des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio oder den mittelalterlichen Versroman "Apollonius von Tyros" (1464-1471) von Gottfried von Viterbo.

Populär geworden ist Steinhöwels Kompilation von Fabeln des griechischen Fabeldichters Aisopos von Sardes ab dem Jahr 1476. Die zweisprachige Veröffentlichung in Latein mit deutscher Übersetzung mit dem Titel "Vita et Fabulae" (1476) wurde eines der erfolgreichsten Projekte des frühen Buchdrucks. Besorgt wurde das Buchwerk von dem Drucker Johannes Zainer, der im Jahr 1472 einen Druckereibetrieb in Ulm eröffnete. Mit der Übertragung der lateinischen Prosafabeln in das Volksdeutsch machte Steinhöwel sie einem breiten lesekundigen Publikum zugänglich. Steinhöwel ging durch seine gelungene Aufarbeitung und Wiedergabe als der "deutsche Äsop" in die Literaturgeschichte ein. Die Fabeln mussten für Heinrich Steinhöwel einem bestimmten Anspruch genügen, den er auch in seinen Übersetzungen beachtete.

So musste die Fabel unterhaltsam und belehrend zugleich sein, ihre Geschichte musste frei erfunden sein, die Handlungsträger darin durften keine Menschen sein, wobei aber die Handlung auf den Menschen direkt übertragbar sein musste. Steinhöwels äsopische Fabeln dienten Martin Luther als Vorlage zu dessen Bearbeitung, an die er sich im Jahr 1530 während seines Aufenthaltes auf der Burg Coburg machte. Zu Steinhöwels weiteren Werken zählt unter anderem der Titel "Buochlin der ordnung / wie sich der mensch halten sol / zu den zyten dieser grúselichen kranckheit" (1473).

Heinrich Steinhöwel starb im Jahr 1482 in Ulm.

NameHeinrich Steinhöwel

Geboren am01.01.1412

GeburtsortWeil der Stadt (D).

Verstorben am01.01.1482

TodesortUlm (D).