Biografie

Pius IX.

NameGiovanni Mastai Ferretti

AliasPius IX.

Geboren am13.05.1792

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortSenigallia (I).

Verstorben am07.02.1878

TodesortRom (I).

Pius IX.

Als vermeintlich liberal gesinnter Papst gab Pius IX. bei Antritt seines Pontifikats zunächst zu mancher politischen Illusion im nationalen Befreiungskampf Italiens Anlass. Im Zuge der schrittweisen Aufhebung der weltlichen Macht der Kirche offenbarte er jedoch sukzessive eine unversöhnliche Gegnerschaft zum Liberalismus und zum neuen italienischen Nationalstaat. Die konservativ-reaktionäre Haltung Pius’ IX. brachte auf dogmatischer Ebene einige fundamentale Lehren des Katholizismus und im Verhältnis zum italienischen Staat eine kirchliche Intransigenz hervor, die beide nachhaltige Spuren in der Religionsgeschichte und in der politischen Entwicklung Italiens hinterlassen haben...

Die Chronologie der Päpste
Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche
Giovanni Maria Mastai Ferretti wurde am 13. Mai 1792 in Senigallia an der italienischen Adriaküste als Kind einer Adelsfamilie geboren.

Nachdem er Kindheit und Jugend inmitten der Wirren der französisch-napoleonischen Epoche verbracht hatte, durch die auch der Kirchenstaat unter die Herrschaft von Napoleon Bonaparte I geraten war, erhielt er 1819 die Priesterweihe. Von 1823 bis 1825 war er zunächst mit der Neuorganisation der Kirche in Chile nach dem dortigen Unabhängigkeitskrieg beauftragt. Ab 1825 leitete er in Rom eine kirchliche Fürsorgeeinrichtung. Zwei Jahre später wurde Mastai Ferretti zunächst auf den Bischofsstuhl von Spoleto, 1832 auf den von Imola berufen. 1840 erhielt er schließlich die Kardinalswürden. Nach dem Tod Papst Gregors XVI. (1765-1846, Pontifikat ab 1831) wählte ihn die römische Kardinalsversammlung am 16. Juni 1846 zum neuen Kirchenoberhaupt.

Genau einen Monat später eröffnete Papst Pius IX. mit seinem Amnestiedekret für politische Gefangene eine neue, liberale Reformära im Kirchenstaat, die das reaktionäre Regime seines Vorgängers ablöste. Die Initiative wurde von der gemäßigt-liberalen Bewegung nicht nur im Kirchenstaat, sondern in allen italienischen Territorien als Signal zu tiefgreifenden Reformen von Kirche und Staat begriffen. In der Tat gewährte Pius IX. unter dem Druck der öffentlichen Meinung 1847 eine beschränkte Pressefreiheit und politische Mitwirkung durch die Einrichtung eines Staatsrats. Sukzessive nahm die italienische Nationalbewegung die Umbruchsituation im Kirchenstaat zum Anlass, Papst Pius IX. zu ihrem politisch-moralischen Führer zu erheben und sich von der weltlichen Macht und spirituellen Ausstrahlung der Kirche den notwendigen Impuls für die nationale Einigung Italiens zu erhoffen.

In den Revolutionen von 1848/49 schienen sich diese nationalitalienischen Hoffnungen des Neoguelfismus, also der papstorientierten Richtung innerhalb der Nationalbewegung, zunächst zu bestätigen. Im Zuge des Revolutionsausbruchs sah sich nämlich das Kirchenoberhaupt nach dem Beispiel der anderen italienischen Fürsten am 14. März 1848 zur Verfassungsgebung und zur Einsetzung einer liberalen Regierung gezwungen. Der Kirchenstaat stellte sich anfangs sogar auf die Seite Piemonts, das durch einen Krieg gegen Österreich die nationale Befreiung Italiens herbeizuführen suchte. Mit dem Rückzug der päpstlichen Truppen ließ Pius IX. jedoch am 29. April 1848 keinen Zweifel mehr an seiner eigentlichen Haltung, die nie von einer wirklichen Sympathie für die liberale Nationalbewegung gekennzeichnet gewesen war.

Der Neoguelfismus, der auf die Befreiung und Unabhängigkeit Italiens unter der Führung des Papstes gesetzt hatte, brach nun als illusionäre politische Bewegung zusammen. Die anschließende Radikalisierung der Revolution zwang den Papst gegen Jahresende 1848 zur Flucht aus Rom. Vom benachbarten Königreich beider Sizilien betrieb er mit Erfolg die Niederschlagung der Römischen Republik durch die Militärintervention von Napoléon Bonaparte III.. Nach seiner Rückkehr in den Kirchenstaat verweigerte sich Pius IX. ab 1850 jeglichen liberalen Zugeständnissen. Ausdruck dieses nun offen geäußerten Konservativismus waren die Proklamation des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis 1854, das mit dem absolutistischen Österreich geschlossene Konkordat von 1855 sowie der erbitterte Widerstand gegen den Reformliberalismus, den Graf Graf Camillo Benso di Cavour während der 1850er Jahre in Piemont nicht zuletzt auch gegen die Kirche entwickelte.

Im Zuge der nationalen Einigungskriege verlor die katholische Kirche 1859 ihre weltliche Macht über die Emilia und Romagna sowie 1860 über die Marken und Umbrien an das neuentstehende Königreich Italien. Nur durch die Unterstützung von Napoléon Bonaparte III.. konnte Pius IX. zunächst noch Rom und Latium als kirchenstaatliches Restterritorium behalten. Das katholische Kirchenoberhaupt ließ an seiner Aversion gegenüber den liberalen Wegbereitern des neuen Italien keinen Zweifel, als es 1864 in der Enzyklika "Quanta cura" mit dem "Syllabus errorum" eine scharfe Verurteilung des Liberalismus als modernen Irrtum proklamierte. Nach dem Sturz des französischen Kaisers in Sedan markierte der Einmarsch der italienischen Truppen in Rom am 20. September 1870 das Ende des Kirchenstaats. Im I. Vatikanischen Konzil desselben Jahres ließ Pius IX. das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verkünden, das nochmals den universalen Geltungsanspruch der päpstlichen Autorität gegen alle ideologischen Beanstandungen bekräftigte.

Obwohl das italienische Parlament in den Garantiegesetzen von 1871 die territorialen Besitzrechte des Vatikansstaats bestätigte, verweigerte der Papst dem neuen italienischen Staat auch weiterhin seine Anerkennung. Die Entfremdung zwischen Papsttum und italienischem Nationalstaat ging so weit, dass Pius IX. 1874 den Katholiken sogar die Teilnahme an den Wahlen zum italienischen Nationalparlament untersagte. Auf diese Weise ging von der katholischen Intransigenz ein nicht unerheblicher Einfluss auf die defizitäre Entwicklung der politischen Kultur des jungen Italien aus. Denn die unversöhnliche Haltung der Kirche zum Staat war dafür verantwortlich, dass das katholische Lager im Gegensatz zu Liberalismus und Sozialismus bis 1919 auf eine gefestigte Parteiorganisation mit nationaler Reichweite und Massenbasis verzichtete.

Als Papst Pius IX. am 7. Februar 1878 in Rom starb, sollte ihn die Opposition der katholischen Kirche zum italienischen Staat noch für rund fünf Jahrzehnte überleben. Denn die beiderseitigen Beziehungen wurden erst während des Faschismus, durch die Lateralverträge von 1929, auf eine neue, kooperative Grundlage gestellt.


Die Chronologie der Päpste
Bedeutende Persönlichkeiten aus Religion und Kirche

NameGiovanni Mastai Ferretti

AliasPius IX.

Geboren am13.05.1792

SternzeichenStier 21.04 - 21.05

GeburtsortSenigallia (I).

Verstorben am07.02.1878

TodesortRom (I).

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